Erstellt am 21. Oktober 2013, 09:43

Wenn Adel verpflichtet. Bentley | Ohne „Continental“, dafür mit höherer Leistung (in nur 4,6 Sekunden auf Tempo 100) und Opulenz gleitet der Flying Spur in die neue Modellgeneration.

 |  NOEN, Charlie Magee
Von Beatrix Keckeis-Hiller

In der automobilen Luxusklasse stellt sich oft die Frage: Selbst fahren oder sich chauffieren lassen? Im Falle des Bentley Flying Spur fällt die Entscheidung wohl häufiger auf die erstgenannte Variante. Nach seiner Modellpflege – nach achtjähriger Bauzeit – umso mehr. Denn der britische Nobelhersteller, der seit 1998 unter der Schirmherrschaft des VW-Konzerns edle und opulent ausgestattete Karossen herstellt, hat dem „fliegenden Sporn“ höhere Sportlichkeit gegönnt. Die äußert sich in noch mehr Schmalz: Der doppelturboaufgeladene 6,0-
Liter-W12 leistet nun 625 PS bei 6.000 Umdrehungen pro Minute (bisher 560 PS) – bei einem mehr als satten Maximaldrehmoment: 800 Newtonmeter ab 2.000 Touren. Garniert ist das mit einer achtgängigen Automatik (von ZF) – die Gangwechsel erledigt das Getriebe kaum wahrnehmbar und innerhalb von nur 200 Millisekunden.

Dass man die Typenbezeichnung um das „Continental“ reduziert hat, fällt beim 5,3 Meter langen Briten überhaupt nicht ins Gewicht. Die geglättete und dynamisierte Karosserie hingegen tut das um rund 50 Kilogramm weniger – Motorhaube und Kotflügel sind nun aus Aluminium, der Kofferraumdeckel aus Kunststoff. Bleiben der laut Werksangabe in 600 Einzelbauteilen modifizierten Luxus-
Limousine immer noch ab 2.475 Kilogramm. Dennoch erledigt der Flying Spur den Sprint auf Tempo 100 in 4,6 Sekunden – mit geradezu stoischer Gelassenheit, fast nebenbei. Ob er das bis zur 322-km/h-Topspeed-Marke beibehält, das haben wir mit dem permanent Allradgetriebenen (heckbetont, 60 Prozent gehen nach hinten) vorsichtshalber nicht ausprobiert. Hingegen seine Agilität, konkret auf den engen Sträßchen rund um den Jauerling. Die meistert der Engländer mit Würde, auch wenn er bei schnellen Richtungswechseln sein Gewicht nicht verleugnen kann und die Bremsen nach mehrmalig forciertem Anbremsen leichte Ermüdungstendenz zeigen.

Davon bekommen Passagiere nur am Rande etwas mit. Vor allem wer im Fond Platz nimmt, gastiert abgekoppelt von der Umwelt, noch besser geräuschgedämmt als bisher, umhüllt von feinstem, handvernähtem Leder, edlen Hölzern und optional ausgestattet mit allem, was der aktuelle Stand der Infotainmentsysteme bietet, von Musik- bis Filmgenuss. Mit schier unendlicher Beinfreiheit. Die ist dem langen Radstand – 3,07 Meter – zuzuschreiben. Dem Kofferabteil verbleibt dabei ein Volumen von eher mageren 475 Litern, allerdings muss man den Deckel zum Öffnen und Schließen nicht selbst in die Hand nehmen, das erledigt nobel die Elektrik auf Knopfdruck.

Der Noblesse weiter verpflichtet sich Bentley für den Flying Spur nach gewohnter Manier mit einer schier unendlichen Vielfalt an Individualisierungsoptionen – mit rund 100 Lackfarben, 17 Ledervarianten und sieben Holzfurnierversionen. Am aktuellen Stand der Fahr-
assistenzelektronik jedoch orientiert man sich kaum, abgesehen von Stabilitäts- sowie Traktionskontrolle, nicht zu vergessen die vierstufig justierbare Luftfederung. Was alles im VW-Konzernregal verfügbar wäre, wird wohl in die nächste Generation des edlen Briten-Abkömmlings einfließen …

Neu: Bentley Flying Spur
Start & Preis. Ab sofort bestellbar – Lieferzeit etwa acht Monate. Ab 243.880 €. Serienmäßig: sieben
Airbags, ESP, Allradantrieb, Luftfe-derung, Reifendruckkontrolle, Infotainment-System, Bluetooth, HiFi-
Anlage, Navigationssystem, Ledermöblierung mit Heizung/Belüftung, Mehrzonen-Klimaautomatik, schlüsselloser Zugang & Start, Bi-Xenonscheinwerfer, LED-Tagfahrlicht, E-Kofferraumklappe, Parksensoren, 19-Zoll-Aluräder, E-Sonnenrollos …

Der Name „Flying Spur“ leitet sich vom Familienwappen des Kutschen- und Karosseriebauers H. J. Mulliner ab, der die ersten Rolls-Royce- und Bentley-Modelle karossierte und 1959 aufgekauft wurde.

Das Luxussegment umfasst in Österreich ca. 700 bis 750 Autos pro Jahr. Bentley kam im Vorjahr auf 50 – und strebt für heuer 100 an (von denen ca. 60 in Österreich zugelassen werden). 2016 wird Bentley einen weiteren Meilenstein in der Firmengeschichte schreiben: Da wird das erste SUV auf den Markt kommen.