Erstellt am 27. September 2013, 22:02

Letzte Mobilisierungen bei Schlussveranstaltungen. Freitagabend haben die Parteien ihre offiziellen Schlussveranstaltungen abgehalten und dabei noch einmal mit ihren bekannten Themen um Stimmen geworben.

 |  NOEN, ROLAND SCHLAGER
Wien - Der Wahlkampf ist praktisch geschlagen, jetzt sind am Sonntag die Wähler am Wort. Die SPÖ mobilisierte ihre Anhänger in einem Festzelt vor der Parteizentrale, die FPÖ mit einer Kundgebung auf dem Stephansplatz, das Team Stronach im Prater und das BZÖ über den Dächern Wiens im Ares-Tower. Die ÖVP verzichtete auf eine große Abschlussveranstaltung und wirbt bis zum Schluss mit Aktionen ihrer Kandidaten. Aber auch die SPÖ hat am Samstag noch eine Kundgebung auf dem Viktor Adler-Markt auf dem Programm. Die Grünen begehen ihren offiziellen Wahlkampfabschluss am Samstag.

SPÖ im Festzelt, ÖVP auf der Straße

Die SPÖ warnte bei ihrer offiziellen Schlussveranstaltung im Festzelt vor der Parteizentrale noch einmal vor Schwarz-Blau. Bundeskanzler Werner Faymann und Wiens Bürgermeister Michael Häupl appellierten vor rund 1.000 Interessierten, die SPÖ wieder zur stärksten Kraft zu machen und so einen Abbau von Arbeitnehmerrechten zu verhindern: "Wir müssen dafür sorgen, dass die Lokomotive rot ist", zog der SPÖ-Chef gegen die Pläne der ÖVP her. Am Samstag tritt Faymann dann noch am Viktor Adler-Markt auf.

Die ÖVP verzichtet auf ein Großveranstaltung und schickt ihre Kandidaten mit Verteilaktionen im ganzen Land bis zum Schluss auf Stimmenfang. So warb Parteichef Michael Spindelegger am Freitagnachmittag symbolträchtig auf der angesichts der grün-roten Umgestaltungen heftig diskutierten Wiener Mariahilfer Straße nochmals für den "Kanzlerwechsel" und bekräftigte das Ziel, "Nummer 1" zu werden.

Stronach denkt schon eine Wahl weiter

Das sieht naturgemäß FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ganz anders. Bei seiner Abschluss-Kundgebung auf dem Stephansplatz bekräftigte er nicht nur den Wunsch, die ÖVP auf Platz drei zu verdrängen, sondern gab auch die Parole aus, der kommende "Hausmeister" im "Haus Österreich" werden zu wollen. Nach Angaben der FPÖ jubelten Strache 15.000 Menschen zu, die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl hingegen nur auf 2.000. Ohne Zwischenfälle verlief eine Gegendemonstration, zu der nach Behördenangaben 500 Personen gekommen waren.

Frank Stronach äußerte bei seiner Abschlussveranstaltung vor rund 800 Sympathisanten in einem Festzelt in Prater die Hoffnung, so viele Stimmen zu bekommen, dass seine Partei im Parlament die Türen öffnen könne, damit neue Ideen einfließen können. Er kündigte an, ab Montag für die Bürger zu arbeiten. An eine Regierungsbeteiligung glaubt er aber offenbar noch nicht, sondern zeigte sich "zuversichtlich, dass wir bei der nächsten Wahl die Regierung formen werden".

BZÖ zeigt sich vom neuerlichen Einzug überzeugt

Siegessicher gaben sich auch die beiden kleineren Parteien, die um den Einzug in den Nationalrat bangen. Vor rund 200 Gästen im Ares-Tower in der Donaucity gab sich BZÖ-Obmann Josef Bucher "selbstbewusst und stark". Er zeigte sich nicht nur überzeugt, dass die Orangen auch nach der Wahl noch im Parlament sitzen werden, sondern auch, dass SPÖ und ÖVP ihre gemeinsame Mehrheit verlieren werden.

Aber auch die NEOs sind von ihrem Erfolg überzeugt. Spitzenkandidat Matthias Strolz kündigte bei der Schlusskundgebung auf der Mariahilfer Straße an, die Leidenschaft ins Parlament zu tragen: "Hinten raus sind wir explodiert wie ein Feuerwerk. Das Hohe Haus am Ring braucht frischen Wind, und wir werden dort die Fenster aufreißen."



Teil 2: SP und VP touren im Finish durchs ganze Burgenland

SP und VP touren im Finish durchs ganze Burgenland

Eisenstadt - Einen Wahlkampf-Endspurt mit hoher Schlagzahl wollen sich SPÖ und ÖVP im Burgenland liefern. Die Sozialdemokraten versuchen am Samstag, bei einem "Last Minute-Aktionstag" in allen Landesteilen Unentschlossene zu überzeugen. Die Volkspartei möchte dies mit einer "Rapid-Viertelstunde" ebenfalls in allen Bezirken tun.

Aufruf zur Wahl zu gehen eint die Großparteien

Bei ihren Pressekonferenzen am Freitag sparten beide Regierungsparteien nicht mit gegenseitiger Kritik und zeigten sich zuversichtlich, ihre Wahlziele - die SPÖ will 40 Prozent zumindest halten, die ÖVP die 30 Prozent-Marke überschreiten - zu erreichen.

Viele Gemeinsamkeiten prägten die Auftritte der Spitzen von SPÖ und ÖVP am Freitag in Eisenstadt: Beide Parteien riefen die Bürger auf, am Sonntag zur Wahl zu gehen und kündigten an, bis zur letzten Minute um Stimmen zu kämpfen. Beide sehen eine "Richtungs"- bzw. eine "Entscheidungswahl" auf Österreich zukommen. Und sowohl SPÖ als auch ÖVP orten vor dem Urnengang wenig überraschend "gute Stimmung" bei ihren eigenen Funktionären.

Positiver Stress über 15.000 Kilometer

Für den Fall eines Erfolgs des jeweiligen Kontrahenten sehen die Parteichefs und Spitzenkandidaten der Regierungsparteien Nachteile auf eine breite Bevölkerungsschicht zukommen: "Die ÖVP schützt die Millionäre und benützt den Mittelstand", die Volkspartei wolle Angst vor einer Vermögenssteuer machen, erklärte Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ). "Wenn hier ein Geld hereinkommen soll, dann trifft es den Mittelstand", warnte Landeshauptmannstellvertreter Franz Steindl vor "neuen Faymann-Steuern".

Ein weit gereister Wahlkämpfer ist in diesen Wochen Norbert Darabos: Er habe in den vergangenen Tagen über 15.000 Kilometer durch Österreich zurückgelegt, berichtete der SPÖ-Bundesgeschäftsführer, für den seine Doppelfunktion als SP-Bundeswahlkampfleiter und Spitzenkandidat im Burgenland "positiven Stress" bedeute.

Bei der ÖVP zog Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich nochmals Bilanz über seine Ministertätigkeit. Parteiobmann Steindl sprach sich dafür aus, dass der Mittelburgenländer auch nach der Wahl Ressortchef für Landwirtschaft und Umweltschutz bleiben soll.