Erstellt am 29. September 2013, 15:47

Eva Glawischnig - aus Van der Bellens Schatten getreten. Lange dachte man, bei den Grünen geht ohne Alexander Van der Bellen nicht viel. Seit heute weiß man, mit seiner langjährigen Kronprinzessin Eva Glawischnig geht sogar ein wenig mehr.

APA14866434-2 - 28092013 - WIEN - ...STERREICH: ZU APA 103 II - Spitzenkandidatin Eva Glawischnig am Samstag, 28. September 2013, anl. des "Wahlkampfabtakts" der GrYnen im Palmenhaus im Wiener Burggarten. APA-FOTO: HERBERT P. OCZERET  |  NOEN, HERBERT P. OCZERET (APA)
Die sich abzeichnenden zumindest 12-13 Prozent werden das beste Ergebnis, das die Grünen jemals bei einer Nationalratswahl erzielt haben. Getrübt wird die Freude dadurch, dass der Wunsch, die FPÖ zu überholen, trotz eines ambitionierten Wahlkampfs bei weitem nicht erreicht wurde.

Dass die Grünen Erwartungen diesmal gar so hoch waren, lag an der günstigen Themenlage. Mit dem Schwerpunkt Korruption versuchten Glawischnig und Mitstreiter, die bei den Landtagswahlen in Salzburg und Kärnten erzielten Erfolge auf Bundesebene weiterzuziehen. Dazwischen kam da unter anderem die flotte Kampagne der erstaunlich erfolgreichen NEOS, die ebenso wie die Grünen als Sauberleute durchgingen und ein ähnliches Wählerpotenzial ansprachen.

Wahlziel von 15 Prozent nicht erreicht

Geht man vom eigenen Wahlziel 15 Prozent aus, wären zwar die prognostizierten 12-13 Prozent nicht ganz das Erhoffte. Besser als 11,1 Prozent hatte man bis zum Sonntag aber noch nie abgeschnitten. Der größere Wermutstropfen als das Verpassen der 15 Prozent wäre für Glawischnig, wenn Rot-Schwarz wieder über eine Mehrheit verfügt und die Grünen nur noch allenfalls als Beschmückung einer "großen Koalition" in Frage kämen. Sollten SPÖ und ÖVP entgegen den derzeitigen Prognosen doch noch Unterstützung brauchen, bekämen die Grünen durch die NEOS auch da noch Konkurrenz.

Dass Glawischnig einmal zur Frontfrau der insgesamt links ausgerichteten Grünen werden würde, war ihr nicht in die Wiege gelegt. Sie wuchs im Kärntner Seeboden in einer national gesinnten Wirtsfamilie auf. Dass ihre Eltern bei Wahlen zumindest vor Glawischnigs politischem Engagement die Stimme rechts der Mitte abgegeben haben dürften, hat sie mehrfach angedeutet.

Glawischnig "kann" mit der Bevölkerung

Eine allzu lockere Kindheit hatte die heute 44-Jährige jedenfalls nicht. Schon früh musste sie im Ausflugsgasthaus der Eltern aushelfen, wobei dies für die spätere politische Karriere eine ganz gute Schule gewesen sein dürfte. Die im Umgang mit Medien oft eher introvertierte Grünen-Chefin hat schon bei diversen Wahlkampagnen gezeigt, dass sie mit der Bevölkerung kann. Auch in ihrer kurzen Zeit als Dritte Nationalratspräsidentin meisterte die Juristin selbst heikle Sitzungen mit Umsicht und Humor. Die andere Glawischnig-Seite: Die Grünen-Chefin reagiert auf Kritik gerne auch einmal schnippisch.

Zurück zur Schulzeit. Da saß sie mit dem heutigen freiheitlichen Generalsekretär Herbert Kickl in der Klasse. Den Zug in Richtung Spitze hatte Glawischnig schon damals, fungierte sie doch acht Jahre lang als Klassensprecherin. Nicht ganz für die Top-Position reichte es in der Hitparade. Kleinere Erfolge konnte sie mit dem Song "Gelati" im Rahmen der Gerald Gaugeler-Band aber doch erzielen. Die musikalische Basis legte sie in der Hausmusik am Hackbrett. Daheim spielt Glawischnig heute Klavier und begleitet dabei ihren Mann, den (Puls4-)Journalisten Volker Piesczek, der die Gesangsleinlagen für die beiden Söhne des Paares bestreitet.

Den Absprung aus dem heimatlichen Kärnten tat Glawischnig in den 1990er Jahren bei den Protesten gegen ein Schnellstraßenprojekt im Ennstal. Aus der gemeinsamen Zeit bei der Umweltorganisation "Global 2000" stammt auch die langjährige Freundschaft mit der Wiener Umweltstadträtin Ulli Sima von der SPÖ.

Fehlstart zum Einstieg

Glawischnigs Einstieg in die Parteipolitik über die Wiener Grünen war letztlich ein Fehlstart: Bei den Landtagswahlen 1996 verfehlte sie den Einzug in den Landtag und arbeitete ohne Mandat als Umweltsprecherin der Stadtpartei. Drei Jahre später schaffte sie als Spitzenkandidatin der Wiener Grünen den Sprung in den Nationalrat. Dort konnte sie sich als Umweltsprecherin rasch etablieren und rückte 2002 zur stellvertretenden Parteichefin auf.

Im selben Jahr folgte dann ein herber Rückschlag für die ambitionierte Kärntnerin: Bei den Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP war sie schon als Umweltministerin einer schwarz-grünen Regierung gehandelt worden, doch die Gespräche scheiterten.

Fixstern bei den Grünen

Trotzdem ist Glawischnig spätestens seit damals ein Fixstern bei den Grünen. Als Alexander Van der Bellen nach der enttäuschenden Wahl im Jahr 2008 ging, war klar, dass eigentlich nur sie in die Bresche springen konnte. Wirklich geliebt ist sie zwar nicht bei allen in der Partei, vor allem bei der älteren Generation um den demontierten Johannes Voggenhuber, aber zumindest in weiten Teilen respektiert, obwohl die stets modisch gestylte Lauf-Fetischistin für Teile der Basis noch immer zu nahe an der Societyberichterstattung ist.

Das ordentliche Wahlergebnis wird Glawischnigs Position zumindest nicht schwächen, längst vergessen sind die enttäuschenden Länder-Ergebnisse zu Beginn ihrer Amtszeit. Viel wird auch für Glawischnig nun davon abhängen, ob sich aus dem endgültigen Wahlergebnis noch eine Konstellation ergibt, die ihr das Mitregieren ermöglicht. Ansonsten heißt es weitere fünf Jahre die Oppositionsbank drücken.