Erstellt am 28. August 2015, 08:27

71 tote Frauen und Männer aus Lkw geborgen. Das am Donnerstag in Österreich bekannt gewordene Flüchtlingsdrama hat noch mehr Opfer gefordert, als ursprünglich befürchtet. Die Bergung erfolgt in Nickelsdorf - die BVZ ist vor Ort und berichtet laufend über aktuelle Entwicklungen.

 |  NOEN, ROLAND SCHLAGER (APA)

In der Nacht auf Freitag wurden 71 Tote - darunter auch vier Kinder - aus dem auf der Ostautobahn (A4) im Burgenland abgestellt gewesenen Lkw geborgen. Das sagte Innenministeriumssprecher Alexander Marakovits auf Anfrage.

Bis zu 20 Ermittler im Dauereinsatz

In Nickelsdorf (Bezirk Neusiedl am See), wohin der Lkw mit den Opfern des Flüchtlingsdramas gebracht worden war, standen in der Nacht "sicher bis zu 20" Ermittler der Kriminalpolizei im Einsatz, sagte Polizei-Sprecher Helmut Marban. Ob sich auch Kinder unter den Flüchtlingen befinden, wollte man vorerst nicht bestätigen.

Für die BVZ vor Ort ist Paul Haider: "Von außen her ist außer einem absolut furchtbaren Geruch, der in der Luft liegt, nichts erkennbar." Zwei LKW haben die Halle zwischenzeitlich verlassen. Laut Haider dürften darin Leichen abtransportiert worden sein.

Weitere Zunahme bei der Ankunft von Flüchtlingen wird erwartet

Zusätzlich zu den Ermittlungen nach der Flüchtlingskatastrophe ist die Polizei im Burgenland weiterhin mit der aktuellen Lage beschäftigt. Landespolizeikommandant Hans Peter Doskozil hatte bereits Donnerstag erklärt, dass man für die kommenden Tage und die nächste Woche einer weitere Zunahme bei der Ankunft von Flüchtlingen erwarte.

Heute, Freitagvormittag, soll dazu eine Besprechung in der LandespolizeidirektionBurgenland stattfinden, so Marban. Dabei soll auch festgelegt werden, welche Verstärkungen erforderlich seien, um für die Herausforderungen der nächsten Tage gewappnet zu sein. Die Polizei im Burgenland soll durch Kollegen aus Kärnten und der Steiermark unterstützt werden.

Mikl-Leitner: Mehr Solidarität in EU

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hat einmal mehr größere Solidarität innerhalb der Europäischen Union in der Flüchtlingsfrage gefordert. Um zu einer gemeinsamen Lösung und gerechteren Verteilung von Asylwerbern zu kommen, könne sie sich auch vorstellen, beispielsweise EU-Förderungen daran zu koppeln, "wie man sich solidarisch erklärt", so Mikl-Leitner im Ö1-Morgenjournal am Freitag.

Es gebe verschiedene Ansätze, die man andenken sollte, "damit solidarische Verantwortung" übernommen werde. Man müsse klarmachen, dass man sich in einer Gemeinschaft nicht "Rosinen herauspicken" kann, sondern in einer Krisensituation auch Verantwortung übernehmen müsse, so die Ministerin.

Mikl-Leitner erneuerte zudem ihre Forderung nach UNHCR-Anlaufstellen in den Krisenregionen und an den europäischen Außengrenzen, "damit Menschen auf legalem Weg nach Europa gebracht werden können". Das Flüchtlingsdrama auf der Ostautobahn (A4) im Burgenland sei jedenfalls ein Aufruf zum raschen Handeln. "Wir brauchen Tempo, Tempo, Tempo."