Erstellt am 06. Februar 2012, 07:50

„Bieten seriöses Paket, keine Mogelpackung!“. NÖN-INTERVIEW / Alexander Struckl, Geschäftsführer der General Motors Austria GmbH, über Zulassungsstatistiken: „Vom Marktanteil kann sich kein Kunde was kaufen …“

 |  NOEN
VON THOMAS VOGELLEITNER

NÖN: Hat das „GM-Theater“ Opel geschadet?
Struckl: Nein! Unter dem Strich hat uns das „GM-Theater“ nicht geschadet. Opel hat das einzig Richtige getan, sich in der ganzen Zeit auf das Bauen von guten Autos konzentriert – unabhängig davon, wer unser Eigentümer oder Investor ist.

NÖN: Sind Sie traurig, dass Opel nicht von Frank Stronach übernommen wurde?
Struckl: Für Magna wäre es eine sehr, sehr große Geschichte gewesen, aber ich weiß nicht, ob es für Opel letztendlich gut gewesen wäre. Auf der anderen Seite bin ich als Österreicher schon ein wenig traurig.

NÖN: Wann überholt der Astra den Golf als beliebtestes Auto der (Nieder-)Österreicher?
Struckl: Das passiert auf der Autobahn jeden Tag! Unsere Autos haben die Technik, den Golf zu überholen, und der Astra sieht auch besser aus. Wenn wir in die Kombi-Klasse schauen, dann verkauft sich auch der Astra besser als der Golf! Es hat einen guten Sager in einer Fernsehsendung eines Kunden gegeben: „Ich kenne mich nicht bei Autos aus und will daher eine Variante, bei der ich nichts falsch machen kann …“ Wir müssen daran arbeiten, dass wir in Zukunft dieses allgemeine Vertrauen bekommen, dass der Opel das richtige Auto für jede Lebenslage ist.

NÖN: Lob gibt es für den Insignia viel, aber bei der Mittelklasse denken (noch immer) die meisten an den Passat …
Struckl: Bei den Kunden, die ihre Autos selbst kaufen, haben wir mit dem Insignia extrem viel Erfolg. Es gilt für uns nun auch, die Flottenbetreiber noch besser zu überzeugen. Unter dem Strich sehe ich den Insignia als das klar bessere Paket für den Kunden.

NÖN: Hat Opel noch immer das Image eines Hutträger-Autos? Wie jung ist der durchschnitt-liche Opel-Fahrer?
Struckl: Für den Astra, den Ampera oder den Insignia bekommen wir viele Komplimente von der Jugend. Wichtig ist uns in erster Linie die Agilität des Kunden, unabhängig vom Alter. Unsere Kunden schätzen die praktischen Werte eines Opels, die ihm Mobilität und Flexibilität geben. Unser Kunde ist über die Zeit nicht jünger geworden, aber viel agiler.
NÖN: 2011 war in Österreich ein automobiles Rekordjahr. Opel hat als einzige Top-10-Marke bei den Pkw-Neuzulassungen ein Minus geschrieben …
Struckl: Wir haben in Summe mehr Fahrzeuge verkauft als im Jahr davor, ihre Zahl zählt die leichten Nutzfahrzeuge nicht mit. Mir ist außerdem wichtiger, dass Opel ein Gewinn für die Kunden ist! Vom Marktanteil kann sich kein Kunde was kau-fen … Wir bieten dem Kunden ein seriöses Paket an – und keine Mogelpackung! Die ehrliche Arbeit wird uns nach vorne bringen – und nicht statistische Zahlenspielerein!

NÖN: Sind Kurzzulassungen bei Opel ein Thema?
Struckl: Ja, auch wir machen Kurzzulassungen bzw. unsere Händler. Diese Vermarktungsart ist mittlerweile gang und gäbe, wir folgen den Marktgegebenheiten. Eine Kurzzulassung ist ein Lagerwagen mit einem Lagerwagenpreis. Somit für den preissensiblen Kunden ein Muss und eine gute Option, wenn er flexibel ist.

NÖN: Drei Gründe, warum man einen Opel kaufen sollte …
Struckl: Sensationelles Design, German Engineering, sensationelle Langzeitqualität … und, weil Autoverkäufer nicht zählen können, Best-in-class-Fahrwerke sowie Premium-Innenraum. Wir sind stolz, dass wir im Dekra-Qualitätsreport mit Astra und Insignia am Treppchen stehen und unsere Modelle, wie Meriva und Zafira, den besten Werterhalt in Euro haben. Unsere Autos sind am Gebrauchtwagenmarkt gefragte Autos!

