Erstellt am 04. November 2013, 09:14

Eine Frage der Ehre …. Alfa Romeo | Mit 241 Turbo-PS, Heckantrieb und 895 Kilogramm Trockengewicht setzt der puristische 4C ein überzeugendes Lebenszeichen. Alfa Romeo lebt – und wie!

Der 4C wird im Maserati-Werk in Modena produziert (pro Jahr 3.500 Stück, davon bleiben 1.000 in Europa). Beeindruckend: Leistungsgewicht von weniger als vier Kilogramm pro PS.  |  NOEN, Alfa Romeo
Von Beatrix Keckeis-Hiller

Was ist mit Alfa Romeo los? Das fragen sich nicht nur Alfisti und Fans jener italienischen Marke, die einst für fetzige Sportflitzer stand. Daraus entwickelt hatte sich eine Tradition, beruhend auf mythischen Modellen wie dem Tipo 33 Stradale (von 1967) und ikonischen Rennfahrerlegenden vom Typus eines Tazio Nuvolari. Eine leuchtende Historie, der eine weniger strahlende Gegenwart gegenübersteht, mit gerade zwei (Volumens-)Modellen, Mito und Giulietta …

Doch da ist nun einer, der in die Zukunft weist, von der Alfa Romeo sportliche und heckgetriebene Modelle verspricht. Es ist der 4C, der (bis es so weit ist) die Brücke vom Gestern ins Morgen schlägt. Er zitiert, wie schon der Supersportler 8C (2007 bis 2009) stilistisch seine Ahnen, aber ohne auf die Retroschiene abzugleiten: mit langer gieriger Schnauze, kurzem keckem Heck, ausladend breiten Kotflügeln und knapp geschnittener Fahrzeugzelle.

x  |  NOEN, Alfa Romeo
Bei der Entwicklung des „Quattro Cilindri“ (wofür 4C steht) war es für die Alfa-Techniker eine Frage der Ehre, auf den essenziellen Ingredienzien der Sportfahrfreude im Geiste der Vorfahren aufzubauen und dem ererbten Mythos gerecht zu werden. Die moderne Interpretation dessen resultierte in einer Komposition aus Carbon-Monocoque, Aluminium-Chassis, kompaktem, leichtem und drehfreudigem Antrieb – ein 1.742-Kubikzentimeter-Vierzylinder-Turbobenziner aus Aluminium mit 214 PS (bei 6.000 Umdrehungen pro Minute) und 380 Newtonmeter (ab 2.000 Umdrehungen pro Minute), mittig quer platziert – und Heckantrieb!

Die Fahrtrichtung dirigiert wird über eine mechanische Lenkung, die Gangstufen sortiert werden über ein sechsstufiges Doppelkupplungsgetriebe (TCT), mit Tipp-Funktion via Schaltpaddles am Lenkrad. Für den optimalen Asphaltkontakt ist der 4C vorne mit 205/45 R17-, hinten mit 235/40 R18-Pneus ausgestattet. Das alles mag noch gar nicht so bemerkenswert sein. Ist es aber, angesichts des Gewichts des 3,99 Meter kurzen Zweisitzers: Trocken sind es 895 Kilogramm. Zusätzlich zum Leichtbau wurde nur das Nötigste implantiert: ABS, Stabilitäts- und Traktionskon-trolle, elektronisches Sperrdifferenzial. Zu diesem Technik-
Outfit gehört Alfas D.N.A. mit den Fahrmodi Dynamic, Natural und All Weather. Im 4C kommt die Stufe Race hinzu, da tritt die Stabilitätskontrolle fast ganz in den Hintergrund, die Antriebsschlupfregelung ist inaktiv, es bleibt nur das elektronische Sperrdifferenzial im Einsatz.

Um das niedrige Tockengewicht zu erzielen und zu erhalten, haben die Italiener an Komfortzutaten gespart. An der Lenkung – Servounterstützung gibt es nicht. Oder an der Schalldämmung – im Interieur zeigt der 4C unverhüllt sein Sicht-Carbon her. Und wer Klimaanlage und Radio aufdrehen will, muss extra ordern.
Das Ergebnis sind Fahrleistungen wie in 4,5 Sekunden von null auf hundert sowie 258 km/h Höchstgeschwindigkeit. Auf der Nordschleife des Nürburgrings war das gut für eine Rundenzeit von acht Minuten und vier Sekunden (damit Rekordhalter bei Fahrzeugen unter 250 PS). Ein Wert, von dem beim ersten Probeschnuppern auf dem Hockenheimring auch nicht annähernd die Rede sein konnte. Das war jedoch keine Frage der Ehre, sondern der Genuss des reinen Fahrspaßes, eines der leichtfüßigen und akustisch ungemein anregenden Art. Die fehlende Servolenkung hat übrigens dabei überhaupt nicht gefehlt.

Neu: Alfa Romeo 4C
Start & Preis. Ab sofort bestellbar, erhältlich. Ab 54.800 €. Das Basismodell hat: zwei Airbags, Stabilitäts-und Traktionskontrolle, Berganfahrhilfe, Reifendruckkontrolle, Radiovorbereitung, Aluminiumpedale, Aluminiumfelgen. Extras: Radio mit Web-Apps, Spracherkennung und Freisprechanlage, Navigationssystem, manuelle Klimaanlage, Ledersitze, Bi-LED-Scheinwerfer, Parksensoren hinten, Racing-Fahrwerk und -Bremsen. Absatzprognose österreichweit: 70 bis 100 Fahrzeuge pro Jahr.