Erstellt am 14. Dezember 2015, 10:06

von Beatrix Keckeis-Hiller

Rezepte & Konzepte. Anhaltender Trend zur kleinen und zur mittleren Klasse, stark im Kommen sind Crossover- und Nischenmodelle.

Nach dem überaus erfolgreichen Start der Ducati-Submarke Scrambler 800 wird die Palette der zahlreichen Variationen erweitert: um die Einsteiger-Variante Sixty2, mit halbiertem Hubraum (399 Kubikzentimeter) und 41 PS.  |  NOEN, Ducati
Motorradmessen sind für Zweirad-Enthusiasten wie Weihnachten und Ostern zugleich. Traditionell wird die Vorfreude auf die kommende Saison in Mailand, auf der EICMA, besonders plakativ geschürt. Die Neuheitenvorschau stand heuer im Zeichen der ab 1. Jänner 2016 für Neufahrzeuge geltenden Euro-4-Abgasnorm – was sich in einer Reihe von technisch adaptierten Modellen zeigte. Beispiel: Die neu interpretierte Triumph Bonneville, die nun auch als 1.200er mit starkem Drehmoment auftrumpft.

Trend zu kleinen Hubraum- und Leistungsklassen 

Anhaltender Trend in der Motorradwelt ist die Konzentration auf kleine sowie mittlere Hubraum- und Leistungsklassen angesichts strenger(er) Führerschein-Reglementierungen und reduzierter Tempolimits. Ducati quittierte diese Tendenz bereits im vergangenen Jahr mit der Submarke Scrambler, die als erste Baureihe unter dem Regime von Audi die neue (VW-)Konzernmitgliedschaft markiert. Der Start mit vier Modellvariationen ist überaus erfolgreich verlaufen. In Österreich wirkte er sich für die italienische Edelmarke in einem 76-prozentigen Zuwachs aus.

Ducati Austria steigerte von 409 auf 721 Fahrzeuge im Zeitraum von Jänner bis Oktober. 225 Einheiten davon entfallen auf die Scrambler 800 (803 Kubikzentimeter, 75 PS). Die klassisch gestylte Baureihe wird für die kommende Saison weiter ausgebaut: mit einer weiteren Variation der 800er namens Flattrack Pro. Dazu kommt neu eine Einsteigervariante mit nahezu halbiertem Hubraum. Die Sixty2 holt aus dem verkleinerten V2 (399 Kubikzentimeter) 41 PS Leistung. Sie soll mit cooler Optik und easy Handling dafür sorgen, dass der sehr zögerlich nachrückende Zweiradnachwuchs wieder Lust auf das Motorradfahren bekommt.

Nicht nur Ducati setzt auf dieses Rezept zur Ankurbelung des Absatzes, wie es etwa der österreichische Hersteller KTM anhand der 125er-, 200er- und 390er-Dukes schon vor einiger Zeit umgesetzt hat. Auch BMW steigt jetzt ins Segment der Kleinen ein. Startsignal dafür ist das Konzept G 310 R, ein Einzylinder-Naked-Bike mit 313 Kubikzentimetern Hubraum und 34 PS Leistung. Der Start ist für kommendes Jahr geplant. 

Yamaha stellt sich neu auf

Bei aller Reduzierungs- und Entschleunigungsbewegung in der Welt des Motorrads – zumindest was das Fahren auf öffentlichen Straßen betrifft – fehlt es nicht an neuen starken Eisen. Die japanische Marke Yamaha zum Beispiel, die sich nach einer Durststrecke mit Modell- und Einfallsreichtum neu aufgestellt hat, präsentierte in der MT-Baureihe die MT-10 mit dem Motor der Supersportlerin R1. Ducati erweitert die Crossover-Familie Diavel – ebenfalls mit supersportlichem Antrieb – um eine X-Variante, die allerdings bei aller Hochleistung – 157 PS – zu genussvollem Langsam(er)fahren animieren soll.

Im Gegensatz dazu KTM: Die Mattighofner trimmten die wilde 1290 Super Duke auf Reise-Eisen, sprich auf Gran Turismo (GT). Mit ihren 173 PS soll sie auch auf der Rennstrecke wildern können. Das ist bei der wiedergeborenen Honda Africa Twin weniger das Thema, zumindest nicht auf Asphalt. Dafür hohe Reisetauglichkeit, auf Wunsch mit Doppelkupplungsgetriebe, und dem Talent, auch auf nicht befestigten Wegen gute Figur zu machen.

Stichwort Bella Figura: BMW besetzt mit der R NineT Scrambler die Nische des (Werks-)Customizings. Und Moto Guzzi stellte der Retro-Baureihe V7 die V9 zur Seite.