Erstellt am 29. August 2015, 14:56

von APA/Red

Anhörung von Verdächtigen in Ungarn. Das Gericht in der mittel-ost-ungarischen Stadt Kecskemet hat Samstagnachmittag unter der Leitung des Richters Ferenc Bicskei mit der Anhörung der vier verdächtigen Schlepper begonnen.

 |  NOEN, APA (epa)

 Im Anschluss soll über die Verhängung der Untersuchungshaft entschieden werden. Österreichs Polizei hat ein Ermittlungsteam nach Ungarn geschickt. Die vier Männer, drei Bulgaren und ein Afghane, werden einzeln vom Richter gehört. Sie waren nach der Flüchtlingstragödie auf der Ostautobahn (A4) im Bezirk Neusiedl am See, bei dem in einem Kühltransporter 71 tote Flüchtlinge entdeckt wurden, festgenommen worden.

Einer der vier Verdächtigen begrüßte die anwesenden Journalisten mit einem "breiten Grinsen", berichtete das ungarische Nachrichtenportal "mno.hu". Garbor Schmidt, Sprecher der Staatsanwaltschaft des Komitats Bacs-Kiskun, machte vor der Anhörung keine näheren Angaben, sprach jedoch von Profitätern einer kriminellen Organisation.

Von der österreichischen Polizei wurde am Samstag ein Ermittlungsteam nach Ungarn geschickt. Das kündigte Polizeichef Hans Peter Doskozil am Freitagabend an. An Ort und Stelle sollen erste Abklärungen gemacht werden. Wie viele Beamte aus dem Burgenland nach Ungarn geschickt wurden, war zunächst nicht bekannt.

Todes-Lkw startete in der ungarischen Stadt Kecskemet

Offen war außerdem, ob der vierte Festgenommene ebenfalls angehört werde. Zu ihm konnte seitens der Staatsanwaltschaft Eisenstadt (StA) auf Anfrage keine Angaben gemacht werden. Wie sich die nun insgesamt vier Festgenommenen verantworten, war nicht bekannt.

"Wir haben zwar diesen tollen Erfolg, aber wir stehen trotzdem am Anfang der Ermittlungen", sagte StA-Sprecherin Verena Strnad. Sie verwies außerdem darauf, dass man "nicht in Echtzeit" informiert werde, wenngleich die Zusammenarbeit hervorragend sei. Details könne und wolle man nicht bekannt geben, "um die Ermittlungen nicht zu gefährden", sagte sie. Zu den Obduktionen hieß es, dass diese im Laufen seien und "zügig aber sorgfältig" durchgeführt werden. Es werde, wie schon erwähnt, einige Tage dauern.

Wie aus Ungarn verlautete, soll der Todes-Lkw in der mittel-ost-ungarischen Stadt Kecskemet gestartet sein, berichtete die Staatsanwaltschaft des Komitats Bacs-Kiskun am Samstag. Demnach hätten die vier verdächtigten Schlepper - drei Bulgaren und eine Afghane, die sich zur Zeit in Polizeigewahrsam befinden - die illegal über die ungarische Grenze geflohenen Flüchtlinge in Kecskemet aufgenommen und dann weiter nach Österreich transportiert.

Aus diesem Grund würde der Fall in die Kompetenz der für Kecskemet zuständigen Staatsanwaltschaft fallen, hieß es in der Aussendung. Am Samstagnachmittag wird das Gericht in Kecskemet darüber entscheiden, ob die Verdächtigen in U-Haft genommen werden. Die Staatsanwaltschaft hatte den Antrag auf U-Haft gestellt, da Flucht- und Verdunkelungsgefahr sowie der Verdacht auf Beeinflussung von Zeugen bestünde.


Schweigemarsch
Am Sonntag Abend findet ein „Schweigemarsch" für die verstorbenen Flüchtlinge von Parndorf statt. Treffpunkt ist um 19 Uhr an der kleinen Kapelle (Busstation), Nähe Neusiedler Bahnhof.