Erstellt am 01. Oktober 2013, 11:36

Lange Gesichter und Partylaune. Galgenhumor bei SPÖ und ÖVP, verhaltene Freude bei den Grünen. FPÖ, Stronach und NEOS feierten.

 |  NOEN, Foto: Werner Müllner
Von Bettina Eder, Werner Müllner und Wolfgang Millendorfer
x  |  NOEN, Foto: Werner Müllner
SPÖ: „Zeigt’s mir bitte nur gute Ergebnisse“, bat Landeshauptmann Hans Niessl, als in der SPÖ-Parteizentrale gegen 15 Uhr die ersten Zahlen eintrudelten. Diesen Gefallen konnten ihm Alt-Landesrat Helmut Vogl und Ex-AK-Präsident Ernst Piller, die am Laptop saßen und die aktuellen Ergebnisse an die Wand warfen, nicht machen. Nach den ersten Gemeinden mit leichten Verlusten meinte Niessl trocken: „Ein Minus ist nie gut, außer wenn man abnehmen will.“
Nicht glücklich, aber aus burgenländischer Sicht doch ein wenig zufriedener, machten die Anwesenden im Roten Haus in Eisenstadt – wo auffiel, dass kein einziges SP-Regierungsmitglied anwesend war – die Informationen, die Parteimanager Robert Hergovich nach pausenlosen Telefonaten überbrachte: In den anderen Bundesländern sehe es ähnlich und noch schlechter aus.
x  |  NOEN, Foto: Eder
ÖVP: Applaus gab’s bei den Schwarzen im Landhaus ebenfalls keinen – auch als die ORF-Kameras bei der Hochrechnung an waren. Denn zum Feiern gab es keinen Grund. Die „Auwehs“ überwogen bei der ÖVP die freudigen „Na, bitte“ – als Landesvize Franz Steindl, seine Landesräte, Noch-Minister Nikolaus Berlakovich und Ex-Nationalrat Oswald Klikovits die Gemeinde-Ergebnisse kommentierten.
Dennoch trug man das Ergebnis – trotz eines Mandatsverlustes (siehe Seite 6) – mit Fassung, je länger der Nachmittag dauerte. Denn die einzige Freude, die schlussendlich blieb, war die Schadenfreude: „Die Roten haben mehr verloren als wir!“
x  |  NOEN, Foto: Millendorfer
FPÖ: Von einem „Erdrutschsieg“ war im freiheitlichen Klub im Landhaus am frühen Nachmittag die Rede. Die Nervosität überwog dennoch, als Burgenland-Spitzenkandidat Norbert Hofer und FPÖ-Chef Hans Tschürtz die erste Hochrechnung erwarteten. Als die blauen Zugewinne feststanden, gab es unter den Funktionären und Sympathisanten kein Halten mehr. Nach dem Jubel stieß
man auf den „neuen Nationalratspräsidenten“ Hofer an – und demonstrierte nach den Differenzen der vergangenen Monate Geschlossenheit. Eine starke Ansage gab es von Hans Tschürtz: „Wenn wir in die Regierung gehen, dann nur als Kanzler.“
x  |  NOEN, Foto: Hafner
Grüne: Keine richtige Partystimmung wollte im grünen Büro in Eisenstadt aufkommen: Obwohl man auf das beste Ergebnis aller Zeiten verweisen konnte, war die Freude bei Spitzenkandidatin Christiane Brunner, Landeschefin Regina Petrik, Landtagsabgeordnetem Michel Reimon und Co. gedämpft. Zur Wahlfeier in Wien reiste man dennoch geschlossen an.
x  |  NOEN, BVZ
Familiär ging es im Büro des Team Stronach zu, wo Landesobmann Rouven Ertlschweiger mit Anhang und Unterstützern auf den Wahlerfolg anstieß. Dasselbe tat der Neudörfler Christian Schreiter mit den NEOS. Einen schweren Tag hatte hingegen Dieter Herist – nicht nur, weil er zwischen Nord und Süd unterwegs war, sondern vor allem, weil sein BZÖ sich aus dem Nationalrat verabschiedete.

Kleinparteien: Die KPÖ kam im Burgenland auf 0,5 Prozent (plus 0,1) und ist in Nickelsdorf am beliebtesten: Hier gab es nicht nur ein Plus von 1,2 Prozent, sondern mit 1,8 Prozent auch das höchste Ergebnis. Die Piraten (0,5 Prozent im Burgenland) erreichten in Winden am See 1,4 Prozent. Die Christliche Partei (0,2 Prozent landesweit) kam in St. Andrä am Zicksee auf 1,7 Prozent.

Lesen Sie weiter: Meinungen aus den Parteibüros

„Der Trend ist kein Genosse!“
Landeshauptmann Hans Niessl

„Rotwein ist heute verboten, wir trinken nur mehr Weiß.“
Landesvize Franz Steindl

„Es ist ein Erfolg der Mannschaft, aber auch des Trainers.“
Niessl über Norbert Darabos

„Rot, Grün, Neos! Das wäre was für die Landtagswahlen. Dann fahren wir mit den Traktoren nach Wien.“
ÖVP-Landesrat Andreas Liegenfeld

„Wenn der Frank nicht wär, dann wären wir Erster. Aber beim nächsten Mal sind wir Erster!“
FPÖ-Spitzenkandidat Norbert Hofer

„Die Stimmung war gut und wir haben uns mehr erhofft. Aber wir können durchaus zufrieden sein.“
Grünen-Spitzenkandidatin Christiane Brunner

„Aus dem Stand haben wir ein großartiges Ergebnis geschafft und jetzt haben wir einmal den Fuß in der Tür.“
Team Stronach-Spitzenkandidat Rouven Ertlschweiger

„Wo wir hin sind, da sind wir einfach hin.“
ÖVP-Landesgeschäftsführer Christian Sagartz

„Ich glaube, die werden einfach Rot-Schwarz-Grün machen.“
FPÖ-Chef Hans Tschürtz bei der ersten Hochrechnung

„Der Niki hat auch gut hingehaut.“
„Auf wen?“
„Na, bei den Kroaten.“
Landesrätin Michaela Resetar und Oswald Klikovits über Berlakovich

„Die Österreich-Sieger sind eindeutig die Sozialdemokraten des Burgenlandes.“
Niessl, siegessicher

„Wenn’s darum geht, wer wieder Minister werden soll: Darabos hat in seiner Gemeinde verloren, unserer (Berlakovich, Anm.) gewonnen.“
Steindl will seinen „Burgenland-Minister“