Erstellt am 05. November 2014, 14:02

VÖZ für Ausbau von Medienbildung. Medien und Politiker sitzen im selben Boot. Den einen kommen Nutzer abhanden, die anderen kämpfen mit Politikverdrossenheit und rückläufiger Wahlbeteiligung. Wie man dem entgegenwirken könnte, wurde am Mittwoch bei einer Matinee des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) in Wien diskutiert.

 |  NOEN, Erwin Wodicka - wodicka@aon.at

Zentrale Forderung von VÖZ-Präsident Thomas Kralinger war ein Ausbau von Medienbildung an Schulen. "Medienkonsum muss erlernt werden", erklärte Kralinger eingangs. Zeitungen und Magazine sollten im Unterricht einen größeren Platz einnehmen, um jungen Menschen den Mehrwert und Nutzen von professionellem Journalismus näher zu bringen.

Medienkompetenz und politische Bildung als Schulfach

Das sei auch im Interesse des demokratischen Prozesses und der Politik. Dem pflichteten der zweite Nationalratspräsident Karlheinz Kopf sowie Familienministerin Sophie Karmasin (beide ÖVP) bei. "Medienkompetenz und politische Bildung als Fach sind sicherlich ein guter Zugang", so Karmasin.

Bevor sich in einer Podiumsdiskussion aber dennoch unterschiedliche Standpunkte zwischen Politikern und Journalisten offenbarten, gab der deutsche Medienwissenschafter Wolfgang Donsbach einen Einblick in die "Marginalisierung des professionellen Journalismus": Einerseits hätten Medien mehrfach "am eigenen Ast gesägt", etwa durch Vorantreiben der Boulevardisierung sowie Konvergenz mit Billigprodukten und Gratismentalität im digitalen Zeitalter. Andererseits sei ein Rückgang hinsichtlich der "Selbstverpflichtung sich zu informieren" erkennbar.

"Teufelskreis der politischen Entfremdung"

"Es findet ein Rückzug ins Private statt", so Donsbach. Die Werteveränderung führe zu einer verminderten Motivation, sich auf dem Laufenden zu halten. "Die Inhalte wären ja da. Sind werden geliefert, gesendet, gedruckt. Das Problem ist nur: Sie werden nicht genutzt." Letztlich entstehe ein "Teufelskreis der politischen Entfremdung": Wer nicht informiert sei, wende sich ab - von Politik wie medialen Inhalten. Politische Bildung sei zwar zentral, reiche alleine aber nicht. "Medien müssen zeigen, dass sie in der Lage sind, den Unterschied auszumachen."

Was nun berichtenswert erscheint und was nicht, darüber gab es Auffassungsunterschiede. Karmasin sprach sich angesichts "dieser Phase des Umbruchs" für einen neuen Stil, sowohl in der Politik als auch den Medien, aus. Sie kritisierte "da und dort einen durchaus oberflächlichen Stil" der Medien, die zu sehr das Negative hervorheben würden.

Laut Andreas Koller von den "Salzburger Nachrichten" inszeniere sich aber gerade die Politik selbst "oft als Duell". Und wenn sich die "halbe Regierung" bei der Zehnjahresfeier eines Gratismediums einfinde, "ist das ein Signal".

Jugendliche "sind anders drauf"

Eine andere Sicht brachte Satiriker Robert Stachl von maschek ein: "Dieses ritualisierte Spiel, dieses Hochamt, mit dem sich die Politik umgibt - das interessiert die Jugendlichen nicht." Er habe das Gefühl, dass man gar nicht genau wisse, worüber man rede. "Die sind anders drauf", verwies er auf jene Zielgruppe, die die Medienschaffenden zurückgewinnen wollen. "Und das Problem ist viel ärger, als wir uns alle denken."

"Vitale und vielfältige Presselandschaft" notwendig

Vorgestellt wurde bei der Matinee auch der dritte Public Value-Bericht des VÖZ, für den die APA-Mediawatch im Auftrag des Verbands eine Studie über die Zitierung von Medieneigenleistungen in anderen Medien erstellt hat. APA-Mediawatch-Geschäftsführerin Julia Wippersberg zufolge entfielen im Untersuchungszeitraum (März und Juni 2014) 75 bzw. 68 Prozent der zitierten Meldungen auf VÖZ-Mitgliedsmedien. "Die Themensetzungsleistung insgesamt ist enorm hoch. Knapp 300 Themen wurden in diesen Zeiträumen lanciert und übernommen."

Kralinger bezeichnete die ausgewiesene Zitierung einer Meldung "als Ritterschlag im Mediengeschäft". Eine "umfassende öffentliche Debatte gelingt keinem öffentlich-rechtlichen Rundfunk oder mit Agenturen allein. Dafür braucht es eine vitale und vielfältige Presselandschaft." Das dadurch ermöglichte "Fundament unseres demokratischen Gebäudes" sieht er gefährdet. "Es ist unabdingbar, dass die Inhalte weiterhin die Bürger erreichen."

Ebenfalls im Bericht enthalten sind die kürzlich vorgestellte Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) zur ökonomischen Bedeutung der VÖZ-Mitgliedsmedien sowie Beiträge von Medienmachern und Experten, die sich mit dem digitalen Wandel, demokratischer Qualität oder urheberrechtlichen Fragestellungen auseinandersetzen. Ivar Rusdal, Präsident des europäischen Zeitungsverbandes, schreibt etwa über die europäische Perspektive der Medienpolitik, während Wifo-Expertin Margit Schratzenstaller auf "Steuervermeidungsstrategien von Google und Co." eingeht.