Erstellt am 11. September 2015, 11:29

von Wolfgang Millendorfer

„Ausnahmezustand“ an der Grenze. Tausende Flüchtlinge wollen Richtung Wien, viele versuchen es auf eigene Faust. Polizei stellt wieder Busse bereit, zugleich mangelt es an Unterkünften.

 |  NOEN, BVZ
Bis zu 3.700 Flüchtlinge kamen bis Freitagfrüh bei Nickelsdorf über die Grenze, im Lauf des Tages rechnet man mit Tausenden weiteren. Obwohl es bislang zu keinen Zwischenfällen kam, wird von einem „Ausnahmezustand“ gesprochen.



Viele Flüchtlinge sind mittlerweile zu Fuß entlang der B10 unterwegs. Vom Bahnhof Zurndorf aus wollen sie mit den Pendlerzügen nach Wien gelangen, andere versuchen es mit dem Taxi.
 
Wie die ÖBB bekannt gaben, wird der Zugverkehr von und nach Ungarn aufgrund „massiver Überlastung“ das ganze Wochenende über ausgesetzt.

Das sei wichtig, um den Betrieb aufrecht zu erhalten: „Bereits ein einziger überfüllter Bahnhof kann zum Erliegen des gesamten Bahnverkehrs führen“, so die Stellungnahme der ÖBB. Heute, Freitag, sollen jedoch sechs weitere Sonderzüge nach Deutschland abfahren.



Seitens der Polizei werden jetzt wieder zahlreiche Autobusse bereitgestellt, wobei es immer wieder zu Gedränge kommt.

„Unter den Flüchtlingen sind auch viele Kinder und schwangere Frauen, Familien wollen zusammenbleiben. Das ist natürlich auch für die Beamten vor Ort eine belastende Situation“, sagt Gerald Pangl vom Landespolizeidirektion im BVZ-Gespräch.

http://www.roteskreuz.at/bgl/mitmachen/mitarbeit/fluechtlingsbetreuung/

Eine weitere Schwierigkeit: Aufgrund des Andrangs findet man derzeit kaum freie Unterkünfte zur Erstversorgung. Am Festivalgelände Wiesen, wo über Nacht rund 700 Flüchtlinge ankamen, sollen nun zusätzliche Zelte aufgestellt werden. In Nickelsdorf baute das Bundesheer 40 Militärzelte auf, in denen bis zu 2.000 Menschen Schutz finden.

Seitens der Hilfskräfte wird auch wieder um Unterstützung aus der Bevölkerung gebeten. Gebraucht werden vor allem Decken und Nahrung.

„Gesetze sind nicht außer Kraft gesetzt“

Zusätzlich zu den Autobussen, bieten zahlreiche Taxis aus der Region eine Möglichkeit, die Lage zu entschärfen. In den sozialen Netzwerken rufen die Menschen außerdem dazu auf, mit dem Privatauto den Transport zu unterstützen. Polizei-Sprecher Gerald Pangl betont: „Die Gesetze sind nicht außer Kraft gesetzt. Wir versuchen aber weiterhin, im Sinne einer humanitären Lösung zu agieren.“

So könnte der Transport mit dem Privatauto eine Verwaltungsstrafe nach sich ziehen. Seitens der Polizei will man, soweit es der Flüchtlingsandrang zulässt, diese Fälle auch dokumentieren. Zugleich werde in weiterer Folge geprüft, inwiefern durch die besondere Situation Entschuldigungsgründe vorliegen.