Erstellt am 16. August 2013, 08:20

NR-Wahl: Kommen und Gehen im Hause Stronach. Neue Parteien haben es traditionell schwer, selbst wenn bei ihnen nur einer etwas zu sagen hat, wie das Team Stronach beweist. Da passt auch der am Donnerstag verkündete Rückzug von Monika Lindner ins Bild.

Der fügt sich in eine ganze Reihe an teils kuriosen Pannen rund um die Urnengänge, die von der Partei des austro-kanadischen Milliardärs Frank Stronach bisher bestritten wurden. Im Folgenden ein Überblick.

Tirol: Ein Stronach, drei Listen

Absurd war das, was sich dieses Frühjahr in Tirol abspielte. Es wurden für das Team Stronach gleich drei Landeslisten eingereicht. Jene der von der Partei auserkorenen Spitzenkandidatin Sonja Ulmer war nicht die erste sondern die des zwischenzeitlich demontierten Landesgeschäftsführers Hans-Peter Mayr, der dann auch von der Landeswahlbehörde mit seiner Liste anerkannt wurde.

Erklärte der Klubchef im Nationalrat Robert Lugar zunächst, dass man dann eben keinen Wahlkampf in Tirol bestreiten werde, sah nach einem Gespräch Stronachs mit den Kontrahenten wieder alles anders aus. Mayr durfte mit Unterstützung des Parteigründers antreten, scheiterte aber am Einzug in den Landtag.

Mittlerweile ist auch er an der Tiroler Stronach-Spitze Geschichte, die nun Walter Jenewein bildet, übrigens der dritte, der selbstständig eine Liste vor der Tirol-Wahl eingebracht hatte. Und Jenewein hat weiter mit Problemen zu kämpfen. Zuletzt muckten laut Medienberichten die Osttiroler auf, weil sie mit der Listenerstellung für die Nationalratswahl unzufrieden waren.

Wirrwarr um Karin Prokop bei NÖ Landtagswahl

Ein ziemliches Durcheinander gab es auch in Niederösterreich, wo ursprünglich die Tochter der ehemaligen Innenministerin Liese Prokop, Karin Prokop, die Landesorganisation aufbauen sollte. Die verschwand freilich bald in der Versenkung und Ernest Gabmann junior, Sohn des gleichnamigen Ex-ÖVP-Landesrats übernahm das Kommando.

Freilich nur bis zum Wahlabend in Niederösterreich. Denn entgegen den ersten Ankündigungen wurde nicht er Landesrat sondern die vom BZÖ gekommene Nationalratsabgeordnete Elisabeth Kaufmann-Bruckberger. Nicht einmal Klubchef sollte Gabmann werden, sondern auf Stronachs persönlichen Wunsch der ehemalige Rechnungshof-Beamte Walter Laki. Das ist allerdings auch schon wieder Vergangenheit. Der Stronach-Klub wählte Laki wieder ab, nun sitzt Gabmann am Ruder.

Wechselnde Parteispitzen in Salzburg und OÖ

In Salzburg herrscht im Team Stronach auch nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen. Begonnen hatte man mit Erich Tadler, einem Nationalratsabgeordneten, der früher FPÖ und BZÖ diente. Der musste dann - dem Vernehmen nach nicht ganz freiwillig - an den früheren ÖVP-Politiker Hans Mayr, Bürgermeister von Goldegg, übergeben, der das Stronach-Team sogar in eine Koalition mit ÖVP und Grünen führte. Trotzdem wird auch hier von Problemen mit der Basis berichtet. Unter anderem musste die Klubgeschäftsführerin weichen.

Auch Oberösterreich brachte Parteigründer Frank Stronach Kummer. Im Juni dankte Landesobmann Walter Widholm, früher Linzer Polizeidirektor, ab. Der stellvertretende Landesobmann, Thomas Eppinger hatte sich da schon länger von den Stronachs losgesagt. Das Sagen hat mittlerweile "Bauern-Rebell" Leo Steinbichler, der bei der letzten Nationalratswahl (vergeblich) Fritz Dinkhauser unterstützt hatte.

Rasch abebbende Begeisterungsflut: Von Wolf bis Lindner

Neben diesen Hauptbaustellen gibt es noch eine ganze Liste potenzieller Mitstreiter, die sich letztlich doch nicht für eine Stronach-Liste begeistern konnten. An der Spitze steht da Stronachs langjähriger Magna-Gefährte Siegfried Wolf, den sich der Industrielle diverse Male schon als Bundeskanzler vorstellen hatte können.

Ein anderer prominenter früherer Magna-Mann, der steirische Ex-VP-Landesrat Herberst Paierl, ist bei Stronach überhaupt in Ungnade gefallen, seit er bei der NÖ Landtagswahl nicht ihn sondern Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) unterstützt hatte. Immerhin kurz mit dabei war Ex-ÖBB- und Westbahn-Manager Stefan Wehinger, ehe er flott rund um die Tiroler Turbulenzen wieder das Weite suchte.

Negativ-Höhepunkt ist nun die Ankündigung Lindners, nicht mehr für das Stronach-Team zur Verfügung zu stehen. Von der Liste kommt die als VP-nahe geltende Ex-ORF-Generalin allerdings nicht mehr, da diese schon eingereicht und veröffentlicht ist. Sollte es sich Lindner also noch überlegen, könnte sie bei einem entsprechenden Wahl-Ergebnis trotz des verkündeten Rückzugs das Mandat annehmen.