Erstellt am 23. September 2014, 13:03

Arzthelfer soll Patientinnen belästigt haben. Um strafrechtlich bedenkliche Vorgänge in einer Wiener Arztpraxis ist es am Dienstag in einer Verhandlung im Straflandesgericht gegangen.

Ein dort bis 2013 tätiger Ordinationshelfer soll drei Patientinnen sexuell bedrängt haben, die wegen ihrer Suchtgiftabhängigkeit in Behandlung standen. Für das Ausstellen von Rezepten soll der Mann als Gegenleistung "kuscheln" verlangt haben.

Laut Strafantrag soll der 62-Jährige mehrfach intensiv die Brüste der Frauen betastet haben. Bei einer Frau, der das rund zehn Mal widerfahren sein soll, kam es der Staatsanwaltschaft zufolge sogar bis zum Samenerguss, weil der Mann sich angeblich heftig und anhaltend am Körper der Patientin rieb. "Das stimmt überhaupt nicht", wies der Ordinationshelfer das entschieden zurück. Und weiter: "Ich bin Arzt und Christ. Ich würde über eine Frau nie so verfügen." Auf die Frage, wie er sich dann die Anschuldigungen erkläre, meinte der Mann: "Sie reden Blödsinn über mich."

Ordinationshelfer "führte" Praxis

In der betreffenden Ordination dürften recht eigenartige Zustände geherrscht haben. Die praktische Ärztin, die vor allem im Drogenersatz-Programm stehende Patienten behandelte, dürfte psychische Probleme und selbst einen gewissen Hang zu Beruhigungsmitteln gehabt haben. Die Gebietskrankenkasse sah sich nach einem Besuch bei der Ärztin jedenfalls veranlasst, die Ärztekammer zu verständigen. "Sie hat nicht den Eindruck gemacht, sie könnte eine Ordination führen. Wir haben uns nicht vorstellen können, wie die überhaupt Behandlungen durchführen soll", verriet ein Vertreter der Krankenkasse dazu als Zeuge dem Gericht. Die Ärztekammer habe allerdings nicht auf den Anruf reagiert.

In Wahrheit dürfte der Ordinationshelfer weitgehend die Praxis geführt haben. Der Mann hatte nach einem Medizinstudium die Ausbildung zum Turnusarzt absolviert, sich aber nicht mehr den abschließenden Prüfungen unterzogen. Um 800 Euro netto im Monat verdingte er sich danach als Hilfskraft bei der praktischen Ärztin.

An sich hätte sich auch die 56-jährige Medizinerin vor Richterin Petra Poschalko zu verantworten gehabt, da es neben den angeblichen Übergriffen des Ordinationshelfers - von der Staatsanwaltschaft als Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses zur Anklage gebracht - auch um schweren Betrug geht: Die Ärztin und ihr Mitarbeiter sollen der Krankenkasse Behandlungen verrechnet haben, die in Wahrheit gar nicht erbracht wurden. Inkriminierter Schaden: 8.000 Euro. Daneben sollen sie 13 Patienten ohne medizinische Indikation mit Benzodiazepinen versorgt haben, wobei im Strafantrag mindestens 6.000 Stück Somnubene ins Treffen geführt werden. Während der Ordinationshelfer sich auch dazu "nicht schuldig" bekannte, konnte seine Chefin nicht befragt werden: Sie wurde am vergangenen Samstag nach einem Zusammenbruch in einem Krankenhaus stationär aufgenommen und ist derzeit nicht verhandlungsfähig. Die Ärztin befindet sich übrigens seit Ende 2013 im Ruhestand. Ihre ehemalige Praxis ist geschlossen, der Ordinationshelfer seither arbeitslos.

Zum Betrugsvorwurf bemerkte der 62-Jährige, er habe beim Ausstellen von Rezepten ausschließlich auf Anweisung und mit Wissen seiner Chefin gehandelt. Als Turnusarzt habe er in Spitälern Rezepte geschrieben: "Ich habe geglaubt, dass ich das auch in der Ordination darf." Die Verhandlung wurde zur Ladung der angeblich bedrängten Patientinnen, etlicher weiterer Zeugen und eine präzisen Aufstellung des vermögensrechtlichen Schadens auf unbestimmte Zeit vertagt.