Erstellt am 29. September 2013, 14:52

Stronach - viel Geld für wenige Stimmen. Es hat wohl schon sinnlosere Dinge gegeben, die jemand mit 25 Millionen gemacht hat, als eine Partei zu gründen, aber möglicherweise auch sinnvollere, als das Team Stronach zum Leben zu erwecken.

Frank Stronach  |  NOEN, APA
Sei es wie es sei, dem austro-kanadischen Paradeunternehmer Frank Stronach hat sein politisches Engagement laut Hochrechnungen nicht einmal sechs Prozent der österreichischen Wählerstimmen eingebracht - nicht wirklich schlecht für einen 81-jährigen Neueinsteiger, aber wohl nicht das, was sich der eigenwillige Selfmade-Milliardär ursprünglich vorgestellt hatte.

Stronach hatte den insgesamt eher farblosen Wahlkampf geprägt wie kein anderer. Skurrile Fernsehauftritte wurden geboten, ein Oben-Ohne-Shooting des rüstigen Unternehmers gab es oben drauf. Schlagerstar Helene Fischer tanzte zu Stronachs Ehren ebenso aus Deutschland an wie TV-Ikone Dieter Bohlen.

Abgeordneten-Shopping

Prominenz auf seiner Liste fand sich dagegen kaum. Da hatte man anderes erwartet, als Stronach vor gut einem Jahr seinen Eintritt in die österreichische Polit-Welt angekündigt hatte. Sein langjähriger Magna-Weggefährte Siegfried Wolf wurde ebenso wie der scharfzüngige Ex-Landesrat Herbert Paierl als künftige Stronach-Galionsfigur prophezeit. Geworden ist es mit beiden nichts, was wohl mit deren Kenntnis der Stronachschen Beratungsresistenz zusammenhing.

So blieb Stronach letztlich nichts anderes über, als selbst in den Ring zu steigen und die von ihm gegründete Liste höchst persönlich anzuführen. Als Ouvertüre gab es eine Art Abgeordneten-Shopping vor allem im Lager des BZÖ, das dem Team Stronach den Klubstatus im Nationalrat und damit die Teilnahme an den TV-Konfrontationen einbrachte. Hätte man gewusst, wie Stronach dort abschneidet, hätte man sich wohl weniger emsig auf die Suche nach wechselwilligen Bündnis-Abgeordneten begeben.

Fehlendes politisches Fachwissen

Gerade Stronachs Fernsehauftritte zeigten einen Mann, der es seit Jahrzehnten gewohnt war, die Richtung vorzugeben und der ob seines wirtschaftlichen Erfolgs nur selten mit allzu kritischen Fragen konfrontiert war, Stichwort: Wer das Gold macht, macht die Regel. Stronach zeigte sich besserwisserisch, kanzelte Journalisten wie politische Konkurrenz mit Leidenschaft ab, ohne aber mit politischem Fachwissen zu glänzen.

Selbst beim eigenen Parteiprogramm zeigte sich der Parteigründer nicht gerade firm. Und als Stronach auch noch die Todesstrafe für Berufskiller einführen wollte, langte es selbst seinen sonst ergebenen Team-Gefährten und der Milliardär musste sich in einer ihm bis dahin unbekannten Disziplin üben, dem zurückrudern.

Noch viel mehr anhören musste sich Stronach von der politischen Gegnerschaft. Die Vorwürfe gingen bis hin zur Senilität, was einerseits weit unter der Gürtellinie war, andererseits auch nur von Leuten kommen konnte, die Stronach nicht schon als "Retter" des österreichischen Fußballs kennengelernt hatten. Denn schon damals - vor mehr als einem Jahrzehnt - gab sich der gebürtige Steirer, der unter anderem der Wiener Austria, Sturm Graz und Wiener Neustadt finanziell unter die Arme griff, ungewöhnlich, als er Österreich zum künftigen Weltmeister redete.

Erstaunliche Karriere

Ein wenig tragisch für Stronach ist, dass ihm gerade in seiner Heimat nicht jene Anerkennung zugekommen ist, nach der er sich offensichtlich sehnt. Dabei ist seine Karriere tatsächlich eine erstaunliche. Mit wenig Geld als gelernter Werkzeugmacher noch mit seinem Geburtsnamen Franz Strohsack 1954 nach Kanada ausgewandert, legte er in Nordamerika eine Bilderbuch-Karriere hin, die ihresgleichen sucht.

Nach Gelegenheitsjobs gründete er in einer angemieteten Garage einen Autozuliefer-Betrieb, der sich unter dem Namen Magna zu einem der größten Konzerne in der Branche weltweit entwickeln sollte. Auch Österreich, vor allem Stronachs nähere Heimat, die Steiermark, durfte in späteren Jahren von einer Expansionswelle des Konzerns profitieren.

Politische Kontakte nutzte Stronach, der sich in seinem Wahlkampf zum Anti-Politiker stilisierte, freilich schon damals. Prominente aus allen Lagern von Franz Vranitzky bis Karl-Heinz Grasser standen in geschäftlicher Beziehung zu Magna, das sich auch beim Eurofighter-Kauf an reichlichen Gegengeschäften erfreuen durfte. Auch der ausnehmend günstige Kauf eines Schlosses im Kärntner Reifnitz wird gerne in Zusammenhang mit Stronachs politischen Kontakten gesehen.

Politische Versuche bereits in Kanada

Während Stronach bei seinen politischen Versuchen in Kanada Ende der 1980er-Jahre noch ohne Erfolg geblieben war, hat es in Österreich nun wenigstens zum Einzug in den Nationalrat gereicht. Ob er sich nun tatsächlich auf einen Sessel im Hohen Haus setzt und damit vielleicht auch noch steuerliche Nachteile einhandelt, bleibt abzuwarten. Schon die Achtungserfolge bei den Landtagswahlen in Niederösterreich, Salzburg und Kärnten, die jeweils mit Regierungsbeteiligungen endeten, hatten Stronach sichtlich nicht vom Sitz gerissen. Die rund 5,5 bis 6 Prozent vom Wahlsonntag dürften auch nicht das sein, was sich der Parteigründer erwartet hat, gab er dereinst doch sogar das Ziel aus, als Erster durchs Ziel zu gehen.

Genug zu tun hätte er auch ohne Politik. Stronach ist nach seinem - hoch dotierten - Abschied von der Magna-Spitze weiter ziemlich aktiv, etwa im Pferde-Wett- und Renn-Business. Kaum vorstellbar ist hingegen, dass Stronach, der seine Fitness im Wahlkampf bewies, nur noch daheim auf seiner kanadischen Ranch in Aurora sitzt und mit Gattin Elfriede, mit der er zwei Kinder, unter anderem Ex-Politikerin Belinda hat, den Ruhestand genießt.