Erstellt am 29. September 2013, 23:49

SPÖ zwischen Ernüchterung und "Hauptsache Erster". Im SPÖ-Festzelt vor der Parteizentrale in der Wiener Löwelstraße war am Wahlabend eine Mischung aus Ernüchterung über den historischen Tiefststand bei einer Nationalratswahl und einem erleichterten "Hauptsache Erster" zu spüren.

Als SPÖ-Vorsitzender Werner Faymann nach dem "Zeit im Bild"-Live Einstieg aus dem Parlament zu seinen Anhängern zurückkehrte, brandete Jubel auf. Der Bundeskanzler verzichtete dabei auf eine längere Ansprache, sondern holte nur ein weiteres Mal zu einer kurzen Danksagung aus und zeigte sich mit seinen SPÖ-Ministern, seinem Mitarbeiterstab und Gattin Martina den Sympathisanten im randvollen Festzelt.

Nach wenigen Minuten bahnte er sich dann wieder den Weg durch die Menge zum Ausgang, posierte mit Anhängern für Handy-Fotos, schüttelte unzählige Hände und herzte Kinder. Der Kanzler wolle voraussichtlich "im kleinen Kreis feiern", sagte sein Sprecher.

Bereits unmittelbar vor seinem Auftritt mit den anderen Spitzenkandidaten im Parlament war Faymann in das SPÖ-Zelt gekommen. Während seiner Rede waren vereinzelt "Werner, Werner"-Rufe zu vernehmen. "Buh"-Rufe schallten hingegen immer dann durch das Zelt, als die Ergebnisse für die FPÖüber die Bildschirme flimmerten. Den meisten Applaus erntete Faymann dann auch folgerichtig, als er die Bildung einer "stabilen Regierung ohne die FPÖ" ankündigte.

Liebäugelt ÖVP mit Koalition mit FPÖ und FRANK?

Dass die ÖVP eine solcher Regierung "ohne FPÖ" bisher nicht dezidiert ausgeschlossen hatte, war vor allem auch Wiens Bürgermeister Michael Häupl ein Dorn im Auge. Vor Journalisten meinte er, man könne nicht ausschließen, dass für die ÖVP eine Koalition mit den Freiheitlichen und dem Team Stronach eine Option sei.

Bei der ersten Hochrechnung um 17 Uhr war die Stimmung in der SPÖ-Parteizentrale am Tiefpunkt gewesen. Im Medienzentrum konnte man beinahe eine Stecknadel fallen hören, als der SPÖ-Balken in die Höhe ging. Auch im Festzelt gab es nicht mehr als freundlichen Applaus. Erst als bei der zweiten Hochrechnung um 18 Uhr zumindest die 27 Prozent-Marke übersprungen wurde, war vereinzelt Jubel zu vernehmen.

Die zwiespältige Stimmung in der Partei auf den Punkt brachte Pensionistenverbands-Chef Karl Blecha. Das SPÖ-Ergebnis sei zwar erfreulich, weil man "Erster geblieben" sei, aber die Partei befinde sich wie auch alle anderen in einer "Umbruchsituation", meinte Blecha. In der Bevölkerung verbreite sich immer mehr die Meinung: "Die da oben machen was sie wollen", so der frühere SPÖ-Zentralsekretär und Innenminister. Solche Ansichten und "neue Formen in der Demokratie" hätten etwa auch den Erfolg der Neos begünstigt. Die Sozialdemokratie müsse daher ihre Kommunikationsstrategien überdenken und neue Formen der Bürgerbeteiligung finden. Parteien in der heutigen Form werde es in fünf, sechs Jahren jedenfalls nicht mehr geben, meinte Blecha.