Erstellt am 22. August 2014, 11:12

Im August gibt es die meisten Alkoholunfälle. Mehr oder weniger laue Abende im Schanigarten, Grillfeste und Kirchtage - der Sommer ist in Österreich eine gesellige Zeit. Wenn im August gefeiert wird, passieren auch die meisten Alkoholunfälle.

285 waren es alleine im August 2013 - zwölf Prozent aller Verkehrsunfälle vom Vorjahr. "Wer fährt, trinkt nicht, und wer trinkt, fährt nicht", appelliert das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV). Gefeiert wird hauptsächlich am Wochenende, so passierten 74 der 285 August-Unfälle unter Alkoholeinfluss im Vorjahr an einem Samstag. Die meisten Unfälle im vergangenen Sommermonat ereigneten sich in Niederösterreich, gefolgt von Oberösterreich und der Steiermark. Doch allein in der Bundeshauptstadt Wien wurden im gesamten Vorjahr bei 222 Alkoholunfällen 290 Menschen verletzt.

Im ganzen Land wurden 2013 insgesamt 31 Menschen bei Alkoholunfällen getötet, die meisten mit sechs im August. "Österreichweit ist beinahe jeder zehnte Verkehrstote Opfer einer Alko-Fahrt", sagte Rainer Kastner, Verkehrspsychologe beim KFV bei einem "wissenschaftlichen Trinkversuch" für Journalisten in Wien. Dabei räumt der Experte mit Mythen und Irrtümern auf.

Alkoholabbau kann nicht "beschleunigt" werden

So etwa mit dem hartnäckigen Gerücht, viel Essen und Fett beeinflussen den Alkoholisierungsgrad. "Der Promillewert ist das Verhältnis ein Gramm Alkohol auf einen Liter Blut verteilt", erklärte Kastner. "Bei einer durchschnittlich groß gewachsenen Person mit durchschnittlich fünf, sechs Liter Blut ist es egal, ob mit oder ohne Schnitzel im Magen gemessen wird - das Blutvolumen ist das gleiche", sagte der Psychologe. Ein Krügerl Bier enthält knapp 20 Gramm Alkohol. "Wenn sie das getrunken haben, haben sie diese 20 Gramm im Körper."

Durchschnittlich 0,1 Promille Alkohol baut der Mensch pro Stunde ab. Und das kann nicht beeinflusst werden. "Egal ob mit Essen, Schwitzen, Schlafen, Laufen, Kaffee, Energydrinks - man baut dadurch nicht schneller oder langsamer ab", sagte Kastner. Beeinflusst werden kann das subjektive Empfinden, nicht jedoch die objektive Alkoholisierung. "Mit einem Schnitzel im Magen geht es mir besser, für den Promillegehalt ist es irrelevant."

26.000 Menschen geben jedes Jahr den "Schein" ab

Laut dem Experten verlieren in Österreich jährlich rund 26.000 Menschen wegen Alkohol am Steuer den Führerschein, davon deutlich mehr Männer als Frauen. "Personen, die regelmäßig in sehr geringen Mengen Alkohol konsumieren, kommen wahrscheinlich nicht über 1,2 Promille", erklärte Kastner. Das wurde auch beim Trinkversuch deutlich. Niemand der Journalisten kam auch nur annähernd auf einen Wert über 0,8 Promille.

"Hohe Promillewerte sprechen ganz eindeutig für ein Training", sagte Kastner und zog einen Vergleich mit dem Sport. "Wenn ich Marathonrennen nicht trainiere, laufe ich auch keine 42 Kilometer in zweieinhalb Stunden. Genauso ist es mit dem Alkohol. 2,5 Promille kann ich nur dann zusammenbekommen, wenn ich auch regelmäßig trainiere."

Doch schon bei 0,5 Promille Alkohol im Blut besteht bereits das doppelte Unfallrisiko wie im nüchternen Zustand, bei 0,8 Promille gar das Fünffache. Und auch bei geringeren Konzentrationen als gesetzlich erlaubt sind können Versicherungen im Falle eines Unfalls Regressforderungen stellen, erläuterte Kastner.