Erstellt am 22. September 2013, 09:14

Das Auftreten entscheidet mit. Ein perfekt sitzender Anzug, ein Hemd mit Haifischkragen und Details wie eine sportliche Uhr - Heinz-Christian Strache weiß wie's geht.

 |  NOEN
Als den "best gekleidetsten" Politiker bezeichnete die Stil-Beraterin Irmie Schamburek den FPÖ-Chef und erklärte: "Er spielt mit allen Instrumenten der nonverbalen Kommunikation." Und die beginne bereits mit dem festen Stand. Strache stehe mit leicht gegrätschten Beinen, während seine Mitbewerber oft eine "bisschen schlampige Haltung haben". Aufrecht zu stehen, "gibt dem Auftritt eine ganz andere Dynamik."

Anzug vermittelt Dynamik

Straches Anzüge seien tailliert, italienisch geschnitten und vermitteln dadurch Dynamik. Der Haifischkragen steht für Modernität und zum dunklen Anzug gibt eine leuchtend farbige Krawatte einen Kontrapunkt. Dann lenkt Schamburek die Aufmerksamkeit auf die Details, ein Lederarmband etwa oder den Chronografen, der aus dem Hemdärmel blitzt. Neben Managementfähigkeiten vermittelt er über die Accessoires Sportlichkeit und Aufgeschlossenheit. Auch sein Freizeitlook sei "perfekt", so trägt er etwa zur Jean kein klassisches Anzugsakko sondern mitunter ein Leinensakko. Mit dem Schal, ein "extrem modernes Accessoire", zeige er: "Ich bin der richtige Mann am Puls der Zeit." Die Gel-Frisur kann man mögen oder nicht, passe jedoch zu seinem Look. Haare aus dem Gesicht heraus, das würde immer vertrauenserweckend wirken, so Schamburek.

Besondere Vitalität

Seine Frisur sitzt - Bundeskanzler und SPÖ-Spitzenkandidat Werner Faymann kann mit vollem Haar aufwarten und in seinem Alter strahle das "besondere Vitalität" aus. "Was seine Anzüge betrifft, ist er nicht ganz so außergewöhnlich unterwegs. Sie sind klassisch, bringen aber nicht seine bestmögliche Silhouette zum Vorschein. Sie unterstreichen seine Figur, aber mit raffinierten Schnitten könnte er stattlicher wirken", lautet Schambureks Urteil. Die Schnitte seien "nicht sehr chic", zum Teil sogar altmodisch. Die Kombination von Krawatte, Hemd, Anzug sei "klassisch, aber langweilig, so nach dem Motto 'ich mach nichts falsch, ich hole aber auch nicht das Bestmögliche raus'. Das ist schade, weil das zu den gut gekleideten Mitbewerbern einen Nachteil einbringt."

Ebenso verhält es sich bei den gewählten Farben. Die Stil-Expertin attestiert dem SPÖ-Chef beim Outfit "Mittelmaß" und fragt sich, ob dahinter eine Strategie - "Ich bin einer wie du und ich" - oder mangelnde Beratung und fehlendes Bewusstsein steckt, wie man die Persönlichkeit über ein dynamischeres Styling präsentieren könnte.

Die richtige Farbe führt zu positiven Assoziationen

"Was man von männlichen Politikern erwartet, ist eine Struktur und klare Aussagen und das ist etwas, was man über die Kleidung widerspiegeln kann", so Schamburek. Im Gegensatz zu Faymann seien die Anzüge seines Herausforderers Michael Spindelegger "klar strukturiert" und bei den Krawatten wähle er kräftigere Farben. Der beim ÖVP-Chef beliebte hellblaue Schlips führe zu positiven Assoziationen, sei aber trotzdem noch klassisch. "Er ist kein bunter Hund", stellt die Beraterin fest. Dennoch könnte er aber bei den Krawatten Blockstreifen probieren und auch einen Haifischkragen - dieser schenke dem Gesicht mehr Aufmerksamkeit: "Natürlich wird er dann ähnlich mit gewissen anderen Parteien, aber sie verfolgen ja das gleiche Ziel."

Auch das Freizeitoutfit etwa beim ÖVP-Wandertag mit Schifffahrt habe Spindelegger - er trug ein kariertes Hemd in kräftigem blau-weiß - richtig gewählt. Bei der Frisur habe der ÖVP-Obmann das gleiche Glück wie der SPÖ-Vorsitzende, doch sei er "kein markanter Typ" und wirke als Person "unauffälliger" als Faymann. Spindelegger sei "am richtigen Weg" und kleide sich ein bisschen modischer als der SPÖ-Chef: "Er könnte aber noch bisschen mehr Mut in den Details haben."