Erstellt am 25. Oktober 2015, 21:02

Puppe als Petze: Big Brother-Award geht an "Barbie". Eine Puppe als Petze: Weil eine neue "Barbie" nicht nur zu den Kindern spricht, sondern via Mikrofon auch aufnimmt, was diese ihrer Spielgefährtin zu erzählen haben, und der Hersteller Mattel dies auch noch den Eltern jede Woche per Audio-Datei mitteilt, hat sich das Spielzeug heuer redlich einen Big Brother-Award verdient.

Barbie  |  NOEN, Symbolbild

Am Sonntagabend bekam sie ihn im Wiener Rabenhof-Theater verliehen. Dass Mattel dabei selbst auch durchaus interessante Aufschlüsse darüber bekommen könnte, wie man Kinder zielgerichtet anspricht, dürfte ein weiterer Aspekt sein. Die Plastik-Brünette - den Award bekam sie bezeichnenderweise in der Kategorie Kommunikation und Marketing - ist aber nicht die einzige, die sich auszeichnungswürdig im vergangenen Jahr in Sachen Datenschutz verstiegen haben dürfte.

Negativ-Auszeichnung auch an Mikl-Leitner

Die Sparte "Politik" entschied Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) für sich, die das viel kritisierte Staatsschutzgesetz auf den Weg gebracht hatte. So bemängelten die heimischen Rechtsanwälte im vergangenen Juli, dass das Gesetz erweiterte, teilweise unverhältnismäßige Eingriffsbefugnisse der Behörden in die Privatsphäre der Bürger mit sich bringe.

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) erhält den "Lifetime Award" stellvertretend für die vielen Nominierungen der vergangenen Jahre im Sozialbereich, wie vor vier Jahren, als das AMS auf Informationen zur Staatsbürgerschaft seiner Kunden zugreifen konnte.

Uniqa Safeline ebenfalls "ausgezeichnet"

In der Kategorie Business und Finanzen bekam etwa die Uniqa Safeline den Big Brother-Award überreicht, weil sie schon bald fahrprofilabhängige Tarife anbieten und dafür Telematikdaten zurate ziehen könnte. Wer wenig fährt und das auch noch vorsichtig, würde dann durch einen günstigeren Versicherungstarif belohnt.

Die Smart-Meter der Linz AG bekamen den Award in der Kategorie Behörden und Verwaltung. Die Begründung: Tauschunwillige haben keine Möglichkeit darauf zu bestehen, keinen Smart-Meter - also digitale Stromzähler mit einer ganzen Reihe von Funktionen und der zeitnahen Übermittlung von Verbrauchsdaten - zu bekommen.

Getauscht wird laut den Big Brother-Verantwortlichen auf jeden Fall, allerdings werden bei den Gegnern der neuen Zählgeräte einige Funktionen deaktiviert, was nicht nachprüfbar für den Kunden sei. Zumindest in einem Fall soll es auch zur Drohung gekommen sein, den alten Zähler nur zu demontieren, was bedeutet hätte, dass der Kunde gar keinen Strom mehr beziehen hätte können. Zudem wurde darauf aufmerksam gemacht, dass eventuell Cyberkriminelle durch die zeitnahe Übermittlung der Daten schnell feststellen könnten, ob gerade jemand zuhause ist.

"Weltweiter Datenhunger": Facebook

Auch Facebook bekam sein Fett ab: Die soziale Plattform hat ein Patent angemeldet, das Kreditscoring über die Freunde des Users möglich machen soll. Die Kreditwürdigkeit der Freunde könne so herangezogen werden, um die Bonität des jeweiligen Users zu ermitteln. Das reichte zum Sieg in der Kategorie "Weltweiter Datenhunger".