Erstellt am 23. September 2013, 10:27

Auf der Seidenstraße …. Land Rover | Letzte Vorbereitungen vor dem Serienstart: Der Range Rover Evoque fährt mit neun Gängen bis nach Indien, der Range Rover Hybrid hat das gleiche Ziel. Wir waren dabei!

 |  NOEN, Land Rover
Von Alexander Seger

Mehr Zahnräder, weniger Sprit – eine einfache Rechnung. Denn je mehr Gänge das Getriebe hat, umso länger kann der Motor im wirtschaftlichsten Drehzahlbereich laufen. Bei der Länge nach eingebauten Motoren ist genug Platz für ein Getriebe mit sieben, acht oder gar neun (Mercedes-Benz E350 BlueTec) Gängen. Automatikgetriebe mit mehr als sechs Gängen sind in der Oberklasse daher seit Jahren Standard. Nur bei kompakten Fahrzeugen mit Quermotor musste man sich bisher mit sechs Gängen begnügen. Damit ist jetzt Schluss: Die Getriebespezialisten von ZF haben eine neungängige Automatik für Querfrontmotoren entwickelt – der Range Rover Evoque ist bald damit ausgerüstet.

Dessen letzte große Testfahrt findet derzeit zwischen Berlin und Mumbai statt. Wir sind den Wagen 2.700 Kilometer in Russland, Kasachstan und Usbekistan gefahren und können keinen Grund zur Beanstandung finden. Im Langsamfahrbereich, zum Beispiel beim Rangieren, ist der Evoque gut kontrollierbar. Während der Fahrt schaltet die Automatik so flott wie ein Doppelkupplungsgetriebe, und das sowohl on- als auch offroad. Sie rückt die Gänge aber dennoch so sanft ein, dass kein Komfortverlust droht. Im Gegenteil: Die niedrige Motordrehzahl bei höherem Tempo reduziert das Geräusch im Fahrgastraum.

Die Kontrolle des Spritkonsums am Bordcomputer unseres 2.2 SD4 (190 PS) überzeugt nach einer Strecke von 7.416 Kilometern. Die im Konvoi mitreisenden aktuellen Evoques gönnten sich mit den grobstolligen Geländereifen und dem hohen Dachaufbau 9,5 Liter pro 100 Kilometer (Normverbrauch: 6,5 Liter). Mit der neungängigen Automatik, gesteuert von einer noch nicht endgültig optimierten Software, betrug der Verbrauch 8,3 Liter (im Datenblatt stehen 6,0 Liter).

Auch drei Prototypen des großen Range Rover mit Diesel-Hybrid-Antrieb müssen sich auf der 16.000 Kilometer langen Route durch 13 Staaten und fast 50 Kulturkreise bewähren. Unter der Haube steckt eine Kombination aus dem 292 PS starken 3,0-Liter-SDV6, einem 48 PS starken Elektromotor und der achtgängigen Automatik von ZF. Die zusätzlichen 170 Newtonmeter des Elektromotors sorgen bei Sandfahrten für ein besonders breites Grinsen des Fahrers. Auch beim Überholen kann die Zusatzpower hilfreich eingesetzt werden: Die Systemleistung des Hybridmodells entspricht mit 340 PS und 700 Newtonmeter exakt dem (ebenfalls Ende des Jahres erhältlichen) V8-Dieselmotors! Dann sind die am Papier genannten 6,4 Liter Normverbrauch natürlich nicht erreichbar – mit einem über mehr als 8.000 Kilometer Fahrtstrecke (on- und offroad) ermittelten Praxisverbrauch um die acht Liter ist das Ergebnis jedenfalls absolut respektabel, immerhin wiegt der Wagen samt Besatzung und Ausrüstung knapp unter 3.000 Kilogramm. Und die Dachgalerie mit Reservesprit und Ersatzrädern sorgt für zusätzlichen Luftwiderstand.

Neu: Range Rover
Range Rover Evoque, Modelljahrgang 2014
Ab November. Zu den Neuerungen zählt neben einer neungängigen Automatik der „Active Driveline“-Antrieb: Ab 35 km/h arbeitet der Evoque bei konstantem Tempo als sparsamer Fronttriebler, der Hinterradantrieb mit aktiver Drehmomentverteilung wird bei Bedarf in wenigen Millisekunden zugeschaltet. Das bedeutet: Das Drehmoment kann für jedes Hinterrad separat bemessen werden („torque vectoring“).

Range Rover Hybrid
Ab Ende des Jahres. Drei Betriebsmodi stehen zur Wahl: reiner Dieselantrieb, reiner Elektroantrieb oder Parallelbetrieb. Im nahezu lautlosen elektrischen Modus schafft der Range Rover Hybrid (bei voller Aufladung) eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 50 km/h für höchstens 1,6 Kilometer, bevor der Selbstzünder den Antrieb übernimmt. Bei stärkerer Beschleunigung schaltet sich der Selbstzünder nahezu unmerklich zu. 6,4 Liter Normverbrauch entsprechen 169 Gramm CO2 pro Kilometer.