Erstellt am 27. Juni 2011, 00:00

Spaziergänger. VON THOMAS VOGELLEITNER

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VON THOMAS VOGELLEITNER

NÖN: Der VW Golf ist schon über drei Jahrzehnte lang das beliebteste Auto (Nieder-)Österreichs. Warum?
Hellmaier: Der Golf ist ein statusneutrales Auto. Jeder kann sich mit diesem Auto sehen lassen. Und der Golf ist immer der Golf geblieben. Er hat einen Trend gesetzt und einer ganzen Fahrzeugklasse seinen Namen gegeben. Das wirkt sich nicht nur auf die Bekanntheit des Golf aus, sondern auch auf die Wertstabilität. Der Golf hat in jeder Modellgeneration das Maß neu gesetzt. All das macht ihn stark!

NÖN: Nennen Sie uns drei Gründe, warum man ein Auto aus dem VW-Konzern (u. a. VW, Audi, Seat, Skoda, Lamborghini) kaufen sollte.
Hellmaier:  Erstens: Der VW-Konzern deckt mit seinem Angebot quer durch alle Marken alle nur denkbaren Wünsche ab. Zweitens: Die Qualität der Produkte und der Technikstandard sind enorm hoch. Drittens: Das weit gefächerte Vertriebs- und Servicenetz sichert beste Betreuung.

NÖN: Wie werden wir in 10, 20, 30 Jahren unterwegs sein? Mit Hybrid, Elektro, Wasserstoff? Oder gar zu Fuß?
Hellmaier: Zu Fuß können wir immer unterwegs sein! Die Frage ist nur, in welchem Radius wir uns dann bewegen. Ich bin kein Prophet, und wie die Technik sich entwickeln wird, lässt sich heute nur erahnen. Sicher ist, dass der Verbrennungsmotor noch sehr lange die bestimmende Motorisierung sein wird. Sicher ist auch, dass künftig auch die Elektrifizierung der Antriebe eine gewichtige Rolle spielen wird. Der Einsatz von Elektroautos wird sich dabei primär auf urbane Einsatzzonen konzentrieren.

NÖN: Laut EU sollen bis 2050 Verbrennungsmotoren europaweit aus den Innenstädten verbannt sein. Ist das realistisch?
Hellmaier: 2050 liegt so weit voraus. Das entzieht sich meiner Einschätzung.

NÖN: Wie schaut es mit Elektroautos bei den Marken des VW-Konzerns aus?
Hellmaier: VW hat hier einen ganz klaren Fahrplan bekannt gegeben. 2012 wird Audi mit dem R8 e-tron starten. Mit der neuen Kleinwagenserie Up! kommt das erste serienmäßige Elektroauto von VW 2013 auf dem Markt. Unmittelbar danach sollte auch der Golf in einer e-motion-Variante verfügbar sein. Hybride haben wir bereits beim VW Touareg und Porsche Cayenne, demnächst beim Audi Q5, A6, A8 sowie beim Porsche Panamera. Und Hybride wird es auch für den Golf und den Jetta geben.

NÖN: Ist die Sparsamkeit bei Benzin- und Dieselmotoren schon ausgereizt?
Hellmaier: Das Einsparungspotenzial bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren ist noch sehr hoch. VW beschäftigt sich schon seit zehn Jahren mit dem 1-Liter-Auto und hat mit dem jetzt vorgestellten VW-L1 einen technologischen Meilenstein gesetzt. Das Beispiel zeigt, dass es auch darum gehen wird, mit neuen Materialien die Gewichte zu reduzieren. Gelingt dies, dann kann auch ein sehr kleiner Motor ein Fahrzeug gut bewegen. Das größte Einsparungspotenzial steckt in Verkehrsfluss-Maßnahmen, es geht aber auch um Reifen und neue, bessere Treibstoffe. Da sind also viele gefordert!

NÖN: Was ärgert Sie als Automann an der Politik am meisten?
Hellmaier: Das kurze Gedächtnis. In der Finanzkrise wurde die Bedeutung der Autoindustrie für die gesamte Volkswirtschaft überdeutlich, da wurde richtig reagiert. Kaum ist die Krise im Abklingen, werden die Autosteuern wieder lustig erhöht.

NÖN: VW hat die Porsche Holding „übernommen“. Was bedeutet das für die Praxis?
Hellmaier: Wir arbeiten seit 1949 mit VW zusammen, da gibt es also keine Kulturunterschiede. Wir werden weiter wachsen und die Chancen in einem globalen Konzern nutzen.

NÖN: VW-Chef Winterkorn will laut einem Medienbericht gegen die konzerneigene Konkurrenz durch die Marke Skoda vorgehen. Die sei für einen VW schon zu gefährlich. Was meinen Sie dazu? Werden Skoda-Produkte in Zukunft eine schlechtere Qualität haben?
Hellmaier: Da hat offensichtlich jemand etwas völlig missverstanden. Das wäre ja absurd! Das Programm aller Konzernmarken ist gut aufeinander abgestimmt. Es gibt eine klare Differenzierung und einen hohen Qualitätsanspruch. Wie gut das funktioniert, kann man ja auf dem österreichischen Markt beobachten. Skoda bringt dem VW-Konzern sehr viele neue Kunden. Die Rolle von Skoda ist hier ganz eindeutig.