Erstellt am 21. März 2017, 05:02

von Georg Sigloch

Heißer Spanier und kaltes Eis. Der neue Leon Cupra macht auf der Rennstrecke eine gute Figur, aber auch im Wintertest begeistert er. Respekt!

Einfach megacool! Das Fahren, das Driften auf Schnee und Eis macht mit dem Leon Cupra verdammt viel Spaß … Und als bis dato stärkster Seat (Höchst-  |  NOEN, geschwindigkeit 250 km/h) darf er ruhig ein bisschen extrovertiert sein – das ist er auch, selbst als Kombi.

Eines vorweg: Der neue Leon Cupra ist mit exakt 300 PS der bis dato leistungsstärkste Seat.

Wir haben den heißen Spa-nier in der Kombiversion (ST), mit Doppelkupplungsgetriebe und Allradantrieb (4Drive) im hohen Norden getestet – und zwar auf der finnischen Seenplatte, knapp nördlich des Polarkreises. Dort, wo der mehr-
fache Rallye-Weltmeister Juha Kankkunen seine Driving Academy (am Nissinjärvi-See) hat.

„Lass das Auto arbeiten …“Juha Kankkunen, mehrfacher Rallye-Weltmeister

Bei uns in Mitteleuropa kündigt sich schön langsam der Frühling an – anders im hohen Norden: Minusgrade, Schnee, Eis … Perfekte Voraussetzungen für einen Wintertest!

Auf geht’s! Die Quelle der Fahrsicherheit ist der mitdenkende Allradantrieb. „Dank Haldex-Kupplung wird die Antriebsmomentverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse höchst effizient gestaltet“, erklärt Sven Schawe, Direktor Gesamtfahrzeug- und Fahrwerksentwicklung von Seat. Die Haldex-Kupplung (mittlerweile die fünfte Generation) ist eine elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung, die vom schwedischen Automobilzulieferer Haldex entwickelt wurde. Sie wird seit 2011 von BorgWarner hergestellt und vertrieben. Aber zurück zum Wintertest, zum Leon Cupra ST 4Drive.

Damit die ganze Sache noch abgerundet wird, kommt auch eine elektronische Differenzialsperre zum Einsatz: Sie ist zuständig für die ideale Kraftverteilung zwischen kurvenäußeren und kurveninneren Rädern. Vorne, hinten, links, rechts – die Kraftverteilungen passieren automatisch und der Fahrer merkt nichts davon. Eine Vielzahl von Sensoren denkt mit und reagiert blitzschnell. Da wird der Eingriff der elektronischen Stabilitätskontrolle schon bald als Spaßbremse empfunden … und bei der nächsten Runde am Eisparcours (zweistufig) deaktiviert.

Jetzt kann der ambitionierte Fahrer seinen Drive im Pendel von Kurve zu Kurve choreografieren. Dabei erweist sich das geniale sechsstufige Doppelkupplungsgetriebe für den Nichtprofi (und das sind halt die meisten) als Entlastung für die am Lenkrad festgekrallten Hände (dafür: volle Konzentration auf den möglichst idealen Bremspunkt, den passenden Lenkwinkel und die richtige Dosierung des Gaspedals). Juha Kankkunen bewältigt übrigens den Kurs doppelt so schnell wie der Autor dieser Story – lässig, mit nur wenigen Fingern, die auch noch die Schaltpaddels am Lenkrad bedienen. Er betont dabei: „Lass das Auto arbeiten …“ Und meint, dass der Seat aus all den sich aus geringer Haftung ergebenden Problemen ein Kinderspiel macht.

Trotz Highend-Technik lässt sich die volle Gewalt des 2,0- Liter-Turbobenziners nicht aufs Eis drücken, jedoch erahnt man die Möglichkeit auf trockener (Asphalt-)Oberfläche (was der Streckenrekord auf der Nordschleife des Nürburgrings mit dem 280 PS starken Vorgängermodell untermauert). So nebenbei ist der Wagen auch noch voll alltagstauglich.