Erstellt am 26. November 2012, 08:42

Rütteln statt Piepsen. Cadillac | Angriff aufs Establishment: Mit dem neuen ATS fordert Cadillac Audi, BMW und Mercedes-Benz heraus. Mitte Dezember werden in Österreich die ersten Fahrzeuge ausgeliefert.

2013 Cadillac ATS  |  NOEN, Richard Prince (Cadillac)
Amerikanische Autos nannte man früher gerne Straßenkreuzer. Gemeint waren damit gemeinhin Cadillacs, die – in handverlesenen Einheiten – nicht nur mit ihren Heckflossen (der 1950er und 1960er), sondern alleine durch ihre Größe auffielen. Und in Europa sowieso Exotenstatus hatten. Den haben US-Cars nach wie vor. Doch fallen nicht alle mehr durch Opulenz und Imposanz auf. Wie der neue ATS, mit dem die Nobelschmiede in Europa auf Jagd gehen will. Und zwar in der gehobenen Mittelklasse vornehmlich deutscher Provenienz – konkret sind das Audi A4, 3er-BMW und Mercedes C-Klasse in ihren sportlichsten Ausformungen.

Dafür haben die Amerikaner ihre im aktuell typischen Cadillac-Stil gestylte – u. a. glatte, kantige Flächen, prominenter Frontgrill, steil stehende Rückleuchten, breites Bremslichtband am Heck – kompakte Limousine, sie misst 4,64 Meter, entsprechend ausgerüstet: mit einem 2,0-Liter-Turbobenziner, der 276 PS an die Hinterräder schickt (Verbrauch ab 8,2 Liter). Das tut er mittels manuellem Getriebe geschaltet subjektiv unmittelbarer als mit per Automatik sortierten Gängen (jeweils sechs Gänge). Und mit säuselndem statt knurrendem Sound. Es ist halt „nur“ ein Vierzylinder.

Dazu addierte Cadillac ein auf dem Nürburgring getestetes Fahrwerk, das ob seiner Kernigkeit die schaukelnde Charakteristik eingangs zitierter Straßenkreuzer in der Sekunde vergessen lässt. Es poltert nur manchmal und leise. Die elektrische Servolenkung könnte – von europäischem Referenzstandard aus betrachtet – etwas mehr Gefühl vertragen. Und die Brembo-Bremsware verlangt doch nach recht kräftigem Zutritt.

Nicht bloß optisch kommt – dieser – Cadillac im Vergleich zu früher weit dezenter daher als früher. Er zeigt auch in einem Punkt Zurückhaltung, mit dem andere bis über die Nervigkeitsgrenze operieren: mit den Warnsignalen. Während vor allem die japanische Fraktion bei elektronischen Assistenzsystemen auf eine Flut von Pieps-
tönen setzt, macht es der Amerikaner mit Rütteln. Sollte der ATS mit Spurverlassenswarner ausgerüstet sein, so vibriert es mehr oder weniger sanft an den Pobacken. Das tut es auch, wenn sich etwa ein Fußgänger vorwitzig von schräg hinten nähert – wenn der Totwinkel-assistent an Bord ist. Im übrigen liefert man das komplette
Programm an – teils optionaler – aktueller Sicherheitstechnik, von Stabilitätskontrolle bis Ausparkwarner bei Querverkehr.

Besonders stolz ist Cadillac auf das Infotainmentsystem CUE. Das kann einerseits wie ein iPad personalisiert werden, andererseits arbeitet es mit Gestik: Nähert sich die Hand dem Bildschirm, erscheint selbsttätig die Menüleiste.
Thema Diesel? In Europa eher ein Muss! In Aussicht gestellt ist deshalb ein 2,0-Liter-Selbstzünder (aus dem GM-Regal) mit 220 PS. Und auch ein V6-Benziner (mit rund 320 PS) wird die Motorisierungspalette ergänzen.

Neu: Cadillac ATS
Start & Preis. Ab sofort bestellbar, ab 43.600 € (serienmäßig: sechs Airbags, Stabilitätskontrolle, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Infotainment-System mit Acht-Zoll-Bildschirm, Einparkhilfe hinten).
Allradantrieb: ab 60.200 € (nur in Kombination mit Automatik und Premium-Ausstattung erhältlich).