Erstellt am 04. Mai 2011, 09:58

Kerle: „Kein Mazda ist verstrahlt!“. NÖN-INTERVIEW / Günther Kerle, Chef von Mazda Austria, über die automobile Zukunft: E-Autos nicht vor 2020 in größerer Stückzahl.

VON THOMAS VOGELLEITNER

NÖN: Sind die Mazda, die aus Japan kommen, verstrahlt?
Kerle: Nein! Mazda ist im Südwesten Japans beheimatet und liegt damit mehr als 1000 Kilometer weit weg vom Atomkraftwerk Fukushima. Dies entspricht der Entfernung zwischen Wien und Paris. Wir stellen absolut sicher, dass in Zukunft keinerlei kontaminierte Fahrzeuge oder Ersatzteile gebaut, verschifft oder in den Umlauf kommen werden!

NÖN: Kommt es aufgrund der Katastrophe in Japan zu Lieferengpässen bzw. -verzögerungen?
Kerle: Mazda hat in Österreich genug auf Lager. Die Verfügbarkeit von Fahrzeugen und Ersatzteilen ist gesichert.
NÖN: Über 600.000 verkaufte Autos – damit ist Mazda die erfolgreichste japanische Marke in Österreich. Was ist das Besondere an Mazda?
Kerle: Mazda ist die längst gediente japanische Automarke in Österreich. Seit über 40 Jahren ist die Marke am Markt und hat sich ein unverwechselbares Profil geschaffen – mit ungebrochener Leidenschaft für Wankelmotor-Sportwagen, durch Pioniergeist für Umweltschutz, durch die Liebe zum Roadster. Das Mazda-Erfolgsrezept ist die Mischung aus dynamischem Fahrspaß (Zoom- Zoom!), sportlichem Design, erstklassiger Produkt- und Servicequalität.

NÖN: Der MX-5 ist der erfolgreichste Roadster weltweit. Sein Geheimnis?
Kerle: Bei der Premiere vor über 20 Jahren war der MX-5 jenes Auto, auf das die Welt gewartet hatte: Zweisitzer, Heckantrieb, Gokart-ähnliches Fahrverhalten und ein Stoffverdeck, das mit wenigen Handgriffen zu öffnen ist. Der MX-5 ist die Wiedergeburt des erschwinglichen Oben-
offen-Fahrens – ein bis heute gültiges Erfolgsmodell, eine Roadster-Ikone!

NÖN: Laut EU sollen bis 2050 Verbrennungsmotoren aus dem innerstädtischen Bereich verbannt sein und sich nur noch Elektro- und Hybridfahrzeuge darin bewegen. Realistisch? Wie lange wird es überhaupt noch Benzin- und Dieselmotoren geben?
Kerle: Eine seriöse Prognose für 2050 gibt es nicht. Aber in den nächsten Jahren bleibt der Verbrennungsmotor aus unserer Sicht in jedem Fall der dominierende Antrieb. Mazda setzt deshalb in erster Linie jetzt einmal darauf, Benziner und Diesel noch sparsamer, noch sauberer zu machen. Das nützt der Umwelt am Allermeisten, denn die krasse Mehrheit der Autos fährt weiterhin mit diesen konventionellen Antrieben. Unter dem Namen Skyactiv präsentieren wir im Herbst eine neue Motorengeneration. Damit wird Mazda so sparsam sein wie ein Hybridauto – wegen der konventionellen Technologie für die Kunden aber weit günstiger und unkomplizierter. Ganz grob sehe ich den Zeitplan bei Mazda so: Bis 2015 fokussieren wir auf das Optimieren der Verbrennungsmotoren, darauf aufbauend dann bis 2020 zunehmend auf Hybridautos. Und erst danach kommen Elek-troautos, möglicherweise auch Wasserstoffautos, in größerer Stückzahl ins Spiel.

NÖN: Welche Neuheiten wird es in naher Zukunft von Mazda geben?
Kerle: Im September auf der IAA in Frankfurt feiert der komplett neue CX-5 Weltpremiere. Es handelt sich dabei um ein kompaktes Sports Utility Vehicle. Das Auto ist maßgeschneidert für
Österreich: Es bietet Allrad, die Kombination Diesel mit Automatik, fesches Design und reichhaltige Ausstattungspakete.

NÖN: Wie sieht es mit strate-
gischen Partnerschaften aus – oder ist Mazda als Einzelkämpfer stark genug, um langfristig zu überleben?
Kerle: Wir glauben, dass Mazda mit einer Jahresproduktion von gut 1,2 Millionen Autos pro Jahr weltweit durchaus groß genug ist, um als Einzelkämpfer erfolgreich zu sein. Mazda ist zwar kein riesiger Jumbo, aber dafür ein wendiger Jet, der rasch und flexibel manövrieren kann. Außerdem pflegen wir natürlich trotzdem namhafte Allianzen – zum Beispiel mit Ford.

NÖN: Was ärgert Sie als „Automann“ an der Politik?
Kerle: Dass viele Politiker so tun, als ob schon alle Probleme bei den Elektroautos gelöst wären. Ein Irrtum! Elektroautos sind erst sehr vereinzelt im Handel, sehr teuer, aber mit kleinen Reichweiten nur begrenzt praxistauglich. Und abgesehen davon schaut die Ökobilanz bei der Stromerzeugung durch den heutzutage hohen Anteil von Kohlekraftwerken gar nicht gut aus. Von emissionsfrei kann keine Rede sein …