Erstellt am 13. September 2015, 07:40

von APA/Red

500 Flüchtlinge aktuell in Nickelsdorf erwartet. An der österreichisch-ungarischen Grenze in Nickelsdorf werden aktuell 400 bis 500 Flüchtlinge erwartet, die die Grenze zu Fußüberqueren werden, nachdem sie zuvor mit dem Zug in Ungarn angekommen waren.

 |  NOEN, APA (dpa)

Das teilte die Polizei Burgenland am Sonntag in der Früh mit. Seit Mitternacht waren keine Flüchtlinge mehr in Nickelsdorf eingetroffen. Die Nacht war ruhig verlaufen. Um 06:00 Uhr hielten sich 30 bis 40 Flüchtlinge in Nickelsdorf auf, so die Polizei. Die Polizei schätzt, dass tagsüber ähnlich viele Flüchtlinge wie in den Vortagen in Nickelsdorf ankommen werden.

Am Samstag waren an der österreichisch-ungarischen Grenze mehr Flüchtlinge angekommen, als erwartet. Seit Mitternacht hätten rund 6.600 Menschen die Grenze überquert, sagte Polizeisprecher Helmut Marban am Samstagabend. Rund 5.000 Menschen seien bereits mit vier Sonderzügen und zahlreichen Bussen weggebracht worden; die Transporte wurden auch am Samstagabend fortgesetzt. In Nickelsdorf habe man eine Kapazität für 3.000 bis 4.000 Menschen. Seitens der Polizei Burgenland hieß es weiter, dass das Problem des Rückstaus - zwischendurch hatten Quartiere gefehlt - mittlerweile im Griff sei.

Privater Autokonvoi von Györ nach Wien

Bereits zum dritten Mal kam unterdessen ein privater Autokonvoi zur Fluchthilfe in Wien an: Rund 50 Privatfahrzeuge aus Österreich, Deutschland und Ungarn haben etwa 185 Flüchtlinge vom Bahnhof Györ in Ungarn nach Wien gebracht, wie ein Initiator der Organisation in der Nacht auf Sonntag mitteilte.

Die Flüchtlinge würden in Wien am Westbahnhof, Hauptbahnhof, der Pfarre Penzing und einem Pfadfinderheim im 15. Bezirk untergebracht. Bereits am vergangenen Sonntag und Freitag hatte der Privatkonvoi Flüchtlinge aus Ungarn nach Wien gebracht. Die meisten Flüchtlinge stammten aus Syrien, Afghanistan und Irak und würden vorwiegend nach Deutschland und Schweden wollen. Mit der Polizei habe es laut dem Initiator keine Probleme gegeben.

Flüchtlingshelfer entkriminalisieren

"Wir wollen erreichen, dass Dublin III begraben wird, dass Flüchtlinge freies Geleit bekommen, dass die Flüchtlingshelfer entkriminalisiert werden und ihre Arbeit anerkannt wird", so der Initiator. Auch eine sichere Fährverbindung für Flüchtlinge wird gefordert. "Taxifahrer verlangen rund 500 Euro für eine Fahrt von Ungarn nach Wien. Die Flüchtlinge schlafen im Auto sofort ein und wir können ein kleines Stück Sicherheit geben."

Das Rote Kreuz möchte unterdessen rasch wissen, wo auf Basis des neuen Durchgriffsrechts Asylunterkünfte entstehen werden. Werde man mit der Betreuung von Großquartieren beauftragt, müsse man ja möglichst bald mit der Personalplanung beginnen, sagte Generaldirektor Werner Kerschbaum. Immerhin gebe es bereits einen Entwurf für eine Rahmenvereinbarung mit dem Bund, sieht er aber die Dinge im Werden.

Rotes Kreuz will rechtzeitig miteinbezogen werden

Ab Oktober soll es dem Bund möglich sein, eigenständig Unterkünfte für Asylwerber zu errichten. Aber "sie müssen doch jetzt schon wissen, wo werden diese Quartiere stehen", so Kerschbaum. "Da wünsche ich mir, dass man schon frühzeitig die Organisationen einbezieht." Das Rote Kreuz stehe bereit, müsse aber auch rechtzeitig Personal aufnehmen. "Das kann ich nicht machen, wenn ich am 5. Oktober erfahre, dass am 10. Oktober Großquartiere zu betreuen sind." Zudem brauche es auch eine Basis, "zu welchen Konditionen" man diese Arbeit verrichte, weswegen die Rahmenvereinbarung geplant ist.

Die Resultate der Regierungsklausur zum Asyl-Thema am Freitag betrachtet Kerschbaum mit gemischten Gefühlen. Er sei "zufrieden", dass die Regierung die Schaffung winterfester Unterkünfte zur Priorität erkläre, "denn darum geht es jetzt". Allerdings seien nicht einmal die 6.500 Plätze vom bisher letzten Gipfel im Sommer erfüllt worden, gibt er zu bedenken.

Kerschbaum aber hat doch das "Gefühl, dass sich Österreich in der letzten Woche verändert hat". Man stehe vor grundlegenden Umwälzungen. "Österreich und Europa werden anders ausschauen. Und es wird nicht schlechter sein", ist er sich sicher.