Erstellt am 07. Februar 2012, 13:15

Barbetreiber: "Massive" Kontrollen. Im Prozess gegen eine Rotlicht-Ermittler im Landesgericht Eisenstadt klagten am Dienstag zwei Barbetreiber über häufige Polizeikontrollen nach dem Vorfall mit einer Prostituierten, die der Beamte im Intimbereich berührt haben soll.

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Eine der Frauen schilderte bei ihrer per Video aufgezeichneten Befragung, dass der angeklagte Beamte sie einmal begrapscht habe, worauf sie aufsprang und das Zimmer verließ. Der Ermittler habe "mit jeder einzelnen von uns dieses Spielchen gemacht - entweder zahlen wir die Strafe oder wir befriedigen ihn mit dem Mund oder sonst irgendwie."

Der Besitzer eines Nachtklubs, der auch in Wien mehrere Lokale betreibt, meinte: "Ich habe mich gewundert über die massiven und aggressiven Kontrollen." Über den Beamten sei ihm erzählt worden: "Der führt sich auf, der geht die Mädchen an, schickt sie in einen Extraraum und begrapscht sie dort." Er habe sich gedacht, "nur net anlegen mit der Polizei", bis ihm ein Mädchen eine SMS schickte: "Bitte schnell kommen, große Probleme mit Polizia."

"Im Betrieb waren sie alle aufgebracht", schilderte der Zeuge. Er habe auch gehört, dass der Beschuldigte eine der Frauen zu Hause aufgesucht habe. Persönlich kenne er den Beschuldigten nicht.

Nach dem Vorfall habe es im Nachtclub Amtshandlungen mit acht oder zehn Beamten gegeben. Die hätten "das ganze Haus auf den Kopf gestellt. Das war reine Willkür", klagte der Zeuge. Er wisse nur, dass das betroffene Mädchen "sehr geschockt" gewesen sei und die Bar und Österreich verlassen habe. Er habe sich bemüht, dass die Frau wieder zurückkomme. "Sie ist ein tolles, gutes Mädchen für mich vom rein Geschäftlichen."

"Die Anzeige kommt nicht von uns", meinte der Barbesitzer. Nach dem Vorfall sei sehr häufig - zwei bis dreimal die Woche - von der Polizei kontrolliert worden: "Dann ist es schon massiv geworden. Können sie sich vorstellen - wenn so etwas passiert, dann ist Aufregung im Betrieb." Es habe auch Beamte gegeben, die Türen aufbrechen ließen. In Wien seien die Kontrollen nicht so häufig. Aus den vorgelegten Kontrollblättern ließe sich die vom Zeugen behauptete Häufigkeit der Amtshandlungen nicht feststellen, erklärte der Richter.

Auch ein anderer Nachtklubbesitzer, der zeitweise vier Lokale gleichzeitig betrieben hatte, sagte im Prozess aus. Bei den Kontrollen seien die Polizisten zu zweit erschienen. Die Mädchen seien dann an die Bar gekommen oder hätten sich an einen Tisch gesetzt und die Papiere vorgezeigt. Bei starkem Betrieb sei habe man Kontrolle auch in ein Extrazimmer verlegt. "Jetzt wartest du tagelang, dass du ein gutes Geschäft machst und dann kommt die Polizei und stört alles", meinte der Barbetreiber.

Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe gegen den Beamten hätten Polizisten zwei Monate lang jede Woche "Vollgas gegeben", schilderte der Zeuge: "Mit zehn Leuten sind sie angerückt. Erst dann habe er sich beschwert und gesagt: "Jetzt hab'ich die Nase voll. Das könnt's in Chicago machen." Er habe immer geglaubt, dass der Beschuldigte ein anderer Beamter sei und nicht jener Ermittler, der vor Gericht stehe, meinte der Lokalbesitzer. "Ihre persönliche Meinung ist ihnen natürlich unbenommen", entgegnete der Vorsitzende.