Erstellt am 04. November 2014, 10:19

von APA/Red

150 Freunde sind auch online zu viel. Mehr als 150 Freundschaften zu pflegen, übersteigt die Leistung des menschlichen Gehirns, hatte der britische Psychologe und Anthropologe Robin Dunbar Anfang der 1990er-Jahre berechnet.

Dies gilt nicht nur für reale Bekanntschaften, sondern auch in der virtuellen Welt, berichten nun österreichische Netzwerkforscher anhand der Daten eines Online-Rollenspiels im Fachjournal "Scientific Reports".

Außerdem fanden sie heraus, dass die Online-Gesellschaft "fraktal" organisiert ist, also in Gruppen, deren Größen je etwa um das Vierfache steigen, während die Beziehungen stufenweise oberflächlicher und die Kontakte seltener werden, erklärte Stefan Thurner vom Institut für Wissenschaft komplexer Systeme der Medizinischen Universität Wien.

Online-Spiel "Pardus" lieferte Daten

Die Forscher hatten dazu die Beziehungen der "Händler, Piraten, Schmuggler und anderen Piloten" des Online-Spiels "Pardus" untersucht, in dem mittlerweile über 400.000 Spieler seit zehn Jahren "um Wohlstand und Ehre im Weltall ringen", wie es auf der Homepage des von Thurners Kollegen Michael Szell entwickelten Spiels () heißt. "Wir haben jede Aktion von jedem Spieler aufgezeichnet und damit von einer zwar künstlichen, aber menschlichen Gesellschaft vollständige Information", so Thurner. Dieser Datensatz sei einzigartig.

So konnten sie auch analysieren, wer mit wem wie oft Kontakt pflegt, und welche Spieler einander als "Freunde" bezeichnen. Die Spieler organisierten ihre sozialen Online-Beziehungen, so wie dies auch in der realen Welt geschieht, so die Forscher. Die größte "Freundschaftsallianz" in "Pardus" sei 136 Spieler, was dem psychologischen Limit von 150 Freunden in der realen Welt sehr nahe kommt, berichten sie.

Zwar gebe es etwa bei sozialen Netzwerken wie "Facebook" Personen, die mit tausenden "Freunden" angeben können, doch: "das sind keine Freunde in dem Sinn, dass man mit ihnen Kontakte pflegen muss, sich merken muss, wie es deren Großmutter geht, was sie im Job machen, et cetera", erklärte Thurner. Dies funktioniere offenbar nur vernünftig mit bis zu 150 Personen, meint er.