Erstellt am 23. April 2013, 08:00

200 Autodiebstähle geklärt. Der Polizei ist ein spektakulärer Schlag gegen die Autokriminalität gelungen.

Ermittler des Landeskriminalamtes Wien haben gemeinsam mit dem Landeskriminalamt Burgenland und polnischen Kollegen insgesamt 200 Autodiebstähle mit einer Schadenssumme von drei Millionen Euro geklärt. Die Aktion lief unter dem Namen "Operation Schokoladentafel". Drei Männer wurden in Wien festgenommen, drei weitere in Polen.

Vor rund einem Jahr begann in Wien die Diebstahlserie von Autos der Marken Toyota und Honda, sagte Georg Rabensteiner, Leiter des Landeskriminalamtes Außenstelle West bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Die polnische Polizei ermittelte parallel dazu gegen eine Hehlergruppe, die Fahrzeuge zerlegte und weiterverkaufte, die offenbar ursprünglich aus Österreich stammten.

Der Modus Operandi der Täter: Sie fuhren mit dem Zug nach Wien, stahlen dort vorwiegend in den Außenbezirken die Autos, versteckten sie meist in Sackgassen und veränderten sie wenige Tage später, so dass aus österreichischen Wagen polnische wurden, inklusive Kennzeichen, Zulassungsscheinen und Plaketten. Ihr Umrüstungs-Package mit diesen Utensilien bezeichneten sie als Schokoladetafeln, sagte Ermittler Friedrich Bahmer. Daher leitet sich auch der Name für die Operation ab. In Polen wurde sie gleichlautend "sczekolada" genannt.

Schließlich informierten die polnischen Beamten die heimische Kollegen darüber, dass die Gruppe Mitte April wieder nach Wien kommen werde, um dort gestohlene Kfz außer Landes zu bringen. Es folgten "diverse Überwachungsmaßnahmen in Wien", bei denen sich Beamte "sehr viele Nächte um die Ohren geschlagen" haben, so Rabensteiner. Am 19. April gegen 6.00 Uhr war es schließlich so weit: Für drei Männer klickten in der Bundeshauptstadt die Handschellen - für den 38 Jahre alten Haupttäter, einen 27 Jahre alten Mittäter und einen 28-Jährigen Übersteller der Autos.

Der 28-Jährige wurde in der Hosnedlgasse in der Donaustadt festgenommen, als er in einem bereits umgerüsteten Honda Civic Richtung Polen aufbrach. Für die beiden Komplizen klickten schließlich in der Shuttleworthstraße in Floridsdorf die Handschellen. Ein weiterer Übersteller, ein 30 Jahre alter Mann, wurde in einem gestohlenen Toyota Yaris in Polen festgenommen. Parallel dazu stürmten in Polen Beamte der Polizei Wolomin drei Lagerhallen und nahmen zwei weitere Verdächtige fest. Alle sechs Männer sind polnische Staatsbürger, sagte Andreas Kummer von der SOKO Kfz des Landeskriminalamtes Burgenland.

"Spezialisiert" waren die Diebe auf Autos der Baujahre 2005 bis 2009, da sie hier die Technik beherrschten, um die "verschiedenen Wegfahrsperren zu überwinden", sagte Bahmer. Sie waren sehr gut ausgerüstet, "es ist nicht einfach, ein Auto von der Straße zu stehlen", sagte Kummer. So bauten die Männer beispielsweise eigene Steuergeräte ein, um die Wagen fahren zu können.

Bei der Durchsuchung der Lagerhallen in Polen wurden gestohlene Autos sichergestellt, "einige leider nur in Einzelteilen", sagte Bahmer. Diese wurden laut dem Ermittler auf polnischen Internetplattformen verkauft.

In Wien hatten die Diebe eine Wohnung in der Hasengasse in Favoriten gemietet. Dort bewahrten sie ihre Utensilien für die Diebstähle auf, aber auch andere Gegenstände aus den gestohlenen Autos wie "Kinder-DVDs und Flossen", sagte Rabensteiner.

Laut den Ermittlern hat die Gruppe bis zu zehn Autos pro Woche gestohlen und überstellt. Sie sind laut Bahmer größtenteils geständig, rund 80 Diebstähle haben sie bereits zugegeben. Aufgrund der sichergestellten Einzelteile, Dokumente und Werkzeuge rechnen die Beamten ihnen rund 200 Diebstähle zu. Die Kriminalisten gehen davon aus, dass die Autodiebstähle in Wien nun zurückgehen werden. Die Verdächtigen hätten den "Fehler gemacht, sich in den Westen zu verirren" und sich die SOKO Kfz "zu Feinden gemacht", sagte Rabensteiner zum Ermittlungserfolg.