Erstellt am 15. August 2013, 10:05

Eva Glawischnig hofft auf ein Regierungsamt. Schaffen die Grünen bei der Nationalratswahl auch nur annähernd das erhoffte Ergebnis von 15 Prozent, ist die 44-jährige Parteichefin endgültig aus dem Schatten ihres Vorgängers Alexander Van der Bellen getreten.

Als Krönung fehlt dann nur noch eine Regierungsbeteiligung - und auf die arbeitet die Juristin, die sich selbst gut als Umweltministerin vorstellen kann, seit Jahren zielstrebig hin.

Ruf als Kronprinzessin

Begonnen hatte alles sehr mühsam. 2009 zur Nachfolgerin des populären Professors gewählt, konnte sie den Ruf als ewige Kronprinzessin nicht abschütteln. Für schlechte Presse sorgte eine Vielzahl schwacher Wahlergebnisse in den Ländern, bei deren Analyse die Kritiker das Wiederstarken der FPÖ nach der Spaltung und dem Ende von Schwarz-Blau gerne außer Acht ließen. Viel lieber wurde der Strahlkraft ihres Vorgängers nachgeweint. Glawischnigs widersprüchlicher, oft distanzierter Umgang mit Journalisten trug wohl seinen Teil dazu bei.

Vorgehalten wurde der ehemaligen Global 2000-Mitarbeiterin auch ihr Umbau in der Partei, die Van der Bellen über Jahre vernachlässigt hatte. "Weiberwirtschaft" wurde ihr vorgeworfen, und der als Spitzenkandidat für die EU-Wahl ausgebootete Johannes Voggenhuber blieb bis heute ihr erbittertster Gegner. Die Mühe samt regelmäßiger Tour durch die Landesorganisationen scheint sich dennoch gelohnt zu haben. Die Grünen stehen heute geeint wie selten da, sie haben - früher undenkbar - einen einheitlichen Außenauftritt, und Glawischnig wurde bereits zweimal mit Ergebnissen jenseits der 90 Prozent wiedergewählt.

Personell bewies sie eine gute Hand: Sie warb Stefan Wallner 2009 als Bundesgeschäftsführer von der Caritas ab und fand damit einen kongenialen Partner für das Parteimanagement. Mit sanft-freundlicher Bestimmtheit sorgt er seither dafür, dass die Grünen ihrem Ruf der offenen Streitlust nicht allzu stark gerecht werden.


Sehr gute Wahlerfolgen bei Landtagswahlen

So richtig gewendet hat sich das Blatt für Glawischnig dennoch erst heuer. In teils überragenden Wahlerfolgen bei den vier Landtagswahlen 2013 konnten die Früchte der jahrelangen Anti-Korruptionspolitik geerntet werden. Die neuen Regierungsbeteiligungen in Kärnten, Salzburg und Tirol zeigen, was die Grünen unter Glawischnig erstmals seit 2002 schaffen könnten: Den Sprung in die Bundesregierung.

Ins Rampenlicht hat es die gebürtige Kärntnerin schon früh gezogen: Bereits mit 18 Jahren war die Wirtstochter als Keyboarderin der "Gerald Gaugeler Band" mit dem Song "Gelati" in den Top 10 der Austro-Hitparade, davor spielte sie in der „Hausmusik Glawischnig“ am Hackbrett.

Den endgültigen Absprung aus dem Kärntner Millieu schaffte sie in den 1990er Jahren bei den Protesten gegen ein Schnellstraßenprojekt im Ennstal. Aus der gemeinsamen Zeit bei der Umweltorganisation "Global 2000" stammt auch die langjährige Freundschaft mit der Wiener Umweltstadträtin Ulli Sima von der SPÖ. Glawischnigs Start in die Parteipolitik über die Wiener Grünen war dagegen ein Fehlstart: Bei den Landtagswahlen 1996 verfehlte sie den Einzug in den Landtag und arbeitete ohne Mandat als Umweltsprecherin der Wiener Grünen.

Drei Jahre später schaffte Glawischnig als Spitzenkandidatin der Wiener Grünen den Sprung in den Nationalrat. Dort konnte sie sich als Umweltsprecherin rasch etablieren und rückte 2002 zur stellvertretenden Parteichefin auf. Im selben Jahr dann ein Rückschlag für die ehrgeizige Kärntnerin: Bei den Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP war sie schon als Umweltministerin einer schwarz-grünen Regierung gehandelt worden, doch die Gespräche scheiterten.

Kritik und Häme brachte Glawischnig ihre Nähe zu den Society-Seiten des Landes ein: Ihre Hochzeit mit dem TV-Moderator Volker Piesczek im Jahr 2005 wurde ebenso öffentlichkeitswirksam vermarktet wie ihre anschließende Schwangerschaft. Nicht nur in der Partei sorgte das für Kopfschütteln, auch mit den Medien kam es immer öfter zu Zerwürfnissen. In der Folge ging Glawischnig zu Journalisten merkbar auf Distanz, ihre beiden Söhne versucht sie bis heute aus der Öffentlichkeit völlig herauszuhalten. In jüngster Zeit zeigt sie sich wieder offener. Dem "Kurier" gab sie ein Doppelinterview mit dem Gatten, und im "Falter" philosophierte sie über ihre Lieblingssünde (Wollust).

Ihr Engagement für die Grünen wurde der begeisterten Hobbyläuferin übrigens nicht gerade in die Wiege gelegt: Geboren wurde sie am 28. Februar 1969 in Seeboden am Millstätter See, einer freiheitlichen Hochburg. Die Schulbank drückte sie unter anderem mit dem heutigen FP-Generalsekretär Herbert Kickl.