Erstellt am 03. Oktober 2013, 08:17

Frank Stronach krempelt Partei um. Frank Stronach und sein engstes Team haben am Mittwoch nach dem schlechten Ergebnis bei der Nationalratswahl die Partei inklusive Vorstand umgebaut.

Seine Vertraute Kathrin Nachbaur löst Robert Lugar als Klubchefin ab. Lugar wird nun nur einfacher Abgeordneter. Auch in den Ländern geht es rund, so wurden der Kärntner Obmann Gerhard Köfer und sein Salzburger Kollege Hans Mayr abgelöst.

Heiser-Fischer und Schalli als neue Landeschefs

Die Partei ist in ihrer einjährigen Geschichte immer wieder mit Personalchaos aufgefallen. Erst am Dienstag hatte Stronach in Niederösterreich umgekrempelt und Renate Heiser-Fischer - eine Angestellte der Stronach-Group - zur Landesparteiobfrau bestellt.

Am Mittwoch musste dann Köfer seinen Hut als Kärntner Obmann nehmen. Neuer Landeschef ist der Landtagsabgeordnete Siegfried Schalli, Köfer solle sich "ab sofort ausschließlich auf seine Aufgaben als Landesrat konzentrieren", hieß es abends in einer Aussendung aus Oberwaltersdorf, wo Stronach sein Büro hat. Ob Köfer in der Partei bleibt oder austritt, war laut seinem Sprecher Mittwochabend noch nicht klar.

Mayr lakonisch: "Tag, an dem Landesräte abgesetzt werden"

Abgesägt wurde außerdem - per quasi gleichlautender Aussendung - der Salzburger Obmann Mayr, der aber auch Landesrat bleibt. Der ehemalige ÖVP-Politiker hatte erst am Dienstag Frank Stronach aufgrund überraschender Personalrochaden das Fehlen einer Basisdemokratie innerhalb der Partei vorgeworfen. Mayr kommentierte seine Ablöse lakonisch: "Heute ist der Tag, an dem Landesräte abgesetzt werden."

Den Austausch der Landesparteichefs begründete Nachbaur mit "Arbeitsteilung" und zeitlichen Motiven: Das Wahlergebnis sei "nicht so zufriedenstellend" gewesen und es gelte nun, Strukturen in den Ländern aufzubauen.

Partei-Anwalt Krüger als dritter mächtiger "Strippenzieher"

Dem Vernehmen nach zieht derzeit neben Stronach und Nachbaur vor allem Partei-Anwalt Michael Krüger im Hintergrund die Fäden. Hinter vorgehaltener Hand reagierten einige Proponenten der Partei mit Unverständnis auf die Rochade in den Ländern.

Umgebaut wurde auch auf Bundesebene: Wie schon länger erwartet, löst Nachbaur Lugar als Klubobmann ab - "im Einvernehmen", wie betont wurde. Dass die Parteispitze damit dem Klub die Schuld am schlechten Wahlergebnis gibt, wies Nachbaur zurück. Sie habe gemeinsam mit Stronach die Partei gegründet, insofern sei es "der logische nächste Schritt" gewesen, dass sie die Klubführung übernehme.

Lugar aus Vorstand entfernt und nur noch einfacher Nationalrat

Am Vormittag hieß es noch, Lugar werde dafür Generalsekretär. Ein paar Stunden später war wieder alles anders - Lugar wird im neuen Nationalrat einfacher Abgeordneter. Er wurde als stellvertretender Parteichef abgelöst und aus dem Vorstand geworfen, und auch die steirische Landesobfrau Waltraud Dietrich ist aus dem Gremium geflogen. Dietrich werde im künftigen Team eine "wichtige Rolle" spielen und Klubobfrau-Stellvertreterin im Parlament werden, kündigte Nachbaur an.

Der Vorstand besteht nun aus Stronach selbst, Nachbaur und Denise Pucher, einer Mitarbeiterin des Milliardärs, als Finanzreferentin, wie Nachbaur mitteilte. Die 34-Jährige ist außerdem stellvertretende Parteiobfrau. Wer Generalsekretär wird, soll in den nächsten Tagen entschieden werden.