Erstellt am 16. März 2015, 09:55

von Alexander Seger

Porsche: Fahrspaß, kalt serviert. Winter ade: Während die Krokusse in Niederösterreich die Frühlingsluft wittern, lädt Porsche zum Winterkehraus nach Tirol – ins Pitztal.

Driften mit einem Porsche will gelernt sein. Und dann macht es verdammt viel Spaß!  |  NOEN, Porsche Austria
Vorbei sind die Zeiten, in denen man seinen Porsche in der beheizten Garage vor dem schlechten Wetter schützen musste. Lang ist es her, dass 911er-Piloten in rutschigen Kurven mehr Pirouetten gedreht haben als die Hauptdarstellerin bei Holiday on Ice.

Elektronischer Schutzengel greift ein

Der Elektronik sei’s gedankt! Das Porsche Stability Management (kurz: PSM) hat permanent ein wachsames Auge auf die Längs- und Querbeschleunigung, die Giermomente, die Lenkwinkel und die Raddrehzahlen. Weicht die errechnete Spur von der tatsächlichen Fahrlinie ab, greift der elektronische Schutzengel ein und hilft mit, den fahrdynamischen Grenzbereich tunlichst ohne Schrammen am Material zu verlassen.

Doch es gibt auch jene Tage, an denen sich ein Porsche weiter aus der Kurve lehnen darf. Dort, wo ausreichend Platz ist, kein Gegenverkehr auftaucht, weder Radfahrer noch Schulkinder zu berücksichtigen sind. Bei einem Winterfahrtraining auf Schnee und Eis in Tirol, unter der kundigen Anleitung eines Niederösterreichers, dem amtierenden Rallye-Staatsmeister bei den historischen Fahrzeugen: Kris Rosenberger.

Am Programm steht gezieltes Bremsen unter schwierigen Bedingungen. Wir üben das Ausweichen auf nahezu reibungsfreiem Untergrund. Und nicht zuletzt versucht uns Kris, das kontrollierte Driften auf speziell vorbereiteten Sektionen und Handlingstrecken näher zu bringen.

Alle Testwagen besitzen das Sport Chrono Paket

Auf das Material ausreden kann sich hier keiner. Alle Testwagen besitzen das Sport Chrono Paket, und damit auch einen speziellen Modus der Fahrsicherheitselektronik: Sport Plus. Das heißt: Das PSM greift später ein, lässt dem sportlich engagierten Fahrer mehr Freiheiten, gibt dem Wagen mehr Agilität, toleriert größere Driftwinkel.

Und ganz ausknipsen lässt es sich auch, bleibt aber dennoch in Lauerstellung: Bremst der Fahrer so stark, dass sich zumindest eines der Vorderräder im ABS-Regelbereich befindet, stellt sich PSM als Schutzengel sofort in Dienst.

Durch regelmäßigen Wechsel des Automobils lässt sich im wahrsten Sinn des Wortes erfahren, wie unterschiedlich die einzelnen Charaktere sind. Der Cayenne ist trotz seiner Masse keineswegs behäbig, aber dennoch durch das Gewicht gehandicapt. Gleiches gilt für den Macan. Man sitzt elegant eine Etage über den Sportlern, genießt eine vortreffliche Aussicht, doch wenn die Fuhre einmal rutscht, ist das Einfangen echte Arbeit.

911er geben sich viel leichtfüßiger

Gleiches gilt für den Cayman, der als Mittelmotor-Hecktriebler ungleich schneller mit dem Heck voran aus der Kurve rodelt als die winterfesten Allradler. Viel leichtfüßiger geben sich die 911er, vor allem der besonders fein abgestimmte Carrera 4 GTS. 430 PS auf perfekt präparierter Schneefahrbahn bedeuten Fahrspaß in Reinkultur.

Der Allradantrieb ist heckbetont ausgelegt, die Hinterachse tanzt folglich beim kleinsten Gasstoß aus der Reihe, während per Lenkrad die Fahrtrichtung vorgeschlagen wird. Der 911 Targa ist spürbar gemütlicher abgestimmt. Ohne Schwierigkeiten lässt der offene Zuffenhausener eine schneeweiße Feinstaubwolke hinter sich – oder neben sich.

Doch hüte man sich vor der Übertreibung: „Wenn du dich eindrehst, senkt sich der Schneestaub von oben ins Cockpit und findet schnell einen Weg unter den Hemdkragen, auf dass dein Mütchen gekühlt werde …“ Kris erklärt derweil über Funk, was beim nächsten Mal besser gemacht werden kann.