Erstellt am 06. August 2012, 13:34

Beruf Polizist - Noch nie so viele Bewerber. 70 Prozent Maturanten, 30 Prozent Frauen, rund sieben Prozent Migranten - der österreichischen Polizei ist es noch nicht ganz gelungen, einen Querschnitt der Bevölkerung in den eigenen Reihen zu repräsentieren.

Der Polizeiberuf sei aber attraktiv wie nie zuvor, betonte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner bei einem Hintergrundgespräch am Montag in Wien. Mehr als 6.000 Bewerber gibt es jährlich für 1.000 verfügbare Stellen. Wünschenswert wäre eine höherer Anteil an Migranten und Berufsabgängern.

"Wir wollen keine Elitepolizei", sagte der Direktor der Sicherheitsakademie (SIAK), Norbert Leitner. In manchen Ausbildungsklassen liege der Anteil an Maturanten bei 70 Prozent. Auch die Zahl der Akademiker steigt seit einigen Jahren immer mehr. "Akademiker wissen, dass man bei der Polizei gute Aussichten und Karrieremöglichkeiten hat", sagte Leitner. Besonders für Juristen sei der Job attraktiv.

"Es gibt europäische Länder, die nur die Elite wollen", sagte Leitner und führte Norwegen als Beispiel an. Ein gewisser Bildungsstandard (Bachelor) sei dort Voraussetzung für den Polizeiberuf. In Österreich wolle man das definitiv nicht. "Der Idealfall wäre eine Diversität aus allen Schichten. Wir wollen ein Abbild der Gesellschaft sein und den Bevölkerungsquerschnitt repräsentieren", betonte der SIAK-Leiter.

Dort "wo wir nicht so gut vertreten sind", versuche man gezielt Nachwuchs anzusprechen. Konkret betrifft das Migranten, aber auch Berufsabgänger. "Menschen, die bereits einen Beruf ausgeübt haben, haben eine andere Lebenserfahrung, soziale Aspekte spielen da eine Rolle", meinte Leitner. Mit der Frauenquote sei man mittlerweile zufrieden.

Der Anteil an Migranten wächst, er könnte aber höher sein: Rund sechs bis sieben Prozent der Polizeischüler haben Migrationshintergrund, vor drei Jahren war der Anteil nur halb so groß, sagte Thomas Schlesinger, Leiter des Zentrums für Grundausbildung. Wie viele Bewerber Migrationshintergrund haben, wird nicht erhoben. Man wolle nicht den Anschein erwecken da zu unterscheiden - zwischen "wir und die anderen". Viel mehr setze man auf die direkte Ansprache in Schulen, gehe in Communities, wo man Migranten antrifft oder setzt auf Inserate in Migrantenmedien.

Michael Akgül ist gebürtiger Wiener, seiner familiären Wurzeln liegen in der Türkei. Er hat sich für den Polizeidienst nach seiner Matura entschieden, weil "ich einen Job mit Verantwortung wollte, wo es Weiterbildungsmöglichkeiten gibt und Abwechslung geboten wird". Die Entscheidung dafür sei aber schon in seiner Schulzeit gefallen, erzählte er. "Freunde fragen mich viel über meinen Job und interessieren sich dafür. Es kommen immer mehr deswegen auf mich zu", meinte er. Wie kann man Migranten am besten für den Polizeiberuf anwerben? "Indem man Polizisten mit Migrationshintergrund auf Plakaten sieht" - oder im besten Fall auf der Straße.

Mit Nachwuchsproblemen habe mittlerweile kein Bundesland zu kämpfen. "Derzeit gibt es so viele Polizisten in Ausbildung wie nie zuvor", sagte die Innenministerin. Mit der 2009 gestarteten Ausbildungsoffensive habe man das Nachwuchsproblem gelöst. Wobei sich schon zeige, dass der Andrang in den westlichen Bundesländern größer ist als in Wien. Im Innenministerium führt man das auf den Arbeitsmarkt zurück. Dieser biete in und rund um die Bundeshauptstadt einfach mehr Möglichkeiten als in ländlicheren Gebieten.

Die Ausfallsquote der Bewerber ist hoch und liegt bei 1:6 oder 1:7. Dass nur einer von sieben Bewerbern den Sprung in den Polizeidienst schafft, habe aber nicht zwingend mit mangelnder Qualifikation zu tun. 60 Prozent der Anwärter würden laut Innenministerium als qualifiziert bewertet. Tatsache sei, dass auf sieben Bewerber nur ein Ausbildungsplatz kommt.