Erstellt am 21. September 2015, 08:58

von Heinz Müller

In 20 Jahren „hybridisiert“. Gerald Killmann, österreichischer Vice President für Forschung und Entwicklung bei Toyota Motor Europe, stand der NÖN Rede und Antwort.

Ein Österreicher, der bei Toyota Karriere macht: Gerald Killmann.  |  NOEN, Toyota

NÖN: Auf der IAA in Frankfurt zeigt Toyota derzeit die vierte Generation des Prius. Welche Fortschritte gibt es?
Killmann: Wir führen jetzt eine neue Plattformarchitektur ein (Toyota New Global Architecture), die auf die meisten Fahrzeugkonzepte ausgedehnt werden kann. Die Hybridbauteile sind nun in Bereichen, die für den Kunden nicht spürbar sind. Das erlaubt viel mehr Spielraum im Innenraum, beim Design und bei der Fahrbarkeit. Da werden noch viele neue Modelle kommen.

NÖN: Toyota hat mit dem Mirai vor wenigen Wochen das erste Brennstoffzellenauto auf den Markt gebracht. Wie geht es weiter?
Killmann: Wir sehen in dieser Technologie ein enormes Zukunftspotenzial, nicht nur in industrialisierten Gebieten. Wasser und Sonne, die man benötigt, gibt es überall.

NÖN: Wie lange wird es dauern, bis sich die Brennstoffzelle durchsetzt?
Killmann: Heute ist so ein Auto natürlich nicht günstig (der Mirai kostet in Deutschland 78.540 €, Anmerkung der Redaktion), aber auch der erste Prius hatte vor 15 Jahren einen sehr hohen Preis und heute hat sich die Hybridtechnologie durchgesetzt. Der Vorteil ist, dass auch andere Konzerne an dieser Technologie arbeiten.

NÖN: Dafür benötigen Sie ein eigenes Tankstellennetz ...
Killmann: Ja, das ist der Nachteil. Im Raum London, wo wir diese Autos anbieten, benötigen wir rund 15 Tankstellen, in Dänemark ebenso. Dazu kommt noch Deutschland.

NÖN: Wie viele Brennstoffzellenautos wollen Sie absetzen?
Killmann: Wir haben am Anfang rund 100 Autos für Europa, davon sind noch nicht alle verkauft. Bis wir die Produktion voll in den Griff kriegen, brauchen wir ca. 3.000 Fahrzeuge.

NÖN: Wie sehen Sie den weltweiten Automarkt in zwei Jahrzehnten?
Killmann: Dann wird jedes Auto mehr oder weniger „hybridisiert“ sein. Auch der Mirai ist ja ein Hybrid, nur hat er statt des Verbrennungsmotors eine Brennstoffzelle. Ich kann mir vorstellen, dass diese Technologie dann der Standardantrieb sein wird. Beim normalen Hy-brid hat es 18 Jahre gebraucht, bis eine Million Autos produziert waren. Wir werden ja sehen …

NÖN: Welche Chance haben reine Elektroautos?
Killmann: Wir haben bei Toyota eine eigene Abteilung, die Batterien entwickelt. Wir wollen ein Auto auf die Räder stellen, wo die Kunden den gleichen Nutzen haben wie bei einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor – oder noch mehr. Wir sehen aber noch Probleme bei der Dauerhaltbarkeit und beim Nachladen. Daher setzen wir die Brennstoffzelle in den Wettbewerb mit Elektroautos. Diese werden wohl als reines Stadtfahrzeug die Nase vorne haben.

NÖN: Letzte Frage: Was sagen Sie zum Thema Automatisiertes Fahren?
Killmann: Bis man sich in seinem Auto am Steuer schlafen legen wird, wird es noch dauern. Aber dass ein Auto auf Autobahnen gewisse Abschnitte alleine zurücklegt, das wird schon relativ bald, zwischen 2020 und 2025, kommen.

x  |  NOEN, dpp-AutoReporter/zm

Zur Person

Gerald Killmann wurde in Graz geboren, wuchs in den USA sowie in Deutschland auf. Er arbeitet seit 1992 bei den Japanern, der 50-Jährige spricht auch Japanisch. War u. a. Projektleiter bei der Integration von BMW-
Dieselmotoren (made in Steyr) in Toyota-Modelle.