Erstellt am 18. September 2013, 00:00

„Dann gehe ich!“. Ausländerthema ließ Wogen hochgehen, Strache drohte mit Abbruch.

Stellte sich der Diskussion mit BVZ-Lesern. HC Strache und die Teilnehmer am Lesergespräch im Oberwarter Lokal „Die Bank“. Schon nach wenigen Minuten drohte Strache, die Diskussion zu verlassen.Pekovics  |  NOEN, Michael Pekovics BVZ

Von Michael Pekovics

Dass die Ausländerfrage eines der bestimmenden Themen bei der BVZ-Leserdiskussion mit HC Strache werden würde, war klar. Die Beinahe-Eskalation aber weniger. Denn als Straches Ausführungen („Wir haben in Österreich eine Asylmissbrauchsquote von 80 Prozent.“) vom BVZ-Leser und Mitdiskutanten Markus Balogh, der selbst im Flüchtlingsbereich arbeitet, in Frage gestellt wurde („Sie wissen, dass das nicht stimmt!“), drohte Strache mit dem Abbruch der Diskussion. Und auch wenn Diskussionsleiter Markus Stefanitsch die Wogen schnell wieder glättete, blieb das Thema Ausländer dennoch präsent.

Als Lösungsansatz meinte Strache, dass „jeder Mensch, der meint, verfolgt zu werden, in seinen Nachbarländern die Möglichkeit haben muss, einen Asylantrag zu stellen: Österreich kann nicht alle Flüchtlinge aus Krisenländern aufnehmen.“

Bildung und Wirtschaft 

Danach wurde die Diskussion, wohl auch den etwas „weicheren“ Themen geschuldet, sachlicher. Auf die Frage, welches seiner Anliegen Strache als erstes umsetzen würde, nannte der FPÖ-Chef drei Punkte: „Direkte Demokratie nach Schweizer Vorbild, die Halbierung der Beiträge an die Europäische Union und eine Volksabstimmung über den ESM-Rettungsschirm.“ Außerdem müsse es eine Lösung dafür geben, dass „Sozialleistungen des Staates, wie etwa die Familienbeihilfe, schon seit Jahren nicht mehr an die Inflationsrate angepasst wurden“. Vom Thema Familien ging es direkt über zur Bildung.

BVZ-Leserin Isabella Artner wollte wissen, wie die FPÖ das Problem von mangelhaften Deutschkenntnissen bei Schülern in den Griff kriegen will. Strache plädierte hier für ein System „nach finnischem Vorbild: Dort gibt es für Kinder mit Migrationshintergrund schon im Kindergarten den Schwerpunkt Sprache – erst dann werden sie für den Regelbetrieb zugelassen.“ Zudem regte Strache eine Quote von maximal 30 Prozent Migrantenkindern pro Schulklasse an. Als BVZ-Leserin Artner anmerkte, dass nicht nur ausländische, sondern auch österreichische Kinder Leseschwächen hätten, verwies HC auf die Pisa-Studie: „Am Land, wo es weniger Kinder mit Migrationshintergrund gibt, sind die Ergebnisse viel besser als beispielsweise in Wien.“

Fan des differenzierten Schulsystems

Strache outete sich bei diesem Thema auch als Fan des differenzierten Schulsystems: „Wenn alle mit 14 gleich viel oder gleich wenig wissen, dann ist das der falsche Weg. Schüler müssen unterschiedlich behandelt werden: die Starken fordern, die Schwachen fördern.“ Direkt anschließend kam das Lehrlingsthema zur Sprache. BVZ-Leser Bernd Arthofer aus Buchschachen wollte konkrete Maßnahmen wissen, wie die Lehre für Lehrherren aber auch für Lehrlinge attraktiver gemacht werden kann. Strache regte an, Unternehmen, die Lehrlinge ausbilden, stärker zu fördern als bisher: „Aktuell haben viele Angst, überhaupt Lehrlinge auszubilden.“ Und obwohl es einen Mangel an Facharbeitern gebe, sei es derzeit „in“, dass Jugendliche Matura machen, um danach zu studieren. „Wir brauchen einfach mehr Angebote von ‚Lehre mit Matura‘“, forderte Strache.

In direktem Zusammenhang dazu folgte die Frage der Schülerin Teresa Luef nach der Sicherheit der Pensionen in der Zukunft. „Die Entwicklung ist dramatisch. Aber wenn wir es schaffen, das viele Geld, das auf dem Weg nach Brüssel versickert, im Land zu halten, dann brauchen wir uns keine Sorgen zu machen“, so Strache.