Erstellt am 30. April 2012, 00:00

und Profit. Diplomaten, Drängler und Windstärken.

»Ich bin ein genetisch bedingter Optimist. Und ich sage immer allen: Seid wenigstens Zweckoptimisten!«: Gerhard Pils, 54. Der Steyrer spricht sechs Sprachen (darunter Indonesisch), ist Doktor der Sozialwissenschaften und seit Februar 2005 Geschäftsführer von BMW Austria.  |  NOEN
VON MICHAELA FLECK

NÖN: Seit sieben Jahren leiten Sie die Geschäfte von BMW Austria. Wie geht’s den Münchnern in Österreich? Und wie geht’s den Bayern in Europa?

Pils: Es geht uns gut! Wir haben unser Volumen in den letzten sieben Jahren um 50 Prozent gesteigert. Und bei der Kundenzufriedenheit sind wir international an der Spitze. Die BMW Group spielt ja in Österreich eine besonders wichtige Rolle. Das größte Motorenwerk des Konzerns befindet sich in Österreich. Und der Mini kommt, neben England, auch aus Österreich. Darauf sind wir schon stolz!

NÖN: Wieso war 2011 für Österreichs Automarkt schon wieder ein Rekordjahr – Finanzkrise und Sparpaket zum Trotz?

Pils: 2010 war ein Rekordjahr, 2011 wieder, und heuer wird’s nicht schlechter werden!

NÖN: Was die Listenpreise betrifft, spielt BMW ja eher in der Oberliga. Trotzdem (oder gerade deswegen?) gelten die Bayern für viele noch immer als ‚Traumautos‘. Woran liegt’s Ihrer Meinung nach? Und was halten Sie von den Rabattschlachten bei vielen anderen?

Pils: Die Aktionen etc. betreffen alle. Aber die Preise sind im Verhältnis zur Kaufkraft eher stehen geblieben. Es gibt tatsächlich heute sehr günstige Autos. BMW ist ein Premiumprodukt, das ist auch unsere Strategie. Dafür wird aber auch einiges geboten. Da geht es natürlich um die Freude am Fahren – und da bin ich noch gar nicht bei den Attraktionen! Sie können heute einen 1er-BMW schon um 100 Euro leasen.

NÖN: Gespart wird trotzdem – nämlich beim Sprit. Das nennt sich bei BMW „EfficientDynamics“. Und ist schon längst das Zauberwort für mehr Leistung und weniger Verbrauch. Geht da noch mehr?

Pils: Wir sind mit gewissen Modellen schon unter vier Litern beim Verbrauch. Aber bei den Verbrennungsmotoren sind wir noch nicht am Ende der Fahnenstange!

NÖN: In Sachen Strom hängen andere schon serienmäßig an der Steckdose. Bei BMW hat man in Sachen (reiner) Elektroautos bis jetzt erst ein paar Studien gesehen. Mögen die Münchner keinen Strom?

Pils: Wir stecken nicht einfach einen E-Motor in ein bestehendes Auto. Unser Ansatz ist gesamthaft. Wir verwenden Materialien, die noch keiner verwendet hat. Wir wollen 2013 in Leipzig die nachhaltigste Fabrik eröffnen, wir werden 2013 unser elektrobetriebenes Megacity-Vehicle herausbringen und kurz darauf einen wunderschönen und hocheffizienten Supersportler – mit E-Motor und einem Dreizylinder-Benziner.

NÖN: Und wann kommt der erste Diesel-Hybrid (der bei Kooperationspartner Peugeot ja schon läuft)?

Pils: Der Diesel-Hybrid braucht noch immer mehr als unser BMW 320d. Dafür wird der neue Dreizylinder-Diesel bald gebaut – in unserem Motorenwerk in Steyr.

NÖN: Wie schaut aus Ihrer Sicht die automobile Zukunft aus? Werden wir in 20 Jahren nur mehr mit Strom, mit Gas, mit Wasserstoff unterwegs sein? Oder fahren wir dann nur mehr mit dem (E-)Bike?

Pils: Die Elektrifizierung ist noch nicht das Ende. Ich bin überzeugt, dass das Thema Wasserstoff wieder kommt. E-Bikes begeistern mich persönlich nicht. Wenn ich mit dem Rad fahre, will ich mich auch selbst anstrengen!

NÖN: Zurück zur BMW-Familie. Fehlt Ihnen dort einer im Programm? Ein großer Van? Ein kleiner Allradler? Ein sportlicher Fronttriebler? Und wann kommt der X4?

Pils: Alles, was mir fehlt, das kommt! Auch der X4 – aber nicht mehr heuer …

NÖN: Nicht nur unter den Spitzensportlern haben die Münchner die Nase vorn. Auch bei den Nischenmodellen. Hat Sie der Erfolg des X6 nicht auch überrascht?

Pils: Der X6 ist ein Nischenfahrzeug – und verkauft sich prächtig. Das hat mich persönlich sehr positiv überrascht.

NÖN: Wenn man sich Ihren Lebenslauf so ansieht, so klingt der eher nach Diplomatischem Corps als nach Autobranche. Braucht man sechs Sprachen am Automarkt? Und nützt ein Doktortitel im Management?

Pils: Ich wollte tatsächlich ganz früher mal Diplomat werden! Ein gutes Maß an Ausbildung ist gut für jede Führungskraft. Aber ich kenne viele, die besser Klavier spielen können. Das kann ich nicht! Automobildoktor bin ich keiner. Ich sehe den Menschen im Vordergrund. Wenn man ein Produkt versteht, ist das schon gut. Und diese Leidenschaft, die muss auch da sein!

NÖN: Was ärgert Sie als Autofahrer auf Österreichs Straßen am meisten? Und was ärgert Sie an Österreichs Verkehrspolitik am meisten?

Pils: Was mich am meisten ärgert, ist, wenn gedrängelt wird. Ich würde nie jemand in den Kofferraum fahren. Das finde ich ungezogen! Was ich nicht ganz verstehe, ist die Förderpolitik. Da gibt es in Vorarlberg die meisten Elektroautos ganz Österreichs – nur, weil es dafür die höchste Förderung gibt …

NÖN: Sie fahren ja nicht nur Auto, sondern auch Motorrad. Und: Sie segeln Hochsee-Regatten. Was wünscht sich ein Skipper für die nächsten fünf Jahre? Ein schnelles Boot? Ruhige See? Rückenwind?

Pils: Wer Sportarten wählt, in denen es auch Wettkämpfe gibt, der sucht die Herausforderung. Ich wünsche mir, dass ich die Kraft habe, die Herausforderungen zu Land und zu Wasser zu bewältigen! Es wünscht sich ja keiner einen Sturm. Wir haben immer gesagt, wir haben jetzt mehr Wind. Aber wir sind gut aufgestellt!