Erstellt am 16. April 2015, 11:27

Viele Biker ohne vollwertige Schutzkleidung unterwegs. Von 2004 bis 2013 ist laut Statistik Austria die Zahl der Getöteten bei Pkw-Unfällen um 60 Prozent gesunken, bei motorisierten Zweiradfahrern aber nur um 28 Prozent.

Um Verbesserungspotenzial für Biker auszumachen, untersuchte der ÖAMTC 900 Unfälle genauer. Fazit: Drei Viertel der Fahrer und Mitfahrer trugen keine vollwertige Schutzkleidung.

Für die Analyse hat der ÖAMTC die eigene Unfallforschungsdatenbank herangezogen. Untersucht wurden Zwischenfälle, an denen motorisierte Zweiräder beteiligt waren und von denen Bilder von Unfallstelle, Unfallfahrzeug und Schutzausrüstung der Biker zur Verfügung standen. "Die Analyse zeigt, dass drei Viertel der Fahrer und Mitfahrer keine vollwertige Schutzbekleidung trugen außer dem gesetzlich vorgeschriebenen Helm", stellt ÖAMTC-Verkehrsexperte David Nose fest.

Nachholbedarf bei Infrastruktur

Schwächen zeigen sich auch bei der Infrastruktur: Die ÖAMTC-Unfallforschung analysierte Unfälle an potenziellen Gefahrenstellen, bei denen eine Leitschiene zum Schutz sinnvoll gewesen wäre. Bei 67 Prozent dieser Unfälle war eine einfache Leitschiene ohne Unterfahrschutz verbaut. In 15 Prozent war ein Unterfahrschutz vorhanden. Keines der Schutzsysteme wies eine Aufprallschutzvorrichtung auf. In 18 Prozent der Fälle gab es gar keine Schutzeinrichtung, obwohl Gefahr von Bewuchs oder Bebauung am Straßenrand ausging.

"Das Risiko, schwere bis tödliche Verletzungen zu erleiden, kann durch den Einsatz von Unterfahrschutzsystemen deutlich gesenkt werden. Durch die zusätzliche Installation von sogenannten Auffallsystemen ist eine weitere Senkung der Verletzungsschwere möglich", sagte Nose Investitionen.

Nur 17% mit Vollschutz ausgerüstet

Großes Verbesserungspotenzial ortete der ÖAMTC-Experte beim Fahrer selbst. Die Analyse zeigte nämlich, dass nur 17 Prozent der verunglückten Biker mit einem Vollschutz ausgerüstet waren, also mit Schutzhelm, -jacke, -hose (oder Schutzkombi), Handschuhen und Stiefel. Fünf Prozent trugen Helm, Motorradjacke und Handschuhe.

"Das heißt, dass drei Viertel aller Kraftradfahrer nur den gesetzlich vorgeschriebenen Helm getragen haben und sonst Alltagskleidung", erklärte der ÖAMTC-Verkehrsexperte. Dabei ist zu bedenken, dass die Schutzkleidung die einzige Möglichkeit der passiven Sicherheit für die Fahrer und Mitfahrer darstellt. Ohne Helm war nur ein Prozent unterwegs.