Erstellt am 29. September 2013, 21:57

Spindelegger will "trotzdem" feiern. Die ÖVP und ihr Parteichef Michael Spindelegger wollten am Sonntagabend "trotzdem feiern", zwar nicht das Wahlergebnis, aber die "Bewegung", die in den vergangenen Wochen in Gang gesetzt worden sei, das erklärte der Kanzlerkandidat auf der Bühne im Partyzelt vor der Parteizentrale in der Lichtenfelsgasse.

APA14887720-2 - 29092013 - WIEN - …STERREICH: …VP-Chef Michael Spindelegger in der …VP-Wahlzentrale am Sonntag, 29. September 2013. APA-FOTO: HANS KLAUS TECHT  |  NOEN, APA
Dabei bekräftigte er auch, dass er sich "nicht gleich morgen" auf eine Neuauflage der Großen Koalition festlegen wolle - daraufhin brandete tosender Applaus auf. Unter den Gratulanten war dann am späteren Abend auch der niederösterreichische Parteichef Erwin Pröll.

Spindelegger kam nach seinem Auftritt im Parlament im Festzelt an und betrat zur gleichen Melodie, die für ihn im Wahlkampf gespielt wurde, mit seiner Frau Margit und Sohn Patrick sowie "gelben" Unterstützern die Bühne. Zunächst bedankte sich der Parteiobmann bei den Unterstützern und sprach von einem "Gipfelpunkt" der vergangenen zwei Monate: "Ich wär' am liebsten hier gestanden und hätte gesagt, wir sind die Nummer eins. Das ist sich knapp nicht ausgegangen."

In seiner Ansprache hielt er fest, dass die nächste Regierung "so nicht weitergehen kann". Die ÖVP stehe für "konstruktive Gespräche" zur Verfügung. Man werde sich aber "nicht morgen festlegen, auf eine Neuauflage. Das möchte ich nicht." Aus dem heutigen Tag leite er jedenfalls ab: "Nur ja nicht den Kopf hängen lassen." Die Partei habe "gekämpft wie ein Löwe", er selbst voran. Man habe einen "tollen Wahlkampf" geführt.

Jetzt werde Bundespräsident Heinz Fischer die stärkste Kraft mit der Regierungsbildung beauftragen. Die ÖVP werde sehen, was die SPÖ anbiete. "Wir bleiben die Alten", im Sinne einer Volkspartei, die für die Bürger da ist, so Spindelegger. Er gehe jedenfalls "mit aufrechtem Gang in Gespräche". Die ÖVP solle "trotzdem feiern": "Auf geht's. Ja, es ist noch nicht am Ende", betonte der Parteiobmann.

Gegenüber Journalisten forderte er im Anschluss einen "anderen Stil in der Regierung" und mehr projektorientierte Arbeit. Über Ministerposten sei heute Abend nicht zu sprechen. Als Ursache für die Schwäche der Großen Koalition ortet Spindelegger die Annahme der Bürger, dass in dieser "nichts weitergeht". Dieser Vorwurf sei "vielleicht da und dort berechtigt", zumal es immer darum gehe, den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden.

Spindelegger ging nach der Ansprache zunächst in die Zentrale hinüber, kam danach aber wieder zurück, um sich unter die Parteianhänger zu mischen. Im Zelt wurde zur "inoffiziellen Hymne" "I am from Austria" lautstark mitgesungen. Jubelstimmung wollte freilich nicht aufkommen, gefeiert wurde aber doch.

Der erfahrene Wahlkämpfer Staatssekretär Reinhold Lopatka erklärte gegenüber der APA, es würden "immer Fehler gemacht", zumindest Spindelegger sei aber der "absolut richtige" Spitzenkandidat gewesen. Seiner Meinung nach hätte die ÖVP "noch stärker" vor Rot-Grün warnen müssen. "Es war eine Niederlage", so Lopatka, dass aber die SPÖ als Erster in der Regierung mehr verliert als der Zweite zeige für ihn, "dass wir auf der richtigen Schiene sind". Nun müsse man alles tun, damit Spindelegger beim nächsten Urnengang Erster werde, und sich an den erfolgreichen Landeshauptleuten orientieren. Als Koalitionspräferenz nannte der Staatssekretär lediglich jene Variante, in der die ÖVP das meiste aus ihrem Programm umsetzen kann. "Jubeln wäre falsch", gestand Lopatka angesichts des Ergebnisses ein, feiern wolle er trotzdem.

Für eine bessere Kommunikation der Regierungsarbeit sprach sich auch der Abgeordnete Wolfgang Gerstl aus. Viele Leute hätten den Eindruck gehabt, es herrsche Stillstand, es seien daher Alternativen gewählt worden. Er ziehe daraus die Conclusio, die Kommunikation nach außen müsse verbessert werden. Seine Koalitionspräferenzen ließ er gegenüber der APA offen. Doch forderte er von der SPÖ Offenheit, verwies er etwa auf das Thema direkte Demokratie.

Während manche ÖVP-Regierungsmitglieder die Party bereits verlassen hatten, langte schließlich auch Innenministerin Johanna Mikl-Leitner unter den Gratulanten ein.