Erstellt am 03. September 2013, 23:05

Faymann und Bucher im angriffigen TV-Duell. Lebendiger als von manchen erwartet ist das ORF-Duell zur Nationalratswahl zwischen Bundeskanzler SPÖ-Chef Werner Faymann und BZÖ-Obmann Josef Bucher Dienstagabend über die Bühne gegangen.

Die Spitzenkandidaten schenkten sich nichts, als es um die Kärntner Hypo Alpe Adria, die Arbeitslosigkeit oder die Griechenland-Hilfe ging. Schon beim ersten Thema, der Arbeitslosigkeit, war man sich alles andere als einig. Während Bucher dem Kanzler vorwarf, dass es noch nie so viele Arbeitslose gegeben habe, konterte Faymann damit, dass die Arbeitslosigkeit unter schwarz-blau am höchsten gewesen sei, und das trotz Hochkonjunktur. Von einem "Irrtum" in der Berechnung (Bucher) wollte Faymann natürlich nichts wissen: Er sehe "keinen Grund, unser Land schlecht zu reden".

Eine heftige Diskussion lieferten sich die beiden Kontrahenten in Sachen Hypo: Faymann habe sich "zum Schirmherr der Banken aufgespielt", eröffnete Bucher das Thema. Die "unverantwortliche Politik" in Kärnten sei schuld dran, dass bei der Hypo so viel Geld verloren sei, spielte Faymann den Ball zurück.

Für Bucher ist das "die größte Lüge", immerhin sei die Bank 2006 mit Gewinn verkauft worden und der Kanzler habe zugelassen, dass der damalige Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) die Bank später verstaatlicht habe, obwohl Österreich in der Haftungskette nicht ganz vorne gestanden wäre. "Das ist ja völlig falsch, die Ahnungslosigkeit ist ja atemberaubend", echauffierte sich Faymann. Pröll habe gar keine andere Möglichkeit gehabt, um den Fehler auszubessern, für den Buchers alte Familie, nämlich die Kärntner Blauen, verantwortlich sei.

Faymann verteidigt Mindestsicherung

Angriffig gab sich Faymann auch, um die Mindestsicherung zu verteidigen. Das BZÖ stellt sich ja ein Bürgergeld vor, für das Arbeitslose nach einem Jahr gemeinnützige Arbeit leisten sollen. Der SPÖ-Chef wollte dazu von Bucher wissen, wie er sich denn das vorstelle - ob dann etwa eine alleinerziehende Mutter, die nur ein paar Stunden arbeiten könne und deshalb eine Aufstockung aus der Mindestsicherung bekomme, "Laub rechen" solle?

Nicht auf einer Linie sind SPÖ und BZÖ auch beim Thema Pensionen. Bucher forderte ein einheitliches Pensionsversicherungssystem für alle, wo man mit entsprechenden Ab- und Zuschlägen selbst entscheiden kann, wann man in Pension geht. Faymann versuchte in Sachen Finanzierbarkeit des derzeitigen Systems zu beruhigen und verwies darauf, dass die Frage der Einnahmen eine Frage der Beschäftigung sei.

Große Lust, diese nächsten fünf Jahre enger mit dem BZÖ zu verbringen, wenn es sich mit der ÖVP nicht mehr ausgehen sollte, hat der SPÖ-Chef nicht: Er sei für eine Zweierkoalition, und er sehe weder in Bucher noch in Frank Stronach eine "Bereicherung".