Erstellt am 21. August 2011, 15:26

Alfred Ströer 90-jährig gestorben. Der SPÖ-Politiker und Freiheitskämpfer Alfred Ströer (90) ist gestorben. Die SPÖ-Bundesgeschäftsführer Laura Rudas und Günther Kräuter würdigten ihn am Sonntag im SPÖ-Pressedienst als "großen Sozialdemokraten".

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Ströer war einer der Gründerväter des Österreichischen Gewerkschaftsbundes und als Zeitzeuge unermüdlich im Kampf gegen den Faschismus tätig, u.a. als langjähriger Vorsitzender der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer und als Vizepräsident des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes.

Ströer "war bekannt für seine Dialogbereitschaft mit Andersdenkenden, hat in seiner politischen Arbeit immer das Gespräch gesucht", sagten Rudas und Kräuter.

Der gelernte Werkzeugmacher - der am 3. Dezember 1920 als Kind einer Arbeiterfamilie in Wien geboren wurde - war unter den Nationalsozialisten von 1939 bis 1941 wegen Hochverrates inhaftiert. Als "Wehrunwürdiger" wurde er 1942 zur berüchtigten Strafkompanie 1999 eingezogen und geriet gegen Kriegsende in britische Gefangenschaft.

Nach seiner Rückkehr schloss sich Ströer der SPÖ an und fasste im ÖGB Fuß. Dort arbeitete er sich vom Jugendsekretär bis zum engsten Mitarbeiter des damaligen Präsidenten Franz Olah hoch. Den "Fall Olah" überstand er unbeschadet, er wurde unter Anton Benya Finanzsekretär. Von 1966 bis 1972 saß Ströer für die SPÖ im Nationalrat. Danach war er bis 1981 Vorstandsvorsitzender und später (bis 1987) Aufsichtsratsvorsitzender der BAWAG.

Ströer blieb auch im Ruhestand aktiv - nicht nur im DÖW und bei den SPÖ-Freiheitskämpfern, er war u.a. auch Direktor der Bruno Kreisky Stiftung für Verdienste um die Menschenrechte und trat immer wieder in der Öffentlichkeit als Zeitzeuge und Mahner gegen faschistische und rassistische Tendenzen auf. 2000 wurde ihm der Professorentitel für seine publizistischen Leistungen in der Geschichtswissenschaft verliehen.