Erstellt am 11. November 2013, 12:11

Stimmung fürs Auto(fahren). Gemeinsame Sache | Die Automobilimporteure und die Autohändler haben eine neue Lobbyingplattform gegründet – Name: „Forum Mobilität.Freiheit.Umwelt“.

Burkhard Ernst (Fahrzeughandel, links) und Felix Clary (Automobilimporteure) wollen in der Plattform alle Interessengruppen rund um den Indivi-dualverkehr bündeln, man will die Verkehrspolitik aktiv mitgestalten. Es gehe aber auch um Aufklärung. Ein Beispiel: Bei den SUVs gehe der Spritverbrauch seit Jahren konstant zurück - und dennoch seien sie als »Dreckschleudern« verschrien.  |  NOEN, zVg, APA
Von Thomas Vogelleitner

„Autofahrer sollten nicht als die Buhmenschen der Nation hingestellt werden“, findet Burkhard Ernst, Obmann des Fahrzeughandels. Gemeinsam mit den Automobilimporteuren respektive deren Sprecher Felix Clary hat er eine neue Lobbyingplattform – „Forum Mobilität.Freiheit.Umwelt“ – gegründet, um bei der Politik und in der Öffentlichkeit Stimmung für die Anliegen der österreichischen Automobilwirtschaft zu machen.

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Bei der Präsentation des neuen Forums (ÖAMTC und ARBÖ könnten noch als „Mitkämpfer“ dazustoßen) wurden gleich die ersten drei Forderungen an die Politik präsentiert: 1) Vereinfachung der Normverbrauchs-
abgabe. Clary: „Die Normverbrauchsabgabe ist in der heutigen Form zu kompliziert und daher in der Abwicklung zu teuer. Zudem müssen die ökologischen Aspekte stärker berücksichtigt werden.“ Wobei er nicht unbedingt auf eine Senkung aus ist. 2) Vorsteuerabzug für alle betrieblich genutzten Fahrzeuge. Anreize in neue technische und/oder ökologische Standards zu investieren fehlen derzeit. Ernst fordert: „Auch kleinere Autos sollen in den Genuss kommen!“ 3) Anhebung der Luxustangente. Als Anschaffungskosten bei Pkw wird derzeit ein Betrag von maximal 40.000 € anerkannt – die sogenannte Luxustangente. Das neue Forum will 50.000 €.

Dass die österreichische Autobranche in der Krise ist, hören weder Ernst noch Clary gerne. Für 2013 rechnet man mit 315.000 bis 320.000 Neuzulassungen – Ernst: „Wenn in der Zulassungsstatistik ein 3er vorne steht, dann ist das hervorragend!“ Für 2014 erwartet Clary nicht weniger als 320.000. Die Autohändler dürften das nicht so rosig sehen, sie leiden zunehmend an der Konkurrenz aus dem Internet und dem Preisdruck, der ihnen teils von den Importeuren auferlegt wurde. „Die Rendite im Retail ist definitiv nicht zufriedenstellend“, so Ernst. Im Schnitt betrage die Umsatzrendite derzeit 0,7 Prozent – „zu viel zum Sterben, zu wenig zum Leben“. 1,5 bis 2,0 Prozent wären in der Branche das „unterste Limit“. Ein Massensterben von Autohäusern, wie der Berater PwC für Deutschland vorausgesagt hat, sieht Ernst aber nicht: „Da bin ich nicht so pessimistisch, aber es wird in Zukunft sicher nicht mehr Händler geben.“

Global betrachtet müssen sich die Autohersteller bzw. die Händler keine Sorgen machen. Laut dem neuesten Bericht des Ölkartells OPEC wird sich die weltweite Zahl der Autos in den kommenden Jahren verdoppeln – von ca. 900 Millionen auf ca. 1,9 Millionen. Getrieben wird dieses Wachstum vor allem von den Schwellenländern. In China werden beispielsweise 2035
etwa 320 von 1.000 Menschen einen Pkw besitzen, vor drei Jahren waren es nur 43. In Österreich hatten 2010 von 1.000 Einwohnern 529 ein Auto.

Leitbranche Automobilwirtschaft
Im Rahmen der Präsentation des „Forum Mobilität.Freiheit.Umwelt“ präsentierte Industriellen-Chefökonom Christian Helmenstein
eine Economica-Studie zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der Automobilwirtschaft:

• Der automotive Sektor in
Österreich umfasst 450.000 Personen, die direkt oder indirekt in der Automobilwirtschaft beschäftigt sind. Somit hängt jeder neunte Arbeitsplatz vom Automobil ab! Die Exportquote der österreichischen Fahrzeugindustrie liegt bei rund 90 Prozent. Die Umsatzerlöse aus Produktion, Handel und Reparatur betragen rund 43 Milliarden € pro Jahr.
• Österreichs Automobilwirtschaft ist bei der Erfinderdichte im Spitzenfeld: Mit 0,19 Erfindern pro 1.000 Einwohner liegt man hinter Deutschland (0,26) und vor Frankreich (0,13). Europa-Durchschnitt: 0,09. Jährlich werden ca. 200 Patente angemeldet – die drei Top-Erfinder-Unternehmen heißen:
AVL List, Magna und Bosch. Bei innovativen Produkten (Hybrid-und Elektroantrieb) konnte ab 2009 eine erhöhte Patentanmeldeaktivität festgestellt werden.
• Helmenstein weist auch auf den Steuerbeitrag des Autoverkehrs hin. Dieser liege bei 15 Milliarden e pro Jahr (ohne Körperschaftssteuer) – allein die Mineralölsteuer bringe 4,2 Milliarden €.