Erstellt am 30. September 2013, 11:31

Wirtschaftsbosse fordern Taten statt Worte. Unter den heimischen Wirtschaftsbossen ist nach der Wahl der Ruf nach Reformen unüberhörbar.

Von der Bildungsreform über die Verwaltungsreform bis zur Senkung der Arbeitskosten reicht die Aufgabenliste der neuen Regierung. Auch der Chef des weltgrößten Ziegelkonzerns Wienerberger, Heimo Scheuch, hofft laut ORF-"Morgenjournal", dass die Regierung die Probleme endlich anpacke. Eine neue Regierung müsse "den Österreicherinnen und Österreichern wieder den Glauben an die Zukunft zurückgeben und sagen, dass wir in der Tat ein modernes, innovatives Österreich schaffen, das die Grundbedürfnisse der Menschen in diesem Land, was die Bildung, die Infrastruktur, aber auch das Wohnen betrifft, anpackt", sagte er im Radio. Die Regierung wäre "gut beraten, darüber nachzudenken, diese Themen nicht ad acta zu legen, sondern neu zu diskutieren, neu anzugehen und hier neue Vorschläge und auch Konzepte auszuarbeiten".

Auch der Vorstandschef des Verbund-Konzerns, Wolfgang Anzengruber, ortet Handlungsbedarf. Es sei "ein Energiesystem zu gestalten, das auf der einen Seite leistbare und sichere Energie bietet und in weiterer Folge natürlich auch den ökologischen Wandel hin zu Erneuerbarer Energie begünstigt". Immofinanz-Chef Eduard Zehetner fordert von der Regierung, die anstehenden Probleme endlich zu lösen und zählte in diesem Zusammenhang exemplarisch das Lehrerdienstrecht, die Forschung, die Universitäten und die Verwaltungsreform auf.

Es geht darum, Österreich zu reformieren

Erste-Group-Chef Andreas Treichl ist froh, dass "der Wahlkampf mit seinen großteils absurden Ideen" vorbei ist. "Jetzt geht es darum, Österreich zu reformieren - bei Bildung und in der Verwaltung - und die internationale Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes wieder zu verbessern", betont der Bankenboss laut "Die Presse" und "Kurier".

Die weiter gesunkene Wahlbeteiligung "sollte ein Alarmzeichen sein", meint Georg Kapsch, Präsident der Industriellenvereinigung. Sie zeige, dass "die Menschen alle diese Parolen, von welcher Partei auch immer, satthaben". Kapsch vermeidet es, Koalitionswünsche zu äußern. Die IV werde "mit jeder Koalition, die kommt, arbeiten" und das eigene Programm umzusetzen versuchen. Allerdings wäre jede neue Bundesregierung gut beraten, die nächsten zwei Jahre "zu nützen, um wirklich große Schritte zu setzen".

Nach dem gestrigen Wahlergebnis "schaut es ja so aus, als ob alles beim Alten bleibt", meint IHS-Chef Christian Keuschnigg. Aber die Wähler hätten die grundlegende Botschaft ausgesendet, dass es einen "Reformstau" gibt. "Das wird sich hoffentlich niederschlagen", wünscht er sich Reformen. Wifo-Chef Karl Aiginger appelliert an die erwartete Neuauflage einer Zweier-Koalition aus SPÖ und ÖVP, die Regierung sollte eine "Reformpartnerschaft" mit Experten und Sozialpartnern als "dritter Kraft" bilden.