Erstellt am 09. Dezember 2014, 14:51

Zahl der Verkehrstoten weiterhin rückläufig. Die Zahl der Verkehrstoten ist in Österreich weiterhin rückläufig. 2013 starben mit 455 Menschen erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen weniger als 500 Verkehrsteilnehmer auf heimischen Straßen, heuer wird es laut einer Prognose des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) 430 Getötete geben.

2012 war die Zahl der Todesopfer im Straßenverkehr bei 531 gelegen. Geringer fällt der Rückgang bei Unfällen mit Personenschaden aus. Laut der Prognose werden es heuer rund 35.000 Unfälle sein, im Vorjahr waren es noch 38.500. "Geringer ist auch der Rückgang bei Schwerverletzten, hier wird das im Verkehrssicherheitsprogramm genannte Ziel verfehlt", sagte Othmar Thann, Direktor des KFV. Laut der Voraussage werden im heurigen Jahr mehr als 6.800 Personen bei Unfällen im Straßenverkehr schwer verletzt. 2013 gab es noch mehr als 7.300 Schwerverletzte.

Alkohol in jedem sechsten Todesfall Ursache

Laut einem EU-Vergleich ist der Tod jedes sechsten Verkehrsteilnehmers auf Alkoholkonsum zurückzuführen. Österreich liegt im Vergleich im Mittelfeld - auf Rang 13 der EU, informierte die Allianz-Versicherung. Italien weist mit 2,7 Prozent die niedrigste Alkohol-Todesfallrate bei Verkehrsopfern auf. Die Niederlande und Dänemark folgen mit jeweils 4,5 Prozent auf dem zweiten Platz. Österreich befindet sich mit 13,2 Prozent auf Position 13 und liegt damit noch unter dem EU-Schnitt von 16,6 Prozent.

Das Österreichische Verkehrssicherheitsprogramm 2011-2020 sieht eine kontinuierliche Reduktion der Zahl der Verkehrstoten vor - bis auf maximal 311 Menschen im Jahr 2020. Die Zahl der Schwerverletzten soll auf unter 4.000 sinken. Um dieses Ziel zu erreichen, seien zahlreiche Maßnahmen erforderlich. Doch bis diese auch umgesetzt werden, dauere es hierzulande oftmals sehr lange, meinte Thann.

Viel Sicherheits-Potenzial im Radverkehr und auf Gehwegen

Ein besonderes Augenmerk müsse man etwa auf die ungeschützten Verkehrsteilnehmer legen. "Hier ist infrastrukturmäßig zwar schon vieles getan worden, aber auch noch viel Potenzial vorhanden", sagte Thann. So sei beispielsweise eine Entflechtung von Radverkehr und Gehwegen erforderlich, insbesondere an neuralgischen Stellen wie Querungen.

Auch brauche es eine bessere Handhabe gegen Gurtenmuffel. Aktuell liegt die Anlegequote in Österreich bei 94 Prozent. 98 Prozent würden 60 Verkehrstote weniger pro Jahr bedeuten, sagte Thann. Eine der Hauptunfallursachen ist überhöhte Geschwindigkeit. Der KFV-Direktor spricht sich für die Abschaffung der behördlichen Toleranzgrenzen bei Geschwindigkeitsübertretungen aus, die je nach Bundesland verschieden sind.

Motorradunfälle weiterhin zahlreich

Weiterhin hoch ist die Zahl der Motorradunfälle. Diese Rate ergibt sich besonders durch sogenannte Spätstarter, Motorradfahrer über 39 Jahren, die den A-Führerschein erst in diesem Alter absolvieren. Zwar sind nur ein Prozent aller Motorradfahrer Spätstarter, jedoch 23 Prozent der Verunglückten.

Hier brauche es eine moderne und für diese Zielgruppe maßgeschneidertes Ausbildungsmodell, etwa ein Konzept mit Buddys - "alten Hasen, die mir zeigen, was ich nicht tun soll. So kann man aus Fehlern lernen", erklärte Thann. Man müsse "weg von der Theorie und hin zur Praxis".

"Aktuelle technische Maßnahmen nützen"

Um die Zahl der Verkehrstoten zu senken, müssen auch aktuelle technische Maßnahmen genützt werden, sagte der KFV-Direktor. So setzen sich jährlich rund 4.000 Lenker, denen der Führerschein wegen Alkohol am Steuer entzogen wurde, auch ohne Schein wieder betrunken ans Steuer. Eine Lösung des Problems wäre die Einführung eines Bewährungsmodells mit Alkohol-Wegfahrsperren.

Der Vorschlag des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV), behördliche Toleranzgrenzen bei Geschwindigkeitsübertretungen im Straßenverkehr abzuschaffen, ist am Dienstag auf Zustimmung sowie Kritik gestoßen. Während der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) diese Forderung unterstützt, geht sie für den ÖAMTC "am Thema vorbei".

Die technische Messtoleranz soll laut Vorschlag des KFV beibehalten werden, jedoch die behördlichen, die je nach Bundesland unterschiedlich sind, abgeschafft werden. Ein paar km/h Unterschied machen beim Anhalteweg große Unterschiede, so der VCÖ. Während das Auto bei 50 km/h nach 26 Metern steht, hat das Fahrzeug mit 60 km/h nach 26 Metern noch eine Geschwindigkeit von 37 km/h, so der VCÖ. "Wird ein Fußgänger mit 37 km/h angefahren, führt das in der Regel zu schwersten, wenn nicht sogar tödlichen Verletzungen", verdeutlichte VCÖ-Expertin Bettina Urbanek.