Erstellt am 17. Oktober 2014, 17:41

von APA/Red

Bande verkaufte 130 Kilo Cannabiskraut. Eine geringe Menge Cannabis, die sie bei einer Fahrzeugkontrolle im Auto eines Burgenländers fanden, hat Polizisten auf die Spur einer Drogenbande gebracht.

Die Bande, die drei Indoorplantagen betrieb, soll seit zweieinhalb Jahren über 130 Kilogramm Cannabisblüten im Wert von rund 1,3 Millionen Euro verkauft haben. Fünf Verdächtige, unter ihnen der mutmaßliche Haupttäter, sitzen in U-Haft.

Insgesamt 46 Tatverdächtige ausgeforscht

Insgesamt forschten Ermittler 46 Tatverdächtige aus, berichtete der Bezirkspolizeikommandant von Oberwart, Oberstleutnant Oskar Gallop, am Freitag. Elf Personen sollen Cannabis in großer Menge hergestellt und in Umlauf gebracht haben. Auch 35 Abnehmer, die selbst Drogen konsumiert und teilweise als Kleinstdealer fungiert haben sollen, flogen auf. Die Verdächtigen stammen aus Wien, Niederösterreich und dem Südburgenland.

Als mutmaßlicher Haupttäter der Bande gilt ein 37-jähriger Kraftfahrer einer Magistratsabteilung in Wien. Er wird verdächtigt, die Anlagen mit drei weiteren Beschuldigten errichtet und betrieben zu haben.

Fahrzeugkontrolle in Loipersdorf als Ausgangspunkt

Mit dem Cannabisfund bei einer routinemäßigen Fahrzeugkontrolle im Mai auf der Südautobahn (A2) bei Loipersdorf (Bezirk Oberwart) nahm der Fall seinen Ausgang. Bei den Ermittlungen stießen die Fahnder auf drei Indoorplantagen. Eine der Anlagen hatte eine getarnte Außenfassade und befand sich in einem von Bäumen umgebenen, aufgelassenen Weinkeller in Wien. Im Nebengebäude eines Wohnhauses im Bezirk Gänserndorf hatten die Verdächtigen den Boden aufgeschnitten und händisch 1,60 Meter ins Erdreich gegraben, schilderte Gallop.

Die dritte Indoorplantage hoben Fahnder im Keller eines Einfamilienhauses im Bezirk Mistelbach aus. Auffallend seien die "extrem professionelle Installationen" gewesen, sagte Gallop. Der Strom zum Betrieb wurde vor dem Zähler abgezweigt. So entstand Energieversorgern ein Schaden von rund 100.000 Euro.

Täter betrieben Zucht auf hohem Niveau

Ebenso professionell war die Aufzucht: "Wir haben Zuchtanweisungen vorgefunden", berichtete der Bezirkspolizeikommandant. Dort war beschrieben, wie Bewässerung, Beleuchtung und Temperatur gewählt und wie Düngemittel minutengenau eingesetzt werden sollten, um "optimalen Erfolg" zu erzielen.

"Insgesamt haben wir 700 Pflanzen sichergestellt", so der Oberstleutnant. Aufgrund von Berechnungen gehe man aber davon aus, dass über 130 Kilogramm Cannabisblülten in Umlauf gebracht worden seien. Der Kontakt zwischen Dealern und Drogenkonsumenten wurde im Bekannten- und Freundeskreis hergestellt. Die Übergabe der Drogen sei grundsätzlich in den Wohnungen der Beschuldigten erfolgt.

Indooranlagen waren schwer gesichter

Die Eingänge zu den Anlagen waren "teilweise schwer gesichert", sagte Gallop. Sie verfügten über Eisentüren mit eigenen Schließvorrichtungen. Bei neun Hausdurchsuchungen fand die Polizei drei Pistolen und ein Gewehr, alle mit Schalldämpfer ausgestattet, sowie 2.000 Schuss Munition. "Bei der Festnahme ist kein Widerstand geleistet worden", sagte der Bezirkspolizeikommandant. Auch 40.000 Euro stellten die Ermittler sicher.