NÖN: Fehlt Opel ein Modell im Programm?
Struckl: Ein ganz, ganz großer Van fehlt uns in Österreich, wegen der Vorsteuerabzugsberechtigung. Europaweit ist dieses Segment nicht sehr stark und es schrumpft stark. Autos, die wirklich fehlen, kommen demnächst. Zum Beispiel der Mokka (ein kleiner SUV, startet im späten Herbst), der „Junior“ (kleiner als der Corsa, der Name ist noch ein Arbeitstitel), ein kompaktes Ca-brio (mit Stoffdach) … Grundsätzlich muss ich aber betonen, dass wir Vollanbieter sind! Wir haben derzeit 18 Modelllinien, vom 3,6-Meter-Zwerg bis zum 4,5-Tonnen-Movano ist alles dabei.

NÖN: Finden Sie, dass das Preis/Leistungs-Verhältnis bei Opel passt?
Struckl: Das Preis/Leistungs-Verhältnis ist bei Opel sehr gut. Wir bieten dem Kunden Lösungen, die er sonst nur in der Top-Liga bekommt. Unser Radträger ist im Autoheck integriert und kann wie eine Schublade ausgezogen werden. Das Kurvenlicht ist dieses Jahr wieder als eines der besten gewählt worden. Sie bekommen ein adaptives Fahrwerk wie in einem Porsche in den besseren Astra-Versionen serienmäßig. Und, und, und …

NÖN: Wie sehen Sie das Thema Allianz in der Autobranche? Was „kostet“ (Käufer) Chevrolet der Marke Opel?
Struckl: Die Kunden wollen eine leistbare Technik, die Stückkosten sind der Schlüssel dazu – damit machen Allianzen Sinn. Chevrolet ist unsere Schwestermarke – damit können wir auch leben. Da wir mit Opel sicher das für Europa bessere Programm haben, denke ich mehr an unsere Potenziale als an Chevrolet.

NÖN: Wie werden wir in 20 Jahren unterwegs sein? Wie schaut die motorische Zukunft aus?
Struckl: Die Elektromobilität wird in 10 bis 20 Jahren eine Alternative zum herkömmlichen Verbrennungsmotor sein. Jedoch werden wir alle den Schritt der Elektrifizierung des Antriebsstranges gehen müssen, sonst werden wir die Abgasnormen nicht einhalten können. Ob es reine Elektroautos werden, traue ich mich nicht zu behaupten. Opel wird 2015 ein Brennstoffzellenmodell auf den Markt bringen.

NÖN: Ist bei den Verbrennnungsmotoren noch was drinnen oder sind wir bereits am Limit?
Struckl:  Meinem Lebensmotto entsprechend „Ist der Berg auch noch so steil, ein bisserl was geht allemeil“ werden weitere Effizienzsteigerungen erzielbar sein. Bei unserem Eco-Triathlon haben wir mit einem Corsa einen Durchschnittsverbrauch von 2,7 Liter Diesel zusammengebracht, der Normverbrauch wird von uns mit 3,8 Liter angegeben. Das heißt: Allein über die Fahrweise und die Modalität, wie man das Auto nutzt, kann auch eine Verbrauchverbesserung erreicht werden …

NÖN: In Österreich ist noch immer rund eine Million „Stinkerautos“ (Abgasnorm Euro 0, 1) unterwegs. Sind Sie für die Wiedereinführung der Öko-Prämie?
Struckl: Anreize zum Umstieg auf neue Autos kann ich nur begrüßen! Neue Autos machen ja nicht nur hinsichtlich der Abgase Sinn, sie brauchen auch weniger Sprit und schonen die Geldbörse. Und die Förderung zum Umstieg auf neue Autos hilft letztendlich auch der Frau Finanzminister.

NÖN: Was stört Sie als „Automann“ an der Politik?
Struckl:  Dass wir Autofahrer die „Melkkuh der Nation“ sind! Wir zahlen schon mehr als genug – in Summe haben wir fast 50 Prozent Steuerleistung auf jedes Fahrzeug! Zudem möchte ich betonen, dass jeder achte Arbeitsplatz in Österreich direkt oder
indirekt mit der Autoindustrie zu tun hat. Der Pkw wird immer als Umweltmonster dargestellt, die Abgasbelastung durch den Personen-Individualverkehr liegt allerdings nur bei heißen sechs Prozent – was ist mit den restlichen 94?