Erstellt am 17. Oktober 2011, 00:00

„Förderung von E-Autos wäre deutliches Signal“. INTERVIEW / „Nun stehen uns wieder schwierige Zeiten bevor …“ – Laurent Pernet, General- direktor von Peugeot Austria, fordert deshalb die Wiedereinführung der Öko-Prämie.

Seit Juli 2009 Peugeot- Austria-Generaldirektor: Laurent Pernet (48). ZVG  |  NOEN
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VON THOMAS VOGELLEITNER

NÖN: Wie werden wir in 20 Jahren unterwegs sein? Mit Elek-troautos? Oder mit Hybrid, Wasserstoff, Brennstoffzelle …?

Pernet: Die individuelle Mobilität ist eine Errungenschaft des modernen Menschen, die auch in 20

Jahren ihren Stellenwert haben wird. Aber wir stehen vor einer Phase vieler neuer Technologien, unterschiedlicher Antriebskonzepte, nachdem die Autoindus-trie über viele Jahre auf den herkömmlichen Verbrennungsmotor fokussiert war. Die Welt hat sich gewandelt. Ganze Bevölkerungsgruppen von riesigen Ländern, wie etwa China, bekommen Zugang zum Auto. Das erfordert neue Mobilitätskonzepte, auch Autos, die günstig in der Anschaffung und im Betrieb sind. Wendige Elektroautos für die Ballungszentren wird es geben, aber auch Hybridfahrzeuge für den Stadt/Land-Einsatz.

NÖN: Mit dem 3008 Hybrid4 hat Peugeot demnächst den weltweit ersten Diesel-Hybrid im Programm. Wie kam es dazu, wieso kein Benzin-Hybrid?

Pernet: Peugeot ist traditionell stark mit dem Diesel verankert, hat hier viel Know-how. Denken Sie an unser frühes Bekenntnis zur smarten HDi-Technologie, wo andere Hersteller noch auf die Pumpe-Düse gesetzt haben. Oder den Rußpartikelfilter FAP, den wir vor zwölf Jahren als Erste weltweit zum technischen Standard gemacht haben. Dass nur wenige vergleichbare Benzin-Hybride die Verbrauchswerte unseres Diesel-Hybrids (ab 3,8 Liter pro 100 Kilometer, ab 99 Gramm CO2 pro Kilometer) erreichen, und das bei beein-
druckender Durchzugsstärke, spricht auch für den Diesel. Zudem haben wir uns entschlossen, den Diesel-Hybrid zuerst ab der Mittelklasse zu bringen, wo wir mehr Diesel als Benziner verkaufen. Somit lag die Entscheidung auf der Hand.

NÖN: In Österreich sind derzeit noch immer rund eine Million „Stinkerautos“ unterwegs. Sind Sie für die Wiedereinführung der Öko-Prämie?

Pernet: Wünschen darf man sich das wohl! Peugeot war ja ein Gewinner aus der Öko-Prämie, da damit kleinere Auto angeschafft wurden, wo wir unsere besondere Stärken haben. Nun stehen uns wieder schwierige Zeiten bevor … Es wäre somit eine nicht unberechtigte Forderung an die Regierung, wieder eine solche Aktion für unsere Branche zu bringen.

NÖN: Kann man heutzutage noch Autos ohne Aktionen, Sonderrabatt verkaufen?

Pernet: Das wird immer schwieriger! Nur ganz wenige Hersteller, besonders Nischenanbieter oder die eine oder andere Premiummarke, schaffen das noch. Und wir befinden uns in Österreich auf einem Markt, wo Aktionen sehr verbreitet sind. Um auf diesem Markt zu bestehen, müssen wir da mitmischen.

NÖN: Wie stehen Sie dem Thema Tageszulassungen gegenüber?

Pernet: Ein Thema, das branchenintern kontroversiell diskutiert wird. Einen Markt für Tageszulassungen gibt es zwar, der ist aber begrenzt. Wir haben uns für ein streng limitiertes Volumen im Verhältnis zu unserem Marktanteil entschieden – nicht mehr und nicht weniger.

NÖN: Drei Gründe, warum man einen Peugeot kaufen sollte …

Pernet: 1) Das ausgezeichnete Preis/Leistungs-Verhältnis, 2) die Qualität, das besondere Design und die Vielfältigkeit und 3) der Schuss mehr Emotion als Vernunft, der einen Peugeot prägt.

NÖN: Wie laut muss ein Löwe brüllen, damit er in Österreich erfolgreicher ist als zum Beispiel ein Golf oder Passat?

Pernet: Da würde ich gerne mit einer deutschen Redensart antworten: Steter Tropfen höhlt den Stein …

NÖN: Fehlt Peugeot ein Modell? Was hätten Sie gerne noch im Programm? Eine Oberklasse-Limousine?

Pernet: Wir sind heute schon sehr breit aufgestellt und haben in den vergangenen fünf Jahren stark zugelegt – mit neuen Modellen, wie 5008, RCZ und 508 sowie neuen Technologien, wie unseren 3008 Hybrid4. In den nächsten zwei Jahren wird Sie die Produktpalette weiter überraschen!

NÖN: Was bringt uns die nahe Zukunft – auf welche Peugeot-Neuheiten bzw. -Innovationen dürfen wir uns freuen?

Pernet: Den 3008 Hybrid4 werden wir im März nächsten Jahres in Österreich einführen. Nachdem unsere Hybrid4-Technologie so konzipiert ist, das sie 1:1 auf andere Modellreihen übertragbar ist, wird da noch mehr kommen. Zuerst im Mai im 508 RXH, einem Kombi mit Allroad-Charakter, und etwas später in der 508 Limousine. Für alle Freunde von kompakten SUVs werden wir nächstes Jahr auch ein neues 4WD-Produkt anbieten können, den 4008. Damit schließen wir eine bestehende Lücke. Sie sehen, es geht Schlag auf Schlag

NÖN: Mit dem RCZ hat Peugeot einen großen Coup gelandet, noch dazu „Made in Austria“. Wann kommt das nächste Löwen-Kultauto?

Pernet: Ich würde es mal so sagen: Peugeot war immer eine innovative Marke am Pulsschlag der Zeit. Das haben wir oftmals bewiesen! Denken wir an den 205 GTI der 80er-Jahre oder den 206 CC Anfang 2000. Der Stoff, aus dem die Träume sind wird uns sicher nicht ausgehen!

NÖN: Wie sehen Sie die Allianzen in der Autobranche? Geht es ohne überhaupt noch?

Pernet: Ich glaube, dass es durchaus Sinn macht, Kooperationen einzugehen. Jeder bringt seine Stärken ein und jeder profitiert vom anderen. Gleichzeitig kann man bei Projekten durch den gemeinsamen Verbund Entwicklungskosten einsparen, die schwer auf jedem einzelnenn Hersteller lasten. Wichtig ist nur, dass jeder auf seine DNA schaut.

NÖN: Was ärgert Sie als „Automann“ besonders an der österreichischen Politik?

Pernet: Eine Förderung von Elektrofahrzeugen, wie etwa in meinem Heimatland, wo die Anschaffung mit 5000 Euro gestützt wird, wäre schon ein deutliches Signal. Ohne staatliche Förderungen, denken Sie etwa an die Schaffung von Ladestationen in Städten, bewegt sich das Thema nur sehr langsam. Die Autoindustrie macht ihre Hausaufgaben. Wir haben mit dem iOn schon ein hundertprozentiges Elektroauto im Angebot.