Erstellt am 17. Januar 2011, 00:00

Der Krieg der Marken. REKORDJAHR / So viel wie 2010 haben (Nieder-)Österreichs Autohändler noch nie verkauft! Aber: Der Kampf um den Kunden geht 2011 weiter – auch mit „statistischen Fälschungen“ …

VON MICHAELA FLECK

Damit hätte noch vor gut einem Jahr keiner gerechnet. Denn 2010 lautete die Neujahrsprognose noch: Es wird ein schlechtes Jahr für Österreichs Autohandel. 2011 ist alles anders. Denn: 2010 war nicht nur ein gutes Jahr für
Österreichs Autohandel, sondern das beste überhaupt!

328.563 Pkw wurden von Jänner bis Dezember letzten Jahres in ganz Österreich neu zugelassen (im bisherigen Rekordjahr 1992 waren es 320.094), außerdem 31.071 Lkw, 47.498 Zweiräder und 968.592 Gebrauchtwagen. Stärkstes Monat war 2010 der März, stärkste Marke (und das schon zum 54. Mal in Folge!) VW, stärkstes Modell (zum 33. Mal!) der VW Golf. Wichtigster Trend: der zur Kompaktklasse und, wieder, der zu (kleineren) Dieselmotoren.

„Das ist wirklich eine gewaltige Zahl“, freut sich auch Burkhard Ernst, Fahrzeughandels-Obmann in der Wirtschaftskammer. Nur: „Sie entspricht nicht der Realität in den Schauräumen!“ Denn satte 6,2 Prozent (20.354 Stück) aller verkauften Neuwagen wurden gerade einmal für einen Tag zugelassen.

In der Statistik, aber nicht auf  der Straße: Tageszulassungen

„Die haben wir“, so Ernst, „zwar in der Statistik, aber nie auf der Straße.“ Zumindest nicht in Österreich. „Wir schätzen, dass rund ein Drittel davon ins Ausland geht!“ Spitzenreiter bei den Tageszulassungen war 2010 Hyundai mit 5364 Pkw, gefolgt von Fiat (3255), Ford (2988) und Kia (1115). In der Markenstatistik würde Hyundai „ohne Tageszulassungen von Platz 8 auf Platz 14 rutschen“, rechnet Peter Laimer von der Statistik Austria vor. Und für Josef Schirak, Vorsitzender von Österreichs Autohändlern in der Wirtschaftskammer und Seniorchef eines der größten Autohäuser in St. Pölten, ist das schlicht „statistische Verfälschung – mit enormen Folgen“.

Dass der heimische Einzelhandel trotz Rekordjahr gar nicht in Jubelstimmung ist, liegt laut Schirak allerdings nicht nur an den Tageszulassungen, sondern auch daran, dass die Preistransparenz völlig verloren gegangen sei. Und dass ab Mitte 2013 die Spielregeln im Vertrieb neu gemacht würden. „Manche Hersteller träumen ja jetzt schon davon, ihre Autos direkt vom Band weg an den Mann zu bringen“, schimpft Schirak. Und das werde vor allem im ländlichen Bereich Spuren hinterlassen.

Bei den Marken hinterlässt die Krise jedenfalls mit oder ohne Rekorde Spuren. Daihatsu etwa hat vergangene Woche angekündigt, mit 1. Jänner 2013 den Vertrieb von Neuwagen in ganz Europa, also auch in Österreich, komplett einzustellen.

2011 wird, laut Schirak, ein „Schlüsseljahr“ werden. Auch, weil das Finanzministerium schon überlege, auch für Tageszulassungen die Abgabe der
NoVa einzuführen. Für Burkhard Ernst soll das neue Jahr „nicht himmelhochjauchzend, aber zufrieden stellend“ werden. Die Zahl der neu zugelassenen Pkw in Österreich schätzt der Fahrzeughandels-Obmann 2011 auf 290.000 bis 300.000. Ingo Natmessnig, Sprecher der Automobilimporteure, geht von 310.000 aus, Wolf-Dieter Hellmaier, Sprecher der Porsche-Holding, erwartet sogar 320.000.

Was man sich für 2011 noch wünscht? Dass die Autofahrer – angesichts der eben erhöhten Mineralölsteuer und der ab 1. März erhöhten NoVA –  nicht ständig „die Melkkuh der Nation sind“. Und: Dass die Ökoprämie wieder eingeführt wird. „Das wäre für uns extrem wichtig“, so Burkhard Ernst.