Erstellt am 19. September 2013, 21:26

Brüderliches TV-Duell mit Strache und Bucher. Die Spaltung der Freiheitlichen in Blaue und Orange dürfte seit Donnerstagabend emotional endgültig überwunden sein.

FPÖ-Obmann Strache und BZÖ-Chef Bucher gaben in der ORF-Wahlkonfrontation weniger ein Duell als ein Duett. In praktisch allen Fragen war man sich einig. Trennend blieb einzig, dass die beiden Parteichefs jeweils zur Wahl der eigenen Liste aufriefen.

Der FPÖ-Obmann meinte fast schon bedauernd: "Es wird wahrscheinlich nicht mehr so oft möglich sein, mit ihnen im ORF zu diskutieren." Denn das BZÖ wird für Strache mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Parlament fliegen. Daher lud er die bisherigen BZÖ-Wähler ein, die Freiheitlichen mit einer Stimme zu belohnen, da die so stärkste Partei werden könnten. Jede Stimme für das Bündnis sei dagegen eine verlorene. Alleine dass sich Bucher den NEOS mit einem Kooperationsangebot angebiedert habe, sei eine "Selbstaufgabe".

In diesem Punkt blieb Bucher nach bis dahin einer halben Stunde voller Harmonie nichts mehr anderes übrig als vehement zu widersprechen. Der BZÖ-Chef erinnerte Strache daran, dass dieser schon 2006 und 2008 dem Bündnis prophezeit habe, aus dem Nationalrat zu fliegen. Passiert sei das nie, eine entsprechende Strache-Prognose wertete Bucher also als gutes Omen.

Koalition denkbar

Kein Problem hätte der BZÖ-Chef mit der FPÖ zu koalieren, sei man doch in sehr vielen Dingen einer Meinung, wobei er unterschied, dass beim Bündnis Sachpolitik und bei den Freiheitlichen Populismus im Vordergrund stehe. Allerdings glaubt Bucher nicht, dass eine Regierungszusammenarbeit mit den Freiheitlichen zustande kommen kann, weil (außer dem BZÖ) ja niemand mit der FPÖ koalieren wolle.

Dass ein nur blau-oranges Regierungsprogramm wohl kein großes Problem darstellen würde, zeigte die inhaltliche Debatte, wo es so gut wie keine Unterschiede zu erkennen gab. So wollen beide die Steuerzahler entlasten, indem man die Rechnungshof-Vorschläge zur Verwaltungsreform umsetzt, beide die EU als Europa der Vaterländer erhalten, beide verhindern, dass in Österreich Minarette errichtet werden und nicht zuletzt sind beide fest davon überzeugt, dass nicht dem freiheitlichen Lager die Schuld an den Problemen der Kärntner Hypo anzuhängen ist.

"Am Ende wird man uns die Schuld geben, dass 1976 die Reichsbrücke eingestürzt ist", ätzte Bucher, begleitet von zustimmendem Lachen Straches. Als Schuldige sehen beide die Banker und für die Haftungen bei der Hypo seien auch SPÖ und ÖVP stets eingetreten, erinnerten Strache und Bucher. Gar eine "Schweinerei" nannte es Strache so zu tun, als wären die Haftungen Schuld des früheren Landeshauptmanns Jörg Haider (einst FPÖ, später BZÖ). Da werde versucht, "sich an einem Toten abzuputzen". Überhaupt waren die Parteichefs bemüht, Haider-Fans nicht zu vergrämen. Beinahe wortgleich wurde von Bucher und Strache gewürdigt, dass dieser das Machtmonopol von Rot und Schwarz in Österreich aufgebrochen habe.