Erstellt am 16. Mai 2014, 15:02

von APA Red

Bauer um 100.000 Euro betrogen. In Eisenstadt haben sich am Freitag vier Personen aus Ungarn vor Gericht verantworten müssen, die einem 56-jährigen Landwirt aus dem Südburgenland 100.000 Euro herausgelockt haben sollen.

Foto: Erwin Wodicka  |  NOEN, Erwin Wodicka
Eine der Angeklagten, eine 36-jährige Frau, die auch ein Verhältnis mit dem Bauern hatte, hatte behauptet, an Krebs erkrankt zu sein, und täuschte u.a. Todesfälle vor. Alle Angeklagten wurden schuldig gesprochen.

Zwei Bekannte als Ärzte "engagiert"

Im Jahr 2011 sollen sich der Landwirt und die 36-Jährige kennengelernt haben. Auch ein kurzes sexuelles Verhältnis sollen die beiden miteinander gehabt haben. Kurz darauf soll die Angeklagte laut Staatsanwaltschaft auf die Idee gekommen sein, dem Opfer "Geld unter Vorspielung falscher Tatsachen herauszulocken".

Sie täuschte vor, an Krebs erkrankt zu sein, medizinische Behandlungen zu benötigen und Operationen vornehmen zu lassen, wofür sie Geld benötigte. Das Opfer habe nicht nachgefragt und ihr "namhafte" Geldbeträge übergeben, hieß es in der Anklage.

Um offenbar glaubhaft zu erscheinen, soll die Frau zwei Bekannte - einen 32-jährigen und einen 20-jährigen Ungarn - mit ins Boot geholt haben, die sich am Telefon als Ärzte ausgaben. Der 20-Jährige - er wohnt im Südburgenland und spricht perfekt Deutsch - hat laut dem Opfer "eine kriminelle Energie, der ist Schauspieler." Dass es so weit gekommen sei - der Landwirt meinte, dass er um etwa 150.000 Euro betrogen worden sei - sei von dem 20-Jährigen, der als ihr Neffe auch Geld abholte, ausgegangen.

Opfer nervlich angespannt

"Sie hat immer versprochen, dass sie das wieder gutmacht", erinnerte sich das Opfer vor dem Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Birgit Falb. Das Geld hätte er ihr lediglich borgen wollen, sie habe behauptet, dass sie ihm das Geld wieder zurückzahlen werde. Die Frau habe nicht nur von teuren Behandlungskosten geredet, sondern auch gesagt, dass ihre Mutter und ihr Kind gestorben wären und sie Geld für die Begräbniskosten brauche.

Vor Gericht zeigte sich das Opfer nervlich angespannt. "Man wird wahrscheinlich annehmen, wenn man so etwas macht, kann man nicht ganz dicht im Kopf sein. Das ist neben dem Schaden, den ich meiner Familie angerichtet habe, auch schwer zu verkraften. Meine Umgebung sagt: Wie kann man so etwas machen. Das belastet mich sehr."

Er habe der Geschichte aus drei Gründen Glauben geschenkt, erläuterte er vor Gericht: Das profilierte Auftreten des Arztes am Telefon (der 20-jährige Angeklagte, Anm.), die besondere Dringlichkeit, weil sie nicht locker ließen und es wirklich dringend schien und weil man ihm glaubhaft versichert habe, dass er das Geld zurückbekomme.

"Ärzte" durften nach Prozess nach Hause

Dass seine einstige Freundin mit dem Betrug etwas zu tun gehabt habe, habe er nicht gedacht: "Ich habe bis zuletzt geglaubt, dass sie mich nicht anschummelt."

Die beiden "Ärzte", denen die StA gewerbsmäßig schweren Betrug vorgeworfen hat und die sich seit Jänner in U-Haft befunden hatte, durften nach der Verhandlung nach Hause gehen. Der 32-Jährige fasste eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten, davon sechs Monate unbedingt aus und wurde zu zwei Drittel bedingt entlassen. Der Senat sprach ihm eine Schadenssumme von 25.000 Euro zu, die er mit dem 20-Jährigen dem Opfer herausgelockt haben soll.

36-Jährige wurde nicht entlassen

Der 20-Jährige, der gemeinsam mit der Angeklagten dem Opfer weitere 55.000 Euro herausgelockt haben soll, fasste 24 Monate, davon acht Monate unbedingt aus. Er wurde bedingt zur Hälfte entlassen. Die 36-jährige Angeklagte wurde zur selben Strafe verurteilt, wurde jedoch nicht entlassen, da sie erst Ende Februar in Ungarn verhaftet worden war. Ihr wurde eine alleinige Schadenssumme von 20.000 Euro vorgehalten.

Für eine 18-jährige Freundin, die einmal Geld genommen hatte, obwohl sie wusste, woher dieses stammte und wie die Angeklagten dazu gekommen waren, gab es eine Strafe in der Höhe von sechs Monaten bedingt wegen des Vorwurfs der Geldwäsche und Beitrag zum Betrug. Alle vier Urteile sind rechtskräftig.