Erstellt am 29. September 2013, 15:34

Strolz: "Ein Jahrhundertprojekt ist gelungen". Wovon sich die NEOS in den vergangenen Tagen stets überzeugt zeigten, zeichnet sich nach den ersten Hochrechnungen zur heutigen Nationalratswahl ab: Die neue Partei, die gemeinsam mit dem Liberalen Forum (LIF) als Wahlbündnis angetreten ist, könnte im nächsten Parlament vertreten sein.

Matthias Strolz  |  NOEN, APA
"Ein Jahrhundertprojekt ist gelungen", zeigte sich NEOS-Chef Matthias Strolz in einer ersten Reaktion euphorisch. "Österreich ist ein großes Stück mutiger geworden." Im Falle des Verlusts der einfachen Mandatsmehrheit von SPÖ und ÖVP sei man auch bereit, Regierungsverantwortung zu übernehmen. "Wir sind gekommen, um zu gestalten."

Für Strolz ist es jedenfalls "ein großer Tag". Erstmals in der Zweiten Republik habe eine "Bewegung aus dem Volk" beim ersten Wahlantritt den Sprung ins Parlament geschafft. "Die Botschaft dieses Wahlabends ist: Es ist möglich", sagte Strolz und legte sofort inhaltlich nach. "Warum soll also nicht auch Bewegung in der Bildung oder bei den Pensionen möglich sein?" Den Erfolg seiner Partei erklärte er sich als "Mischung aus vielen Zutaten". "Unser Erfolgsrezept ist Idealismus gepaart mit Anpackerqualitäten. Und das konnten wir glaubhaft vermitteln."

Für Gespräche offen

Sollten SPÖ und ÖVP doch noch die Mandatsmehrheit verlieren, sei man jedenfalls für Gespräche offen. "Man muss in der Königsdisziplin natürlich bereit sein, auch Regierungsverantwortung übernehmen zu wollen", betonte Strolz. Schließlich hätten die NEOS Leute mit genügend Erfahrung und Kompetenz. "SPÖ und ÖVP werden als Verlierer des Tages gut beraten sein, sich zu fragen, ob eine Koalition der Verlierer nicht vielleicht die falsche Botschaft ist."

Ähnlich formulierte es die Wien-Chefin der NEOS, Beate Meinl-Reisinger. "Wir stehen dafür bereit", kommentierte sie mögliche Gespräche. Man habe NEOS nicht nur im Hinblick auf eine "starke Opposition" ins Leben gerufen, auch bei einer Regierungsbeteiligung könne man etwas weiter bringen. Der Einzug ins Parlament sei jedenfalls Grund für eine "unglaubliche Freude", so Meinl-Reisinger. "Es ist ja sensationell, was wir in den letzten zehn Monaten auf die Beine gestellt haben. Wir schreiben Geschichte." Gleichzeitig werde man mit dem "Vertrauensvorschuss" der Wähler aber demütig umgehen.

Was dieses Ergebnis für das Wahlbündnis mit dem LIF bedeute, konnte Strolz noch nicht konkret sagen, da man diesbezüglich die Mitgliederversammlungen beider Bewegungen in der kommenden Woche abwarten müsse. "Aber man sieht: Wir können gut miteinander." Aufgrund etliche Schnittflächen sei es aus seiner Sicht "logisch, wenn wir die Integration weiter vorantreiben. Wir haben uns gefunden und gehören zusammen."