Erstellt am 25. Januar 2016, 09:11

von Franz Farkas

Japanische Zukunft. Mit dem Prius wurde Hybridgeschichte geschrieben – der Mirai ist das erste Großserien-Wasserstoffauto der Welt.

 |  NOEN, Toyota
Schon lange geistern Konzepte über Wasserstoffautos durch diverse Messen, auch die schon sehr alte Brennstoffzelle wird immer wieder zitiert (immerhin gibt es sie schon seit 1838). Brennstoffzellen sind eigentlich Wandler, die mittels einer chemischen Reaktion aus zugeführtem Brennstoff wie zum Beispiel Wasserstoff und Sauerstoff Strom produzieren, mit dem man etwa auch ein Fahrzeug antreiben kann.

Aus dieser Sicht ist der Mirai (der Name kommt aus dem Japanischen und heißt Zukunft) eigentlich ein Elektroauto, das sich den benötigten Strom selbst an Bord erzeugt. Der Vorteil: Getankt ist in drei Minuten; aus dem Auspuff kommt nur Wasser, das entweder in einem Tank gespeichert oder als Tröpfchen abgelassen werden kann.

Die neuartige Technik erklärt auch die zum Teil etwas eigenwillige Optik. Die mächtigen Schlünde an der Front sollen den benötigten Sauerstoff ansaugen, sie sind auch etwas hinderlich für eine wirklich gute Aerodynamik. Unter der Motorhaube und auch sonstwo ist alles anders. Die im Prinzip aus dem Prius stammende Steuereinheit findet vorne Platz, die Brennstoffzellen befinden sich unter Fahrer- und Beifahrersitz, die beiden Wasserstofftanks sind zwischen Fondbank und Kofferraum platziert (der ist
mit 361 Litern nicht gerade üppig, aber ausreichend).

„Wir werden in naher Zukunft reine Elektroautos
für die Kurzstrecke und Brennstoffzellenautos für
die Langstrecke an-bieten.“ Yoshikazu Tanaka,
Entwicklungsleiter Toyota Mirai

Im Inneren sieht es aus wie in einem herkömmlichen Auto. Vier Personen finden bequem Platz, das Armaturenbrett ist glatt und weitgehend frei von Schaltern und Knöpfen. Dafür gibt es einen großen Touchscreen, über den die meisten Funktionen bedient werden können, den Schalthebel kennt man vom Prius.

Das Fahren gestaltet sich wie mit einem Elektroauto, mit 154 PS ist man nicht nur lautlos, sondern auch ansprechend motorisiert. Zudem steht das Drehmoment von immerhin 354 Newtonmeter schon ab Null zur Verfügung, was eine fulminante Beschleunigung garantiert. Die beiden Tanks, in denen der Wasserstoff unter einem Druck von 700 Bar gespeichert wird, fassen je 2,5 Kilogramm. Der Verbrauch von 0,75 Liter auf 100 Kilometer entspricht einem Preis von etwa sechs Liter Benzin, Tendenz mit dem fallenden Spritpreis steigend. Dafür gibt es eine Reichweite von über 500 Kilometern.

Noch ein großer Nachteil: Es gibt in Österreich gerade einmal zwei Wasserstofftankstellen – und die sind nicht öffentlich. Aus diesem Grund wird der Mirai hierzulande noch nicht angeboten, die ersten Autos sollen allerdings noch heuer kommen. Auch der Preis ist nicht gerade verbraucherfreundlich: Mit rund 66.000 e ohne Steuern ist man in der Oberklasse. Aber steigende Produktionszahlen könnten das Zukunftsauto günstiger machen, zudem wird das Tankstellennetz sicherlich auch wachsen (die OMV will demnächst von zwei auf fünf erhöhen). Die Hoffnung stirbt zuletzt …

Neu: Toyota Mirai

Start & Preis. Ab voraussichtlich November, ab ca. 66.000 € exklusive. Serienausstattung u. a.: Pre-Collisions-System, Fußgängererkennung, Toter-Winkel-Warner, adaptiver Tempomat, ESP, Berganfahrhilfe, Parkassistent, Rückraumassistent, Rückfahrkamera, Sitzheizung an allen Plätzen.