Erstellt am 31. August 2013, 20:19

Strache will "in Richtung 30 Prozent". FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache hat am Samstag beim Wahlkampfauftakt seiner Partei die Marschroute "in Richtung 30 Prozent" vorgegeben und sich wieder als Kanzlerkandidat positioniert.

APA14398936-2 - 31082013 - LINZ - …STERREICH: ZU APA-TEXT II - FP…-Obmann Heinz-Christian Strache wŠhrend des Wahlkampfauftaktes der FP… am Samstag, 31. August 2013, in Linz. APA-FOTO: RUBRA  |  NOEN, RUBRA (APA)
In seiner Rede in Linz vor nach Parteiangaben rund 5.000 Anhängern warnte er vor einer rot-schwarz-grünen Koalition und hoffte auf eine "Überraschung" im Sinne der FPÖ bei der Nationalratswahl. "Ich bin der Herausforderer von Faymann, wenn ich sage, Österreich hat sich einen besseren Kanzler verdient", nahm er einen neuen Anlauf für das von ihm angestrebte "Duell" gegen den Amtsinhaber.

Einen machtvollen Einmarsch inszenierte die FPÖ diesmal nicht, vielmehr erschien Strache zu den Klängen des neuen Wahlsongs (Werner Ottis "Liebe ist der Weg") aus einer üppigen Trockeneisnebel-Wolke direkt auf der Bühne. In seiner etwas über einstündigen Rede teilte er ordentlich Richtung Regierungsparteien, aber auch Grüne aus.

Verbale Attacken gegen Polit-Konkurrenz

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) etwa sei "Handlanger des Großkapitals", weil er für Bankenhilfe stehe, und "hält seine Versprechen nicht: Das einzige, was bei dem hält, ist seine Frisur". ÖVP-Obmann Michael Spindelegger wiederum sei "kein Herausforderer", sondern "g'schamster Diener" Faymanns "ohne Ecken und Kanten". Beim TV-Duell Anfang dieser Woche hätten die beiden mitnichten duelliert, sondern gepackelt: "Die haben gefußelt unter dem Tisch." Der Wiener SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl ist ebenfalls ein Lieblingsfeind Straches: "Manchmal ist der Häupl nur mehr eine Mischung aus bled und blad."

Die Grüne Parteichefin Eva Glawischnig attackierte er wiederholt, unter anderem als von Hass auf die Heimat getriebenes "Grünes Soletti". Frank Stronach hieß er "arrogant" und "Steuerflüchtling": "We are from Austria, Frank, geh zurück nach Kanada", so die Botschaft Richtung Stronach. A propos we are from Austria: Strache verneinte einmal mehr, fremdenfeindlich zu sein. "Ich bin ein Inländerfreund. Ich bin kein Ausländerfeind. Ich respektiere und schätze jeden anständigen Menschen, gleich welche Herkunft er hat." Zugleich warnte er vor "radikalem Islamismus, der auch in Österreich Thema ist."

Zahlreiche Koalitionsbedingungen

Das Programm der FPÖ skizzierte Strache unter dem Banner der Gerechtigkeit und mit dem einen oder anderem Reim verbrämt: Soziales Wohnen müsse forciert werden, denn derzeit gelte: "Willst du eine soziale Wohnung haben, musst du nur ein Kopftuch tragen." Die Freiheitlichen stünden zudem für eine steuerliche Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen, für direkte Demokratie, für einen Ausstieg aus dem ESM, für eine Anpassung der Pensionen nach dem Pensionsistenpreisindex, für eine Pflegegeldevaluierung und nicht zuletzt dafür, dass "Asylbetrüger und kriminelle Ausländer unser Land verlassen werden", was das Publikum besonders laut bejubelte. All das seien Koalitionsbedingungen, all das werde er "als österreichischer Kanzler umsetzen", versprach Strache.

Dass sich derzeit jemand finden würde, der diese Bedingungen akzeptiert, glaubt der FP-Chef wohl selbst nicht so recht. Deshalb rief er seine Fans auch dazu auf, eifrig zu mobilisieren. Ziel sei, bei der Nationalratswahl am 29. September "so deutlich über 20 Prozent zu kommen, dass es in Richtung 30 geht", rief er in den Saal. Es gelte, SPÖ und ÖVP so stark zu schwächen, dass deren Parteichefs abgesetzt würden und neue Personen ans Ruder kämen, die "ihre Ausgrenzung gegenüber den Freiheitlichen beenden".