Erstellt am 26. August 2015, 17:02

von Elisabeth Kirchmeir

Attacke mit Maurerfäustel: "Habe einfach nur hingeschlagen". 69-jähriger Mann steht wegen Mordversuchs an seiner 46-jährigen Frau in Eisenstadt vor einem Schwurgericht.

Der Angeklagte vor Gericht  |  NOEN, Elisabeth Kirchmeir
Mit einem 1,16 Kilogramm schweren Maurerfäustel (siehe unten) soll ein 69-jähriger Pensionist seiner um 23 Jahre jüngeren Frau am 15. Februar dieses Jahres in Zagersdorf in Mordabsicht vier Wunden am Kopf zugefügt haben.

x  |  NOEN, LPD Burgenland


Seit heute, Mittwoch, muss sich der Mann wegen Mordversuchs vor drei Berufsrichtern und den Geschworenen verantworten. Er bekannte sich nicht schuldig.

BVZ.at hatte über den Fall berichtet:



Mit einem freundlichen "Guten Morgen" betrat der Angeklagte am Mittwoch um 9 Uhr den Schwurgerichtssaal im Landesgericht Eisenstadt. "Ich bin mit allem einverstanden", antwortete er der vorsitzenden Richterin Karin Knöchl auf deren Frage, ob er noch Fragen zum Prozessplan habe.

Staatsanwältin Verena Strnad wirft ihm vor, er habe versucht, seine Gattin durch mehrfache Hammerschläge zu töten. Er habe seine Frau im Garten ohne Vorankündigung attackiert und ihre schützenden Hände weggezogen. Die Frau habe es in Todesangst geschafft, die Liegenschaft zu verlassen, nachdem sie ihrem Mann Tritte versetzt hatte.

Außereheliche Beziehung begonnen

Im Juli 2014 hatte der Pensionist über eine Internetplattform für Katzenfreunde eine deutsche Staatsbürgerin kennengelernt, die seine Liebe zu Katzen teilte. "Im August reiste ich zu ihr nach Deutschland", berichtete der Angeklagte. Er sei sehr verliebt gewesen, sagte ein Freund des Pensionisten als Zeuge aus.

Vier Mal habe er die 50-jährige Geliebte getroffen, immer im Zusammenhang mit einem Udo Jürgens Konzert. Die deutsche Staatsbürgerin sei ein großer Fan des Sängers gewesen.

"Die Beziehung gipfelte darin, dass sie sich verlobten", berichtete die Staatsanwältin. Der Angeklagte habe die Übersiedlung der Freundin nach Zagersdorf geplant und für März 2015 einen LKW organisiert, der ihre Katzen und ihre Möbel nach Österreich bringen sollte.

Die Ehefrau, eine gebürtige Ungarin, soll im Dezember 2014 von der Affäre ihres Mannes erfahren haben. Dieser wiederum soll sich Gedanken darüber gemacht haben, wie er sich von seiner Gattin trennen könnte. In einem E-Mail an die deutsche Freundin soll davon die Rede sein, er überlege seine Frau "rauszukaufen", es soll in der Nachricht aber auch von "Erschl(agen)" und "Vergr(aben)" die Rede sein.

In der Nachbarschaft und gegenüber Freunden soll der Angeklagte die Nachricht verbreitet haben, seine Gattin plane auszuziehen. Im Garten grub er ein großes Loch. Um darin das Regenwasser versickern zu lassen, wie er vor Gericht sagte.

Vorfall geschah am hellichten Tag...

"Jemand, der über Monate hinweg so eine Tat plant, wird diese sicherlich nicht zu so einer Zeit und an so einem Ort ausführen", wies Verteidiger Andreas Jeidler darauf hin, dass der Vorfall an einem Sonntag, "am hellichten" Tag geschah und die Nachbarn freie Sicht auf den Tatort gehabt hätten.

Zu den Hammerschlägen sei es im Zusammenhang mit einem Streit gekommen sei. Die Frau habe gedroht, zwei seiner geliebten Katzen zu töten. "Da ist es mir zu viel geworden", sagte der Angeklagte.

Zu Beginn der Befragung entschuldigte sich der Angeklagte bei seiner Gattin, "dass ich ihr Schmerzen zufügte". Er bekannte sich schuldig dazu, "dass ich ihr bei dieser Rangelei den Hammer entwunden habe und sie vorsätzlich verletzt habe".

Zwei Ehen hatte er schon hinter sich, als er 1997 die um mehr als zwei Jahrzehnte jüngere Ungarin heiratete. "Mit ihr wollten sie gemeinsam alt werden?", fragte Richterin Birgit Falb. "Ich wollte jedenfalls alt werden", antwortete der Angeklagte, eine Formulierung, die im Gerichtssaal trotz des ernsten Themas Heiterkeit auslöste.

Trost bei Communities der Katzenfreunde

Lange währte das Glück nicht, zumindest wenn man den Beschreibungen des Angeklagten glaubt: "In den letzten 15 Jahren hatten wir keinen Sex miteinander, haben nicht mehr gemeinsam gegessen, unternahmen nichts gemeinsam."

Als er im Juli zu seinen neun Katzen zwei weitere aufnahm, habe die Gattin ungehalten reagiert. "Sie sagte: deine depperten Katzen", berichtete der Angeklagte. Trost fand er bei den Communities der Katzenfreunde im Internet, wo er auch die 50-jährige Freundin, seine spätere Verlobte kennenlernte.

Er habe dieser Frau, die unter Depressionen leide, helfen wollen, gab der Angeklagte an. Für 26. Februar 2015 sei noch ein Besuch in Österreich geplant gewesen. Er habe mit seiner Freundin Salzburg und Wien besuchen und ihr sein Haus in Zagersdorf zeigen wollen. Und er gab der 50-Jährigen zu verstehen, seine Gattin sei bereits ausgezogen. "Ich habe sie belogen", gab er Angeklagte zu.

So schildert der Angeklagte die Tat

Am 15. Februar habe er mit seiner Frau im Garten gearbeitet. Dabei sei es zum Streit gekommen. "Sie sagte: Du hast mich betrogen!", so der Pensionist. "Dann sah ich aus dem Augenwinkel, dass sie mit dem Maurerfäustel auf mich zugeht. Sie wollte mir zeigen, wo der Hammer hängt. Sie war ziemlich erregt. Ob sie mich attackieren wollte, will ich ihr nicht unterstellen."

Im Gerangel um den Hammer habe er sie offenbar das erste Mal am Kopf getroffen. "Wir stürzten und sie schrie: Ich töte deine Katzen. Da kam bei mir die Emotion hoch, dass ich mit dem Hammer auf sie einschlug. Aber nicht um sie zu töten. Ich habe einfach nur hingeschlagen."

Zwei Schläge habe er ihr auf den Kopf versetzt, eine vierte Wunde habe sie vielleicht erlitten, als sie stürzte und mit dem Kopf auf einen Baumstumpf fiel.

Der Prozess wurde vertagt. Am Donnerstag soll den Geschworenen zunächst ein Video von der Tatortrekonstruktion gezeigt werden. Anschließend wird die Aussage der Ehefrau des Angeklagten verlesen, danach wird noch ein Zeuge gehört. Ein Urteil könnte nach derzeitigem Stand am Donnerstag fallen.